Griechenland bestätigt: Letztes Kohlekraftwerk geht 2025 vom Netz

Das letzte Braunkohlekraftwerk des Landes soll im Jahr 2025 abgeschaltet werden. Damit würde Griechenland seinen Kohleausstieg drei Jahre früher als geplant vollziehen.

/ EURACTIV.com
epa04480162 A picture made available on 07 November 2014 shows a huge excavator on operation as smoke rises from a power plant in the background, at the lignite center of Western Macedonia, near the city of Ptolemaida, northern Greece, 03 October 2014. Lignite is considered the black gold of Greece and accounts for 30 percent of the country’s energy supply. Eighteen power plants of total capacity of 4.388 MW, producing 52.1 percent of the country’s electricity, operate in the center, which extends from the city of Florina to the city of Ptolemaida in western Macedonia region where entire villages such as Charavgi, Klitos and Komanos were expropriated and their inhabitants removed so that the mines could be extended.  EPA/YANNIS KOLESIDIS
Das Braunkohlekraftwerk Ptolemaida 5 soll 2025 auf Erdgas umstellen. [<a href="https://webgate.epa.eu/?16634349628007773501&MEDIANUMBER=51653135" target="_blank" rel="noopener">EPA/YANNIS KOLESIDIS</a>]

„Wir verabschieden uns vom Kohlezeitalter,“ zeigte sich Griechenlands Energiestaatssekretärin gegenüber EURACTIV.com zufrieden. Zuvor war in der vergangenen Woche angekündigt worden, dass das letzte Braunkohlekraftwerk des Landes im Jahr 2025 abgeschaltet werden soll. Damit würde Griechenland seinen Kohleausstieg drei Jahre früher als geplant vollziehen.

Griechenlands Public Power Corp. (PPC), das größte Energieunternehmen des Landes, teilte mit, dass es seinen Plan aufgeben wird, das Braunkohlekraftwerk Ptolemaida 5, das sich aktuell noch im Bau befindet, bis 2028 zu betreiben. Stattdessen werde die Anlage im Jahr 2025 von Braunkohle auf fossiles Gas umgestellt, so PPC, ein zu 51 Prozent staatlich gehaltenes Unternehmen.

Der Schritt wurde am vergangenen Donnerstag (22. April) bekannt gegeben, einige Wochen nachdem PPC seine erste grüne Anleihe gezeichnet hatte.

„Die Abschaltung aller Braunkohlekraftwerke bis 2025, früher als der ursprüngliche Plan, markiert den Eintritt Griechenlands in den Club der Länder, die die Prinzipien sauberer Energie vollständig übernehmen, und besiegelt gleichzeitig die Transformation von PPC zu einem modernen Energieakteur in Europa,“ erklärte dazu die griechische Staatssekretärin für Energie, Alexandra Sdoukou.

„Wir verabschieden uns vom Kohlezeitalter und freuen uns auf eine neue Periode der Entwicklung des Landes – unter dem Zeichen der erneuerbaren Energien und mit einem hohen Wettbewerbspotenzial“, teilte sie gegenüber EURACTIV.com in einem per E-Mail zugesandten Kommentar mit.

Wirtschaftliche Gründe

Im September 2019 hatte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis versprochen, die griechische Abhängigkeit von Braunkohle bis 2028 zu beenden. Laut diesem Plan sollten bis 2023 alle Kohlekraftwerke bis auf eines geschlossen werden.

Der nun angekündigte Ausstieg von PPC aus der Kohle hat jedoch vor allem wirtschaftliche Gründe: Vor zwei Jahren hat die griechische Regierung noch vergeblich darum gekämpft, Käufer für drei Kohlekraftwerke zu finden, die sich im Besitz von PPC befanden. Das halbstaatliche Unternehmen machte zu diesem Zeitpunkt einen Verlust von einer Milliarde Euro pro Jahr, was zum Teil auf die starke Abhängigkeit von der Kohle zurückzuführen war.

PPC hatte bereits zuvor Pläne angekündigt, alle anderen bestehenden Braunkohlekraftwerke bis 2023 zu schließen. Und da Ptolemaida 5 nicht vor 2022 in Betrieb gehen soll, zweifeln Beobachter bereits, ob das Kraftwerk überhaupt jemals Braunkohle verbrennen wird oder doch direkt auf Gas ausgerichtet wird.

„PPC hat endlich eingesehen, dass es mit Ptolemaida Milliarden an Euro verschwendet und der Gesundheit der Menschen und der griechischen Wirtschaft unsäglichen Schaden zugefügt hat,“ fasste Mahi Sideridou von der Kampagnengruppe Europe Beyond Coal zusammen.

Sideridou weiter: „Die Tatsache, dass der drittgrößte Braunkohleproduzent der EU aus der Kohle aussteigt, sagt alles aus, was man über den Zustand der Industrie wissen muss. Jetzt muss PPC seine volle Aufmerksamkeit auf das enorme Potenzial des Landes an erneuerbaren Energien richten. Ehemalige Kohle-Gebiete haben etwas Besseres verdient, als an noch mehr fossile Brennstoffe wie fossiles Gas gebunden zu werden.“

Die Aufmerksamkeit der Umweltaktivisten richtet sich nun auf die geplante Umstellung des Kraftwerks auf fossiles Gas, sagte auch Dimitris Tsekeris vom WWF Griechenland: „Der ständige Anstieg der CO2-Preise erhöht den Druck auf Kohlekraftwerke in ganz Europa, aber die Umstellung von Kohle auf fossiles Gas ist nicht die Lösung.“

Seiner Ansicht nach ist klar: „Fossiles Gas befindet sich in der gleichen Lage wie Kohle vor 15 Jahren. Erdgas wird in den kommenden Jahren eine ähnliche Krise mit „stranded assets“, also nicht wirtschaftlichen Anlagen, erleben. Wir müssen nachhaltige Alternativen fördern, nicht noch mehr fossile Brennstoffe. Fossiles Gas kann einfach nicht Teil dieses Plans sein.“

[Bearbeitet von Josie Le Blond]

https://www.euractiv.de/section/europakompakt/news/podcast-kohleausstieg-strukturwandel-lausitz/