Front National: Eine Wählerschaft aus Vätern und Söhnen
Für Marine Le Pen und ihren FN stehen die Chancen gut, auf der Populismus-Welle weit voranzukommen. Warum genießt der Front National so viel Zulauf? EURACTIV Frankreich berichtet.
Für Marine Le Pen und ihren FN stehen die Chancen gut, auf der Populismus-Welle weit voranzukommen. Warum genießt der Front National so viel Zulauf? EURACTIV Frankreich berichtet.
Es kam durchaus überraschend, als Jean-Marie Le Pen, Ex-Vorsitzender des Front National (FN) und Vater der jetzigen Parteichefin, 2002 die zweite Runde der französischen Präsidentschaftswahlen erreichte. Dort verlor er gegen Jacques Chirac. Diesmal jedoch könnte sich das Blatt wenden.
2017 stehen die nächsten Wahlen in Frankreich an. Für Marine Le Pen und ihren FN stehen die Chancen gut, auf der Populismus-Welle, die derzeit Europa und die USA erfasst, in den zweiten Wahldurchgang zu reiten. Anders als ihr Vater jedoch hat Le Pen Junior tatsächlich Aussichten auf einen Sieg.
Die Meinungsumfragen sehen sie in der ersten Runde bei 26 bis 30 Prozent. Forscher der mitte-links-gerichteten Fondation Jean-Jaurès machen vor allem den Generationseffekt für den Zulauf des FN verantwortlich: Die jungen FN-Wähler von heute sind meist der Nachwuchs der damaligen Anhänger Jean-Marie Le Pens.
Die französische Zeitung Libération, der Think-Tank Fondation Jean-Jaurès und die Kommunikationsagentur Netscouade richteten gemeinsam eine FN-Beobachtungsstelle unter dem Namen „Un œil sur le front“ (Ein Auge auf den Front) ein. Am 7. September veröffentlichte sie eine Studie über das Wählerprofil der rechtsextremen Partei. Ziel der Untersuchungen war es, mithilfe von Beiträgen, Forschung, Datenjournalismus und Leitartikeln zum Kern der künftigen FN-Wählerschaft vorzudringen. „Es geht darum, Forschung und Berichterstattung miteinander zu verbinden. Denn die politische Rolle des FN ist sehr bedeutend und wird im Wahlkampf eine entscheidende Stellung einnehmen. Die Ideen des FN gehen über das Wählerpotenzial hinaus“, betont Laurent Joffrin, Direktor der Libération, auf einer Konferenz der Fondation Jean-Jaurès.
Der Junge Front National
Im Allgemeinen geht man davon aus, dass die Stammwählerschaft des FN hauptsächlich aus Arbeitervierteln im Norden, Süden und Westen des Landes kommt. Ein genauerer Blick in die verfügbaren Datensätze bietet jedoch noch weitere wichtige Informationen.
Das Meinungsforschungsinstitut IFOP führte eine Umfrage unter etwa 200 aktiven Mitgliedern des jungen Flügels im FN (FNJ) durch. Die Befragten gaben größtenteils an, aus politisch interessierten Familien zu stammen (70 Prozent) – die meisten davon ebenfalls FN-Wähler (80 Prozent). „Wenn sich ein junger Mensch entscheidet, den FN zu wählen, sollte das nicht als rebellischer Akt gesehen werden, sondern als Fortsetzung der politischen Gesinnung der Eltern“, so IFOP-Direktor Jérôme Fourquet auf der Konferenz.
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage ist, dass sich Männer eher mit den Werten des FN identifizieren können als Frauen. „Damit sich junge Frauen für den FN interessieren, müssen sie sich mehr mit der frontistischen Welt auseinandersetzen“, erklärt Fourquet.
Insgesamt setzt sich die FN-Wählerschaft vor allem aus jungen Menschen der Arbeiterschicht zusammen, auch wenn Marine Le Pen derzeit versucht, Wähler mit anderem sozio-ökonomischen Hintergrund zu überzeugen. Zwei Drittel der FNJ-Mitglieder sind praktizierende und nicht praktizierende Katholiken. Andere Religionsgemeinschaften (Protestanten, Juden oder Muslime) sind kaum vertreten. Bei der Verbreitung von Informationen setzt der FNJ wie auch die Partei insgesamt vorrangig auf das Internet, da FN-Mitglieder den konventionellen Medien wie Presse oder Fernsehen nicht über den Weg trauen. „Ihr militanter Ansatz besteht darin, individuelles Denken zu umgehen“, meint Fourquet.