Grönlands Rohstoffreichtum ist nur schwer zugänglich

Unter der eisigen Oberfläche Grönlands liegt eine Fülle unerschlossener Mineralien, die für den grünen Wandel von entscheidender Bedeutung sind. Die Vorkommnisse stellen auch einen Vorstoß der Insel in Richtung finanzieller Unabhängigkeit von Dänemark dar.

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Ice-choked fjord and Proterozoic gneiss at Ilulissat Ice fjord, Ilulissat, Greenland
Seit der Erlangung der Selbstverwaltung im Jahr 2009 gehört der Regierung der Insel alles, was sich unter der Oberfläche befindet. [(Photo by: Marli Miller/UCG/Universal Images Group via Getty Images)]

Unter der eisigen Oberfläche Grönlands liegt eine Fülle unerschlossener Mineralien, die für Europas Energiewende von entscheidender Bedeutung sind. Auch für die finanzielle Unabhängigkeit von Dänemark sind die schwer zugänglichen Vorkommnisse interessant.

Nuuk, Grönland – Mit dem Vorschlag des US-Präsidenten, Grönland aus Gründen der „wirtschaftlichen Sicherheit“ zu kaufen – oder es mit Gewalt an sich zu reißen – stieg die Berichterstattung über das selbsterhaltende Gebiet innerhalb des Königreichs Dänemarks stark an.

Trumps Vizepräsident J.D. Vance ist davon überzeugt, dass Grönland „ein unglaublich reiches Land“ sei, gibt aber den Dänen die Schuld an der finanziellen Situation der größten Insel der Welt. Laut ihm werde den Grönländern die Exploration und Erschließung der Ressourcen verwehrt.

Vance irrt sich jedoch, denn Grönland hat selbst die Kontrolle über seine Bodenschätze und nicht Dänemark. Seit der Eigenverwaltung im Jahr 2009 verfügt die Regierung der Insel über alles, was sich unter der Oberfläche befindet.

Vor Ort hat man sich nicht auf dem ungenutzten Reichtum ausgeruht. Stattdessen hat Grönlands Regierung den Grundstein für den Ausbau ihrer Bergbauindustrie gelegt und Genehmigungen erteilt, um die Wirtschaft zu diversifizieren, die immer noch stark von Fischerei, Tourismus und Bauwesen abhängig ist.

In diesem Sinne steht US-Firmen nichts im Wege, in die Bergbauindustrie der Insel zu investieren. So haben die USA und Grönland bereits während der ersten Amtszeit von Trump eine Absichtserklärung unterzeichnet.

„Trump versucht, eine offene Tür einzutreten“, sagte die grönländische Ministerin für Bodenschätze, Naaja Nathanielsen, gegenüber Euractiv in ihrem Büro in Nuuk.

Ob US-Firmen die Gelegenheit nutzen werden, ist eine andere Frage.

„Derzeit gibt es nur eine Explorationslizenz in amerikanischem Besitz. Kanada und Großbritannien halten zusammen 28 Lizenzen.“

Nathanielsen hegt keinen Groll gegen die Trump-Regierung und freue sich vielmehr auf eine weitere Zusammenarbeit. Auch wenn ihr die Vorstellung, Grönland wie eine Ware zu behandeln, missfällt, ist die Botschaft klar: Die Insel ist offen für Geschäfte.

Das Gleiche gilt für die EU. „Es liegt an euch“, sagte Nathanielsen und ermutigte die EU-Staaten und Brüssel, die Arbeit der Investoren zu erleichtern. Im Jahr 2023 unterzeichnete sie eine Absichtserklärung mit der EU-Kommission, um Mineralien aus dem grönländischen Untergrund auf das europäische Festland zu bringen, aber bisher ist wenig geschehen.

„Wir haben die Mineralien, aber es liegt an den Importländern, sicherzustellen, dass ihre Unternehmen Zugang zu den benötigten Mineralien haben.“

Sechzehn Jahre Wartezeit 

Doch selbst wenn Investoren bereitstehen, schaffen es nur wenige Projekte über die Anfangsphase hinaus. Warum ist es so schwierig?

16 Jahre dauerte es zuletzt, bis eine Mine eröffnet werden konnte, erklärte die Ministerin. Auf Grönland müssen Unternehmen nicht nur graben, sondern jegliche Infrastruktur von Grund auf neu bauen, wie Straßen und einen Hafen.

Nathanielsen merkte an, dass „die politischen Entscheidungsträger das Ausmaß der Risiken in den frühen Phasen dieses Prozesses vielleicht noch nicht begriffen haben“.

Das Unternehmen Grönland Anorthosite Mining arbeitet beispielsweise an einer neuen Anorthosit-Mine etwa 100 km südlich von Nuuk. Alle benötigten Baumaterialien müssen dafür zur 15 Kilometer vom Ufer des Fjords entfernten Abbaustätte gebracht werden.

„In den letzten 20 bis 25 Jahren wurden erstaunlich wenige Bergbauprojekte auf Grönland erschlossen“, sagte der Anorthosite Mining Geschäftsführer, Claus Stoltenberg gegenüber Euractiv während einer Veranstaltung in der Hauptstadt. Er zeigte sich optimistisch, dass der Standort 2027 endlich in Betrieb genommen werden kann.

