Geplantes Rauchverbot spaltet die Geister in Serbien
In Serbien wurde die Öffentlichkeit dazu aufgerufen, das Nichtrauchergesetz zu unterstützen. EURACTIV hat nachgefragt, was Gastronomen und Besucher von "verrauchten" Kneipen darüber denken.
In Serbien wurde die Öffentlichkeit dazu aufgerufen, das Nichtrauchergesetz zu unterstützen. Die serbische Gesellschaft ist in der Frage gespalten.
Serbien ist eines der wenigen europäischen Länder, in denen das Rauchen in Innenräumen noch erlaubt ist. Viel Aufsehen wurde deswegen in den letzten Tagen erregt, nachdem die Gesundheitsministerin Danica Grujičić die Öffentlichkeit dazu aufgerufen hatte, die Verabschiedung des Nichtrauchergesetzes zu unterstützen.
„Ich bitte um die Unterstützung der Öffentlichkeit, um das Rauchen in geschlossenen Räumen zu verbieten. Wer rauchen will, sollte eine Decke und eine Heizung zur Verfügung gestellt bekommen und draußen sitzen“, so Grujičić auf der Konferenz „Krebs ist heilbar“.
„Die oberste Priorität muss die Gesundheit unserer Bevölkerung sein“, fügte sie hinzu.
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Das Thema sorgte für große Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Gesundheits- und dem Finanzsektor, sowie innerhalb der Bevölkerung zwischen Rauchern und Nichtrauchern. Im Belgrader Café „Fabula“ im Zentrum der Stadt hat EURACTIV sich nach den Meinungen der Gäste und Gastronomen umgefragt.
Andrej Nedeljkov, der selbst im Café arbeitet, glaubt, dass die Verabschiedung des Gesetzes über das Rauchverbot in geschlossenen Räumen sicherlich die Besucherzahlen verringern würde. Persönlich unterstützt er aber das Vorhaben der Regierung, denn Nichtraucher wie Andrej fühlen sich durch den Rauch belästigt.
Des Weiteren gäbe es „fast nirgendwo in Gastronomiebetrieben in Serbien einen ausreichend getrennten Bereich für Raucher und Nichtraucher“, betont er.
Laut Nedeljkov würde die Verabschiedung des Gesetzes für saubere Luft, angenehmere Mahlzeiten in Restaurants und mehr Kinder mit ihren Eltern in Cafés sorgen. Fast jeder Nichtraucher würde sich über die verqualmten Räume in Cafés beschweren.
Sein Kollege, der anonym bleiben möchte, sagte, dass er den Tag nicht abwarten kann, an dem das Nichtrauchergesetz in Kraft tritt, da ihn die verrauchten Innenräume extrem stören.
„Wenn zwanzig Kunden in einem Raum ihre Zigaretten anzünden, fühle ich mich wie in einer Räucherkammer, was mich sehr nervt“, sagte er gegenüber EURACTIV.
Die Gäste des Café „Fabula“ haben geteilte Meinungen. Während Raucher der Meinung sind, dass die Verabschiedung des Gesetzes sie in gewisser Weise diskriminieren würde, unterstützen Nichtraucher die Initiative und hoffen auf sauberere Luft und einen angenehmeren Aufenthalt in Gaststätten.
Marija F. ist eine derjenigen, die diesen Vorschlag nicht unterstützen. Ihrer Meinung nach wäre es sinnvoller, verbesserte abgetrennte Bereiche für Raucher und Nichtraucher innerhalb der Lokale zu schaffen. „Für die Raucher in der Gastronomie würde dies nur Frustration bedeuten. Gleichzeitig würden die Gastwirte durch diese Maßnahme viele ihrer Kunden verlieren“, glaubt sie.
Andrej M. ist anderer Meinung. Er unterstützt die Initiative, vor allem, wenn man sich um europäische Werte bemüht. In den meisten Ländern Europas und der Welt ist das Rauchen bereits verboten, und zwar nicht nur in geschlossenen Räumen, sondern auch auf öffentlichen Plätzen.
„Ich bin absolut für das Gesetz, denn momentan werden Nichtraucher diskriminiert, und auf diese Weise hätten sie das gesetzlich garantierte Recht, sauberere Luft zu atmen. Die Verabschiedung dieses Gesetzes wird Gastronomen dazu zwingen, Rauchern einen angemessenen Freiraum zur Verfügung zu stellen, in dem sie ihre Zigaretten genießen können, ohne damit die Nichtraucher zu stören“, sagt er.
Unter den Rauchern gab es auch einige, die die Verabschiedung eines Nichtrauchergesetzes unterstützten. In erster Linie ginge es ihnen um das Wohlergehen der Kinder, die in der Gastronomie dem Tabakrauch ausgesetzt sind.
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