Gegen Kinderpornographie: Brüssel startet Chatkontrolle-Pilotprojekt

Ein von Forschern aus der EU und dem Vereinigten Königreich entwickeltes Projekt zielt darauf ab, Material über sexuellen Kindesmissbrauch, auch CSAM genannt, auf Geräten in Echtzeit zu erkennen und zu blockieren. 

Euractiv.com
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"Leider ist die Nachfrage nach Bildern und Videos von sexuellem Missbrauch von Kindern ungebrochen", sagte der Chief Technology Officer von IWF, Dan Sexton. 

Ein von Forschern aus der EU und dem Vereinigten Königreich entwickeltes Projekt zielt darauf ab, Material über sexuellen Kindesmissbrauch, auch CSAM genannt, auf Geräten in Echtzeit zu erkennen und zu blockieren. 

Das von der Europäischen Kommission finanzierte Projekt, das am Donnerstag (23. Februar) von der britischen Kinderschutzorganisation Internet Watch Foundation (IWF) angekündigt wurde, wird nächsten Monat beginnen und zwei Jahre lang an der Entwicklung des Tools arbeiten.

Die Software wird auf freiwilliger Basis von denjenigen getestet, die sich für „gefährdet“ halten, CSAM online zu sehen oder zu suchen. Das Tool wird eine Echtzeitüberwachung durchführen und den Zugriff auf Bilder oder Videos dieser Kategorie blockieren, bevor Nutzer sie überhaupt sehen können.

„Leider ist die Nachfrage nach Bildern und Videos von sexuellem Missbrauch von Kindern ungebrochen“, sagte der Chief Technology Officer von IWF, Dan Sexton.

„Wir wissen jedoch, dass das Ausfindig machen und Entfernen dieser schrecklichen Inhalte im andauernden, weltweiten Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern nicht ausreicht“, so der Wissenschaftler.

Für das Team sei es wichtig, einen Teil im Kampf gegen Kindesmissbrauch beitragen zu können.

„Deshalb freuen wir uns, dass wir bei diesem Projekt eine Rolle spielen können, um Software zu testen, die sich als entscheidend erweisen könnte, um die Nachfrage nach dem kriminellen Material von vornherein zu senken“, so Sexton.

Das 2-Millionen-Euro-Projekt „Protech“, das im März beginnen soll, wird von der Charité – Universitätsmedizin Berlin (CUB) geleitet und bringt Experten aus den Bereichen Kinderschutz, Psychologie, Softwareentwicklung und der öffentlichen Gesundheit zusammen.

Zu den teilnehmenden Organisationen aus Großbritannien und der EU gehören Gruppen wie die Lucy Faithfull Foundation, Stop it Now Netherlands und das Forensische Zentrum der Universitätsklinik Antwerpen.

Forscher dieser Institutionen werden zusammenarbeiten, um ein Programm – Salus genannt – zu entwickeln, das CSAM-Material erkennt und abfängt, um zu verhindern, dass es auf den Bildschirmen der Nutzer erscheint.

Die Software erfordert keine Interaktion, es sei denn, das Material wird entdeckt, die Installation auf dem Gerät ist freiwillig. Das Tool, so der IWF, wird Nutzern helfen, die befürchten, dass sie sich an Kindern vergreifen könnten. Ebenfalls wird es versuchen, die Angst der Überlebenden von sexuellem Kindesmissbrauch vor einer erneuten Viktimisierung durch bestehende Inhalte zu verringern.

Das Projekt wird auch untersuchen, was passiert, wenn solche Inhalte entdeckt werden. Ein IWF-Sprecher erklärte gegenüber EURACTIV, dass das Tool nicht beabsichtigt, Nutzer bei der Polizei anzuzeigen, sondern präventiv zu arbeiten, um die Verfügbarkeit solcher illegalen Inhalte zu reduzieren.

„Freiwillige, die die App nutzen, werden Menschen sein, die verhindern wollen, dass sie Material über sexuellen Kindesmissbrauch sehen. Diese werden von Organisationen rekrutiert, die ihnen helfen wollen, ihr Verhalten zu kontrollieren“, sagte der Sprecher.

Während der Pilotphase wird die App mindestens 180 Nutzern in fünf Ländern – Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Irland und Großbritannien – über einen Zeitraum von 11 Monaten angeboten.

Die Projektmitglieder werden dann die Einführung und die Auswirkungen der App bewerten und ihren möglichen Einsatz als Bestandteil von Präventionsinitiativen im Bereich der öffentlichen Gesundheit in Betracht ziehen.

„Digitale Geräte können eine Rolle bei der Verringerung des sexuellen Missbrauchs im Internet spielen, indem sie bestimmte Funktionen und Maßnahmen bieten, die die Sicherheit der Nutzer erhöhen. So zum Beispiel Sicherheits- und Datenschutzeinstellungen, Melde- und Blockieroptionen“, erklärte Stefan Bogaerts, Vorsitzender der Abteilung für Entwicklungspsychologie der Universität Tilburg.

Letztes Jahr hat die Kommission ihren eigenen Vorschlag zur Bekämpfung von CSAM veröffentlicht, der die Möglichkeit vorsieht, dass Justizbehörden die Anbieter von Kommunikationsdiensten wie Messaging-Apps und E-Mails auffordern können, Maßnahmen zur Erkennung von Kindesmissbrauchsinhalten zu ergreifen.

Diese Maßnahme wurde zwar von Kinderschützern begrüßt, aber auch kritisiert, weil sie nicht mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselungen kompatibel ist. Hierbei können nur die an der Kommunikation Beteiligten die Nachrichten entschlüsseln.

Die Durchsetzung von Erkennungsanordnungen kann auf zwei Arten erfolgen: Die Kommunikation wird an einen zusätzlichen „Scanning“-Server gesendet, oder sie wird direkt auf dem Gerät gescannt.

Ella Jakubowska, Senior Policy Officer bei European Digital Rights (EDRi), erklärte gegenüber EURACTIV, dass das Projekt auf Handys ausgerichtet zu sein scheint, dass jedoch strenge Sicherheitsvorkehrungen erforderlich sind. Dies, um ein „Ausufern“ zu verhindern und sicherzustellen, dass die Technologie nicht für die Überwachung von Geräten durch Dritte verwendet wird.

Die Einbindung von Experten für Privatsphäre, Datenschutz und Cybersicherheit in das Projekt sei ebenfalls von entscheidender Bedeutung, sagte Jakubowska und fügte hinzu: „Während Innovationen bei der Prävention von Kindesmissbrauch von entscheidender Bedeutung sind, gibt es immer Grenzen für das, was ein technologischer Ansatz leisten soll.“

„Keine App kann Investitionen in die Bildung, in soziale Dienste, in die Gesundheitsvorsorge und in die Bewältigung der strukturellen Probleme, die zu Straftaten führen, ersetzen“, sagte sie.

[Bearbeitet von Luca Bertuzzi/Alice Taylor]