Griechenland erhöht Importe über einziges LNG-Terminal
Griechenland hat seine russischen Gasimporte dieses Jahr um mehr als die Hälfte gekürzt, da das einzige LNG-Terminal mit mehr Gas von anderen Produzenten beliefert wird, teilte der griechische Gasnetzbetreiber am Donnerstag mit.
Griechenland hat seine russischen Gasimporte dieses Jahr um mehr als die Hälfte reduzieren können, da das einzige Flüssigerdgas (LNG)-Terminal des Landes auf Hochtouren läuft.
Griechenland deckt seit Jahren etwa 40 Prozent seines Gasbedarfs aus Russland, hat aber im Rahmen eines EU-Plans zur Verringerung der Abhängigkeit von russischer Energie die LNG-Käufe aus anderen Ländern erhöht.
Das Land erhält russisches Gas über die TurkStream-Pipeline, die auch Ungarn über Serbien beliefert. Neuerdings stützt sich Athen aber hauptsächlich auf das eigene LNG-Terminal.
Die LNG-Anlage auf der Insel Revithoussa, 40 Kilometer von Athen entfernt, kann 225.000 Kubikmeter Gas speichern und 1.400 Kubikmeter pro Stunde regasifizieren.
Die Anlage stößt bei inländischen und regionalen Importeuren auf wachsendes Interesse und spielt eine zentrale Rolle in der griechischen Energiestrategie und bei den Bemühungen, die Versorgungssicherheit vor dem Winter zu erhöhen, erklärte Maria Rita Galli, die Geschäftsführerin des griechischen Gasnetzbetreibers DESFA, gegenüber Reuters.
„Im Zusammenhang mit der Energiekrise ist Revithoussa die Importinfrastruktur, der Importterminal, der es ermöglicht, dass verschiedene Versorgungsquellen, verschiedene LNG-Quellen den griechischen Gasmarkt erreichen können“, so Galli.
„Bereits dieses Jahr haben wir, nachdem wir die Nutzung von Revithoussa maximiert haben, festgestellt, dass die Gaseinfuhren aus Russland von 40 auf weniger als 20 Prozent zurückgegangen sind“.
Angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach LNG haben sich die in Revithoussa ankommenden Ladungen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.
Griechische Ausfuhren
Bulgarien hat ebenfalls LNG über das Terminal importiert, nachdem es von russischen Lieferungen abgeschnitten wurde. Das Land hatte sich geweigert, in Rubel zu bezahlen.
Auf einer Energiekonferenz in Bukarest sagte der griechische Energieminister Kostas Skrekas am Donnerstag, sein Land habe dieses Jahr bisher zwei Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Bulgarien und in die Nachbarländer exportiert, gegenüber 0,7 Milliarden Kubikmetern im Jahr 2021.
„Es gibt ein zunehmendes Interesse. Wir haben viele Interessenten, die Kapazität im Terminal buchen wollen“, sagte Galli. „Im Oktober werden wir die Auktion für 2023 durchführen… und wir erwarten ein starkes Interesse von nationalen und internationalen Akteuren“.
Fast zwei Drittel der 6,5 Milliarden Kubikmeter Gas, die Griechenland jährlich verbraucht, werden für die Stromerzeugung genutzt.
Wie andere europäische Länder hat auch Griechenland mit steigenden Energiepreisen zu kämpfen und hat seit letztem Jahr rund 9 Milliarden Euro ausgegeben, um die Stromrechnungen von Haushalten und Unternehmen zu subventionieren.
Um die in die Höhe geschnellten Kosten zu bewältigen und das Risiko von Gasknappheit zu minimieren, falls Moskau die Lieferungen kappt, hat das Land einige Kohlekraftwerke wieder in Betrieb genommen und ist bereit, einige Gaskraftwerke auf Diesel umzustellen.
Im Juli mietete DESFA ein Schiff oder eine sogenannte schwimmende Speichereinheit (FSU), die in der Nähe von Revithoussa vertäut ist und bei Bedarf die Speicherkapazität um weitere 145.000 Kubikmeter Gas erhöhen kann. Mehr LNG lässt dich dadurch jedoch nicht anlanden.
Das Schiff soll bis Ende 2023 dort verbleiben. Die DESFA prüft jedoch eine dauerhafte Lösung, die den Kauf eines Schiffes vorsieht, das über eine Pipeline mit Revithoussa verbunden werden könnte, so Galli.
Stolz ist man auf das eigene LNG-Terminal in Griechenland trotzdem.
„Wenn wir Revithoussa heute nicht hätten, wären wir wie andere Länder des Zentralbalkans völlig von russischen Gasimporten abhängig“, sagte sie.