Griechenland: Teilweiser Zahlungsausfall Ende August
Ende August könnte die komplexe Teil-Umschuldung Griechenlands über die Bühne gehen. DIW-Experten bemängeln "Großzügigkeit" zu Lasten des Steuerzahlers.
Ende August könnte die komplexe Teil-Umschuldung Griechenlands über die Bühne gehen. DIW-Experten bemängeln „Großzügigkeit“ zu Lasten des Steuerzahlers.
Der geplante Tausch griechischer Staatsanleihen soll einem Diplomaten zufolge ab Ende August innerhalb weniger Wochen erfolgen, um den erwarteten teilweisen Zahlungsausfall Griechenlands auf möglichst kurze Zeit zu beschränken.
"Wahrscheinlich wird das irgendwann in den letzten Tagen des August und den ersten Tagen des September geschehen und es soll gleichzeitig in ganz Europa passieren", sagte der hochrangige EU-Vertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Damit würde der Moment, "in dem es den Ratingagenturen zufolge einen teilweisen oder eingeschränkten Bankrott geben wird … ziemlich kurz sein."
Die Ratingagenturen haben angekündigt, Griechenland wegen des Tauschs als zahlungsunfähig zu bewerten. Nach Abschluss der Umschuldung wollen sie das Land jedoch wieder innerhalb ihrer Bonitäts-Skala in eine günstigere Kategorie einstufen. Die jüngsten Krisenbeschlüsse des Euro-Gipfels am Donnerstag sollen die Pleitephase so kurz wie möglich halten.
Gipfel-Ruhe bis September?
Die Privatgläubiger Griechenlands sollen demnach einen Abschlag von 21 Prozent auf den Wert ihrer Hellas-Anleihen in Kauf nehmen. Dies ist Teil eines Beitrags im Umfang von netto 37 Milliarden Euro, mit dem sich der Sektor in den kommenden drei Jahren am zweiten Hilfspaket für die Regierung in Athen beteiligt.
Den Angaben des Diplomaten zufolge planen die Finanzminister der Euro-Zone derzeit kein zusätzliches Treffen vor ihrem Termin Mitte September. Die Arbeitsgruppe der Gemeinschaft, die griechische Regierung und der Internationale Bankenverband IIF berieten weiterhin über die Einzelheiten des Anleihetauschs, sagte er. Voraussichtlich sei dabei aber kein Eingreifen der Finanzminister nötig. Sollte sich die Lage ändern, könnten die Ressortchefs irgendwann im August miteinander telefonieren.
DIW-Kritik: Schuldenschnitt müsste drastischer ausfallen
Das Modell zur Beteiligung privater Gläubiger trifft indessen auf Kritik. "Die Beschlüsse des Gipfels überraschen hinsichtlich des Ausmaßes und der Großzügigkeit der finanziellen Unterstützung Griechenlands durch den Steuerzahler", so die DIW-Experten Ansgar Belke und Christian Dreger in einem Standpunkt auf EURACTIV.de. "Gleichzeitig werden private Investoren nicht hinreichend einbezogen, um die griechischen Staatsschulden mittelfristig tragbar werden zu lassen." Stattdessen hätte der Gipfel sich zu einem drastischeren Schuldenschnitt durchringen und die Beteiligung des privaten Sektors verpflichtend gestalten müssen, so die Experten.
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht schon in der freiwilligen Vereinbarung große Belastungen für den Finanzsektor. "Ja, das trifft uns hart", sagte Ackermann in einem ZDF-Interview vergangene Woche. Ackermann hat als Vorsitzender des internationalen Bankenverbands IIF am Euro-Gipfel teilgenommen.
EURACTIV/rtr/awr
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