Für Investoren sind 16 Jahre eine lange Wartezeit. Sie müssen jahrelang Vorlaufkosten tragen, ohne garantierte Abnehmer zu haben – und wie Australian Energy Transition Minerals feststellen musste, kann eine politische Entscheidung ein Projekt über Nacht zum Erliegen bringen.

Das Unternehmen hatte große Pläne, in Kvanefjeld Rohstoffe abzubauen, die in Batterien verwendet werden. Bei dem Abbau wären Uran, Fluorit und Zink als Nebenprodukte angefallen. Seit 2007 haben die Australier über 140 Millionen Euro in die Erschließung des Standorts investiert. Außerdem wurde ein lokaler Geschäftsmann und ehemaliger Kabinettschef des Premierministers des Landes, Svend Hardenberg, als Vertreter des Unternehmens vor Ort eingestellt.

Als Euractiv ihn in seinem Büro traf, ließ er durchblicken, dass Grönland nicht offen für Geschäfte sei – zumindest nicht mit der derzeitigen Regierung.

Als die sozialistische und umweltbewusste IA-Partei Grönlands „Gemeinschaft der Menschen“ die Wahl 2021 gewann, stellte Premierminister Múte B. Egede das Projekt ein. Damit setzte er sein Wahlversprechen um, sich gegen den Uranabbau zu stellen.

Das Unternehmen fordert zehn Milliarden Euro Schadenersatz, obwohl es für Hardenberg nach wie vor oberste Priorität hat, das Projekt wieder auf Kurs zu bringen.

Am Telefon aus Narsaq in der Nähe der geplanten Mine sagte Hardenbergs Chef und Geschäftsführer von Energy Transition Minerals, Daniel Mamadou-Blanco, er habe es satt, dass die Regierung der Insel die Regeln rückwirkend ändere.

Zwar habe sein Privatunternehmen kein politisches Interesse an den kommenden Wahlen vom 11. März, er sei aber davon überzeugt, dass seine Mine die Unabhängigkeit Grönlands fördern könnte, nach der sich die Grönländer so sehr sehnen.

„Die Fähigkeit eines Landes, seine Richtung zu wählen, ist untrennbar mit seiner Wirtschaftskraft verbunden. Das kann ich mit Sicherheit sagen. Und das gilt für Grönland, Dänemark, die Vereinigten Staaten, Spanien und Europa im Allgemeinen.“

Nathanielsen lehnte es ab, sich im Detail zu den laufenden Gerichtsverfahren zu äußern. Sie gehe jedoch davon aus, dass die Regierung gewinnen werde.

Raue arktische Bedingungen, schlechte Infrastruktur und vorsichtige Investoren haben den hoch gepriesenen Rohstoffboom auf Grönland auf Eis gelegt.

Der Weg zur Unabhängigkeit

Es ist schwer vorstellbar, wie der riesige Bodenschatz der Insel die Wirtschaft in absehbarer Zeit verändern wird, sagte Minik Rosing, grönländischer Professor für Geologie an der Universität Kopenhagen.

57.000 Menschen leben auf Grönland, die meisten von ihnen in der Umgebung von Nuuk. Im Bergbausektor sind nur 100 Menschen beschäftigt – das sind gerade einmal 0,4 Prozent der Erwerbsbevölkerung. Trotz des Regierungsvorhabens, die Branche weiterentwickeln, „reichen Ressourcen allein nicht aus.“

Derzeit finanziert Dänemark ein Drittel des öffentlichen Haushalts Grönlands. Selbst wenn die neue Anorthosit-Mine die versprochenen jährlichen Steuereinnahmen in Höhe von 13,4 Millionen Euro generieren würde, macht das immer noch weniger als ein Prozent des Haushalts aus.

Dasselbe gilt für die Erhöhung der Zahl der Großprojekte. Es wird „nicht ausreichen, um [Dänemarks] Blockzuschuss zu ersetzen, und die Einnahmen aus diesen Projekten werden die Wirtschaft langfristig nicht stabilisieren“, heißt es im von Rosing mitverfassten Bericht.

Dann ist da noch die Marktrealität. Im Gegensatz zu Gold, das einen intrinsischen Marktwert hat, müssen Metalle und seltene Erden abgebaut werden und ein Käufer gefunden werden, der bereit ist, das Risiko einzugehen – mit rund 16 Jahren Geduld.

„Wenn man Metalle ausgräbt, muss man jemanden finden, der dumm genug ist, es zu kaufen. Dann verhandelt man sechs Monate lang, nur um vom Preis enttäuscht zu werden“, erklärte Rosin.

Angesichts der bevorstehenden Wahl am 11. März fragt sich Rosing, ob die Unabhängigkeit Grönlands wirklich zu Ende gedacht wurde. „Die Frage ist nicht, ob Grönland unabhängig sein kann“, sagt Rosing.

„Die Frage ist, ob die Grönländer sich wirklich überlegt haben, wie eine Unabhängigkeit aussehen würde.“

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