Georgieva will EU in Desasterzonen besser sichtbar machen
Die Kommissarin für Humanitäre Hilfe und Krisenreaktion, Kristalina Georgieva, sagte gestern (18. August), dass sie versuchen werde, die Flagge der EU – für gewöhnlich der größte Geber in Desasterzonen – hoch zu hissen. Sie bestand darauf, dass dies bislang nicht möglich gewesen sei, weil humanitäre Organisationen, die für die Verteilung der EU-Hilfsgüter zuständig sind, darauf beharrten, ihre eigene Marke zu propagieren.
Die Kommissarin für Humanitäre Hilfe und Krisenreaktion, Kristalina Georgieva, sagte gestern (18. August), dass sie versuchen werde, die Flagge der EU – für gewöhnlich der größte Geber in Desasterzonen – hoch zu hissen. Sie bestand darauf, dass dies bislang nicht möglich gewesen sei, weil humanitäre Organisationen, die für die Verteilung der EU-Hilfsgüter zuständig sind, darauf beharrten, ihre eigene Marke zu propagieren.
Auf EURACTIVs Frage, warum Fernsehberichte die Verteilung von Hilfssäcken, die die US-Flagge aber nie das EU-Emblem tragen, gezeigt hatten, nannte Georgieva mehrere Gründe.
Erstens tendierten die Europäer dazu, bescheidener zu sein, erklärte sie der Brüsseler Presse. Wenn sie über sich reden, benutzten sie selten Superlative. In ihrem Land Bulgarien sagten sie „nicht schlecht“ zu etwas, was wirklich brillant sei. Also gebe es ein starkes kulturelles Element, argumentierte sie.
Zweitens erklärte sie, Europa habe gewählt, sehr viel mit vor Ort – wie in Pakistan – anwesenden Partnerorganisationen zu arbeiten. Aber diese Organisationen, wie das „Rote Kreuz“ oder „Save the Children“, hätten auch ihre eigene Marke zu propagieren und seien zu einem gewissen Maße abgeneigt, die der EU anzuwenden, fügte sie hinzu.
Dies sei manchmal auf die Tatsache, sie wollten nicht, dass man denken könne, ihre Arbeit werde politisiert, manchmal auf reine Sicherheitsgründe und manchmal auf ihren verständlichen Willen, die eigene Marke sichtbar zu machen, zurückzuführen, erklärte die Kommissarin.
Sie seien dabei, diese Probleme mit ihnen zu besprechen, sagte Georgieva weiter, und erklärte, ihr Argument sei, dass Europäer Opfer in schwierigen Zeiten brachten und für diejenigen, die dringend Hilfe brauchen, großzügig spendeten.
Europas Sichtbarkeit in den Vordergrund zu rücken und sicherzustellen, dass die EU-Flagge flattert, wenn die EU sich im Ausland befindet und bedürftigen Menschen hilft, sei in den Augen der Kommissarin äußerst wichtig. Dies gelte insbesondere nun, da die Wirtschafts- und Finanzkrisen noch nicht vorbei seien, es für die Menschen von hier schwierig sei und sie auch noch ihre eigenen, heimischen Katastrophen zu bewältigen hätten, so die Kommissarin.
Georgieva sagte, sie erkläre den humanitären Organisationen, dass sie mehr tun sollten, indem sie die EU-Flagge hoch hissten, damit die EU ihnen mehr helfen könne. Sie bedauerte, dass, obwohl die EU der größte Geber in Pakistan sei, das unter nie da gewesenen Überschwemmungen leidet, sie beim Lesen der Zeitungen eine Anerkennung dieser Tatsache nirgendwo finden könne.
Die Kommissarin fügte hinzu, dass das Problem der Sichtbarkeit eines der wichtigsten Elemente ihres politischen Vorschlages zur Stärkung der EU-Fähigkeit, auf Krisen zu reagieren (EURACTIV 17.08.10), darstelle. Der Plan solle im späten September veröffentlicht werden.
Auf einen jüngsten Brief des französischen Präsidenten, Nicolas Sarkozy, offensichtlich Bezug nehmend erklärte sie, sie fühle sich vom Willen der Mitgliedsstaaten, im Herbst eine Entscheidung zu treffen, in ihren Absichten wirklich ermutigt.
In der Zwischenzeit hat der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, auf Sarkozys Brief geantwortet. Barrosos Brief beschreibt die verschiedenen Etappen der Reaktion auf die pakistanische Katastrophe, einschließlich der Einberufung einer Geberkonferenz und der Einbeziehung dieser Frage als eines der wichtigsten Themen beim informellen Treffen der EU-Außenminister am 10. September in Brüssel.
Esel wichtiger als Hubschrauber
Auf die Bitte, die humanitäre Lage vor Ort in Pakistan zu erklären, an das die EU eine Ersthilfe von 70 Millionen Euro gesandt hat – einen Betrag, der angesichts der Größe der Tragödie als bescheiden erscheinen könnte –, sagte Georgieva, 70 Millionen Euro seien in Hinblick auf das Absorptionsvermögen vor Ort eigentlich ein bedeutender Betrag.
Sie erklärte, dass das größte Problem darin bestehe, sicherzustellen, dass die Hilfe die Bedürftigen tatsächlich erreiche, und dass in einigen Orten Esel ein wichtigeres Beförderungsmittel als Hubschrauber seien.
Georgieva lobte die Hohe Vertreterin für Außenangelegenheiten, Catherine Ashton, und den Präsidenten der Kommission, José Manuel Barroso, dafür, die Mitgliedsstaaten auf höchstem politischen Niveau kontaktiert zu haben, damit sie zusätzliche Hilfe für Pakistan entsenden. Elf hätten geantwortet, deren zusätzliche Hilfe weitere 40 Millionen Euro betrage. Sie zitierte Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Österreich, Schweden, die Slowakei, Spanien und Ungarn. Insgesamt habe sich die EU bisher mit 150 Millionen Dollar beteiligt, was dem Drittel von dem entspreche, worauf die UN appellierte, erklärte sie.
Georgia sagte, sie würde am Montag in Pakistan sein und dabei helfen, die Geberkonferenz für Pakistan, die die UN einberufen hat, mit vorzubereiten.