Georgieva zieht Lehren, ein Jahr nach dem Erdbeben in Haiti

Trotz des langsamen Rhythmus des Wiederaufbaus im von der Katastrophe betroffenen Haiti müsse die internationale Gemeinschaft dem Land weiterhin dabei helfen, seine Institutionen aufzubauen, anstatt die Kontrolle zu übernehmen, erklärte die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgieva, EURACTIV in einem Interview.

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Trotz des langsamen Rhythmus des Wiederaufbaus im von der Katastrophe betroffenen Haiti müsse die internationale Gemeinschaft dem Land weiterhin dabei helfen, seine Institutionen aufzubauen, anstatt die Kontrolle zu übernehmen, erklärte die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgieva, EURACTIV in einem Interview.

Die Regierungsstrukturen Haitis kehrten langsam zum normalen Leben zurück, jedoch werde es mehrere Jahre – und sogar Jahrzehnte – dauern, bevor das Land wirklich verwandelt werden könne, sagte sie.

Georgieva unterhielt sich mit EURACTIV genau ein Jahr, nachdem ein katastrophales Erdbeben den karibischen Staat getroffen hatte. Das Land hat mehrere Jahrzehnte der politischen Instabilität und Gewalttaten sowie eine Reihe an zerstörenden Wirbelstürmen erlebt.

Wenn man die Geduld habe, zwecks des Aufbaus des lokalen Regierungssystems und der zentralen Institutionen von unten nach oben zu arbeiten, und wenn man lange an der Seite Haitis bleibe, dann werde es Ergebnisse geben, erklärte die Kommissarin.

Trotz ihrer Wut den politischen Spitzen Haitis gegenüber würden es die meisten Bürger weiterhin vorziehen, ein unabhängiges Land, das sich auf eine bessere Zukunft hin bewege, zu haben, fügte sie hinzu.

Haiti, das ärmste Land in der westlichen Halbkugel, erlitt das Erdbeben von 7.0 auf der Richterskala am 12. Januar vergangenen Jahres. Dabei kamen 250.000 Menschen ums Leben, eine Million wurde obdachlos und es zerstörte lebenswichtige Infrastrukturen, darunter Luft-, See- und Bodenkommunikationssysteme.

Im April 2010 versprachen internationale Geber, unter denen die EU der größte war, 7,3 Milliarden Euro für Haiti. Trotzdem haben die Wiederaufbauarbeiten in einem Kontext der Geschäftemacherei unter der Elite des Landes und des politischen Stillstandes nach den umstrittenen Wahlen im November bislang kaum begonnen, wie Reuters berichtet.

Darüber hinaus wurde Haiti in den vergangenen Monaten von einer zweiten humanitären Krise getroffen – einer Choleraepidemie, die über 3.600 Menschen das Leben kostete.

Kommissarin verteidigt EU-Hilfe

Georgieva hat trotz breiter Kritik am langsamen Tempo und am Koordinierungsmangel in den humanitären Aufbauarbeiten die Auswirkung der EU-Hilfe im Land verteidigt.

Aus der Europäischen Union seien circa 320 Millionen Euro an humanitärer Unterstützung bereitgestellt worden. Dieses Geld habe das Leben von circa vier Millionen Haitianern verändert. Ein ganzes Jahr lang habe es 1,1 Millionen Menschen eine Unterkunft sowie die tägliche Versorgung mit Lebensmitteln geboten, behauptete sie.

Wenn man die Armut bekämpfen wolle, solle man die Lage nüchtern betrachten: Es handele sich um ein sehr langfristiges Projekt. Länder, denen es gelungen ist, die Armut zu bekämpfen, wie China, hätten sich einen Horizont von mehreren Jahrzehnten gesetzt, um Regionen zu verändern. Sie denke, dass dies die Frist, die man im Kopf haben solle, sei – eine Frist in Jahrzehnten, nicht von einem einzelnen Jahr, fügte sie hinzu.

Um das ganze Interview (auf Englisch) zu lesen, klicken Sie bitte hier.