Franzosen sollen direkt in Rüstungsindustrie investieren können

Die französische Bevölkerung könnte schon bald aktiv zur militärischen Aufrüstung des Landes beitragen – mit dem Geld auf ihren Sparkonten. Ein neues Modell der Regierung sieht vor, Bürgerinnen und Bürger direkt als Investoren für Rüstungsunternehmen zu gewinnen.

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Das neue Anlagekonzept soll laut Lombard Bürgerinnen und Bürger zu „direkten Anteilseignern an Unternehmen des Verteidigungssektors“ machen – mit einem Fokus auf eine langfristige Beteiligung. [Photo by Joan Valls/Urbanandsport/NurPhoto via Getty Images]

Die französische Bevölkerung könnte schon bald aktiv zur militärischen Aufrüstung des Landes beitragen – mit dem Geld auf ihren Sparkonten. Ein neues Modell der Regierung sieht vor, Bürgerinnen und Bürger direkt als Investoren für Rüstungsunternehmen zu gewinnen.

Wirtschaftsminister Éric Lombard kündigte vergangene Woche an, dass die staatliche Investitionsbank Bpifrance einen neuen Fonds in Höhe von bis zu 450 Millionen Euro auflegen wird. Bürgerinnen und Bürger können darin „langfristig“ Kapital in französische Verteidigungsunternehmen anlegen.

Voraussetzung für eine Beteiligung ist eine Mindesteinlage von 500 Euro. Die Rendite ist nicht garantiert, zudem sind Auszahlungen für fünf Jahre ausgeschlossen.

Die Initiative folgt auf Aussagen von Präsident Emmanuel Macron, der Anfang des Monats betonte, Frankreich sei derzeit nicht bereit für eine Rückkehr zur Wehrpflicht, wolle aber Möglichkeiten prüfen, „Zivilisten zu mobilisieren“.

Das neue Anlagekonzept soll laut Lombard Bürgerinnen und Bürger zu „direkten Anteilseignern an Unternehmen des Verteidigungssektors“ machen – mit einem Fokus auf eine langfristige Beteiligung. Eine Beteiligung ist sowohl direkt über den Fonds als auch über Lebensversicherungsverträge möglich, erklärte der Minister weiter.

„Weitere Privatunternehmen, Investmentfonds und Banken werden ihren Kunden angepasste Produkte anbieten“, sagte Lombard im Anschluss an die Ankündigung gegenüber dem Sender TF1.

Ab der zweiten Jahreshälfte sollen Interessierte die Möglichkeit erhalten, Anteile am Fonds zu zeichnen.

Wachsendes Interesse in der Bevölkerung

Das öffentliche Interesse an dem Fonds scheint hoch – laut einer aktuellen Umfrage des Senders BFM TV befürwortet ein Großteil der Französinnen und Franzosen eine Beibehaltung oder sogar Ausweitung der Unterstützung für die Ukraine.

„Im Ministerium haben wir noch nie so viele Briefe von Mitbürgern erhalten mit der Frage: ‚Wie können wir helfen?‘“, erklärte Rüstungsminister Sébastien Lecornu gegenüber Ouest-France.

Bpifrance-Generaldirektor Nicolas Dufourcq betonte bei einem Treffen mit Investoren und Rüstungsunternehmen, dass der Fonds „direkt in Verteidigungsfirmen investieren“ werde.

Ziel sei es, die „industrielle und technologische Verteidigungsbasis“ Frankreichs zu stärken, so das Wirtschaftsministerium. Diese umfasst neben neun Großunternehmen wie Dassault Aviation, Safran, Thales und Airbus auch mehr als 4.500 kleine und mittlere Betriebe.

Mehrere französische Großbanken haben bereits ihre Unterstützung für die nationale Rüstungsindustrie zugesagt und signalisiert, den erwarteten Finanzierungsbedarf des Sektors abdecken zu wollen.

[EPD/KN]