Französische Gesundheitsagenturen: Umstrittene Gerinnungshemmer sind unbedenklich
Eine neue Generation von Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung wird für den Tod einiger Patienten in Frankreich verantwortlich gemacht. Die Studien zweier französischer Gesundheitsagenturen widerspricht: Demnach stellen die Medikamente kein besonderes Gesundheitsrisiko dar. Zweifel bleiben dennoch. EURACTIV Frankreich berichtet.
Eine neue Generation von Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung wird für den Tod einiger Patienten in Frankreich verantwortlich gemacht. Die Studien zweier französischer Gesundheitsagenturen widerspricht: Demnach stellen die Medikamente kein besonderes Gesundheitsrisiko dar. Zweifel bleiben dennoch. EURACTIV Frankreich berichtet.
Die beiden Studien der französischen Gesundheitsagenturen ANSM und CNAMTS vom 2. Juli berichten übereinstimmend, dass die neue Generation oraler Gerinnungshemmer kein größeres Risiko für Blutungen darstellt, als ältere Behandlungsmethoden, wie zum Beispiel Vitamin-K-Antagonisten (VKA).
VKAs sind ähnlich strukturiert wie Vitamin K, das bei der Blutverdünnung hilft und Blutgerinnsel verhindert. Darüber hinaus verhindern sie Venenentzündungen, Lungenembolie und Schlaganfälle. Orale Gerinnungshemmer werden dazu benutzt, Herzkrankheiten neben Operationen und Ernährungsplänen zu behandeln. Aber sie erhöhen auch das Risiko einer Blutung, weil sie das Blut verdünnen.
Weniger stark, aber teurer
Bevor Gerinnungshemmer 2008 auf den Markt kamen, benutzten Patienten in Frankreich Previscan. Das ist ein VKA-Medikament, für das regelmäßige und häufige Nachsorgeuntersuchungen der Patienten erforderlich sind. Gerinnungshemmer wirken nicht so stark und verursachen weniger Arzneimittelwechselwirkungen, wenn beide zusammen verabreicht werden. Sie erfordern zudem weniger Nachsorge, allerdings gibt es bisher kein Mittel gegen ihre möglichen Nebenwirkungen.
Die Vorteile der neuen Gerinnungshemmer wie Pradaxa, Eliquis und Xarelto wurden in Frage gestellt, nachdem Patienten lebensgefährliche, zum Beispiel intrakranielle Blutungen erlitten. Im März wurde nach dem Tod von vier Patienten ein Verfahren gegen ANSM und den Pradaxa-Hersteller eingeleitet.
Die neue Behandlungsmethode ist auch viel teurer. Sie kostet 70 Euro im Monat, während eine VKA-Behandlung nur drei Euro pro Monat kostet.
Gerinnungshemmer werden Überprüfung unterzogen
Eine von ANSM durchgeführte Studie untersuchte ungefähr 25.000 Patienten über einen Zeitraum von vier Monaten. Ziel der Studie war es, herauszufinden, wie sich der unterschiedliche Gebrauch von Medikamenten auf das Risiko einer lebensgefährlichen Krankheit auswirkt. Die Studie untersuchte Patienten, die von neuen Gerinnungshemmern zur VKA-Behandlung zurückkehrten und danach wieder die Gerinnungshemmer einnahmen. Eine zweite Untersuchungsgruppe waren Patienten, die ausschließlich mit den neuen Gerinnungshemmern behandelt wurden. Der Studie zufolge gibt es keinen Zusammenhang zwischen dem Medikamentenwechsel und einem höheren Risiko für Blutungen.
Die Studie kommt dennoch zu dem Schluss, dass „die größten Gefahren einer Behandlung mit Gerinnungshemmern Komplikationen mit Blutungen sind, unabhängig von den Medikamenten. Diese negative Nebenwirkung ist eine immanenten Nebenwirkung von Gerinnungshemmern.“
CNAMTS führte eine dreimonatige Studie mit knapp 72.000 Patienten durch. Ziel der Studie war es, das Blutungsrisiko von Patienten, die Gerinnungshemmer benutzen und Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten benutzen, zu vergleichen. Ihrem Befund nach ist die Gefahr von Blutungen oder Herzrhythmusstörungen für Patienten, die die neuen Gerinnungshemmer benutzen, nicht größer.
Die Gesundheitsagentur warnt aber gleichzeitig: „Diese Studien bescheiden nicht negativ oder positiv über den langfristigen Gebrauch dieser Behandlungen.“ Deshalb müsse man weiterhin über die langfristigen Wirkungen von Gerinnungshemmern forschen.