Griechenland-Hilfen - vorerst keine Verlängerung

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwägt nach eigenen Angaben derzeit keine Verlängerung der milliardenschweren Kredite an Griechenland. Entsprechende Gedankenspiele von IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn waren in Berlin auf Ablehnung gestoßen. Eine neue Umfrage zeigt, wie der harte Sparkurs der Regierung Papandreou bei den Griechen ankommt.

Es ist kein einfacher Job für Premierminister Giorgos Papandreou, Griechenland auf einen harten Sparkurs einzuschwören. Foto: dpa.
Es ist kein einfacher Job für Premierminister Giorgos Papandreou, Griechenland auf einen harten Sparkurs einzuschwören. Foto: dpa.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwägt nach eigenen Angaben derzeit keine Verlängerung der milliardenschweren Kredite an Griechenland. Entsprechende Gedankenspiele von IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn waren in Berlin auf Ablehnung gestoßen. Eine neue Umfrage zeigt, wie der harte Sparkurs der Regierung Papandreou bei den Griechen ankommt.

Es gebe zwar die Möglichkeit einer Verlängerung oder einer neuen Schutzschirm-Vereinbarung mit einer längeren Laufzeit, falls die Risiken zur Refinanzierung an den Märkten fortbestünden, sagte eine IWF-Sprecherin am Sonntag in Washington. Konkrete Überlegungen, dies auch umzusetzen, gebe es aber nicht.

Zuvor hatte das EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini-Smaghi mit Blick auf Griechenland gesagt, es käme häufiger vor, dass der IWF kurzlaufende Vereinbarungen durch länger laufende ersetze, falls der Schuldner zuvor seine Pflichten erfüllt habe.

EU und IWF haben einen 110 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm für Griechenland geschnürt, da das Land nur noch zu sehr hohen Zinsen Kredite am Kapitalmarkt hätte aufnehmen können. 30 Milliarden Euro für den Schirm kommen vom IWF. Vereinbart ist eine Laufzeit von drei Jahren. Im Gegenzug verlangen EU und IWF nun drastische Einsparungen zur Haushaltssanierung. Trotz anhaltender Rezession meldete Griechenland zuletzt Fortschritte bei der Haushaltssanierung. So wird das Land die Vorgaben von EU und IWF in diesem und im nächsten Jahr nach eigener Berechnung einhalten.

Berlin gegen Verlängerung der Kredite

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn hatte in einem Interview eine Streckung der Rückzahlungsfristen für die an Griechenland vergebenen Kredite ins Spiel gebracht. Man sei hierzu bereit, wenn die Länder der Eurozone entsprechende Schritte einleiteten.

Die Bundesregierung wies mögliche Verlängerung der milliardenschweren Kredite für Griechenland zurück. "Wir sind der Meinung, dass das bestehende Regelwerk, was jetzt Griechenland auferlegt ist, abgearbeitet werden soll", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums am Montag in Berlin. Griechenland mache beim Schuldenabbau sehr gute Fortschritte. 

Griechen stehen zum Sparkurs

Die griechische Bevölkerung steht trotz massiver Einschnitte und Steuererhöhungen hinter der Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou.

In einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage kommen die regierenden Sozialisten auf 42,5 Prozent Zustimmung. Die oppositionellen Konservativen erreichen 28 Prozent. Beim Thema Wirtschaft blicken viele Griechen pessimistisch in die Zukunft. So rechnet etwa jeder zweiter Bürger damit, dass sich die wirtschaftliche Lage noch weiter verschlechtern wird, wie die Umfrage weiter ergab. Rund Dreiviertel der Befragten erklärten, sie würden die Krise schon jetzt deutlich in ihrem Portemonnaie spüren und weniger Geld ausgeben.

EURACTIV.com/rtr/awr

Mehr zum Thema:

EURACTIV.de: Merkel kämpft gegen dauerhafte Rettungsschirme (17. September 2010)

EURACTIV.de: Steinbrück fordert Umschuldung für Griechenland (12. September 2010)

EURACTIV.de: Waigel zur Euro-Rettung: "Das ist wie in einer Familie" (9. September 2010)

EURACTIV.de: Athens Strukturreformen: "Beeindruckende Fortschritte" (5. August 2010)

EURACTIV.de: Euro-Rettungsschirm – "Karlsruhe in der Verantwortung". Rettungsschirm-Kläger Kerber im Interview (3. September 2010)

EURACTIV.de: Euro-Rettungsschirm – "Bruch mit dem Grundgesetz". CEP-Experte Jeck im EURACTIV.de-Interview (5. Juli 2010)