Französisches Gas soll von russischen Bombern verwendet worden sein
Das französische Unternehmen TotalEnergies soll Gaskondensat produziert haben, das in den Treibstoff umgewandelt wurde, den die russische Luftwaffe für die Bombardierung ukrainischer Städte verwendet hat.
Das französische Unternehmen TotalEnergies – das einzige westliche Ölunternehmen, das noch in Russland tätig ist – soll Gaskondensat produziert haben, welches von der russischen Luftwaffe verwendet wurde.
In ihrer Untersuchung „Französisches Geld, russischer Treibstoff, ukrainisches Blut“ vom 24. August analysierte die NGO Global Witness in Zusammenarbeit mit der Zeitung Le Monde Daten aus der Verarbeitungskette eines Gaskondensats, das im Termokarstowoje-Ölfeld produziert wurde, das TotalEnergies seit 2015 mit dem russischen Unternehmen Novatek betreibt.
Die von dem Unternehmen Refinitiv zur Verfügung gestellten Daten zeigen, dass ein Teil des Gaskondensats zur Verarbeitung in der Novatek-Anlage Purovsky weitergeleitet wurde, zur Raffinerie Omsk von GazpromNeft gelangte und dann als Düsentreibstoff zu Su-34-Kampfbomber-Militärbasen in Morozovsk und Woronesch nahe der ukrainischen Grenze verschifft wurde.
Laut internationale Experten und der ukrainischen Regierung sind genau diese Flugzeuge für die Bombardierung der Städte Tschernihiw, Mariupol und Charkiw verantwortlich sind. Bei diesen Angriffen kamen Hunderte von Zivilisten ums Leben.
Eines der Flugzeuge, die die Bomben transportierten, stammte beispielsweise von den Stützpunkten Morosowsk oder Woronesch, wie der türkische Militärexperte Arda Mevlutoglu am 5. März, zwei Tage nach den Bombenanschlägen von Tschernihiw, auf Twitter mitteilte.
Selbst das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte im Juni ein Video, das Su-34-Flugzeuge beim Start von der Basis Woronesch zeigt.
Infolge dieser Anschuldigungen forderten Amnesty International und Human Rights Watch den Internationalen Strafgerichtshof und die UN auf, die Anschläge von Tschernihiw vom 3. März zu untersuchen.
Verteidigungsstrategie von TotalEnergies
TotalEnergies verteidigte sich umgehend in einer Pressemitteilung, die am selben Tag veröffentlicht wurde, an dem die Vorwürfe erhoben wurden.
Der Erdölriese erklärte, dass alle seine Gaskondensate von seinem Joint Venture Terneftegaz gefördert werden, an dem das Unternehmen eine Minderheitsbeteiligung (49 Prozent) hält.
Diese werden dann an seinen Partner Novatek verkauft, ein Unternehmen, an dem Total trotz seiner Minderheitsbeteiligung (19,4 Prozent) „keine operative Rolle“ spielt, fügte das Unternehmen hinzu.
Im Zusammenhang mit den Gewinnen aus dem Verkauf von Flugzeugtreibstoffen an die russische Armee über dieses Joint Venture erklärte TotalEnergies, dass es im Februar dieses Jahres – kurz vor Kriegsbeginn – keine Dividenden mehr von Terneftegaz erhalten habe.
Am 22. März erklärte das französische Unternehmen außerdem, es betreibe „keine Öl- oder Gasfelder oder Flüssigerdgas-Anlagen in Russland“.
TotalEnergies sei ein „Minderheitsaktionär in verschiedenen privaten russischen Unternehmen […], die von eigenen Mitarbeitern mit einer begrenzten Anzahl von Leiharbeitern verwaltet werden“ – insgesamt 11 Personen – fügte es hinzu.
Diese Argumente sind jedoch nicht mehr stichhaltig, so Louis Goddard, Leiter der Ermittlungen von Global Witness, der darauf hinweist, dass die Beweislage überzeugend ist.
Goddard appelliert daher an das Unternehmen, „fair zu spielen“.
Große französische Unternehmen seien gesetzlich verpflichtet, über die Menschenrechts- und Umweltpraktiken ihrer Lieferanten, Kunden und ausländischen Tochtergesellschaften zu berichten, so ein Gesetz von 2017, erinnerte Le Monde.
Die Vorwürfe gegen TotalEnergies sind damit aber noch nicht erschöpft.
Die Handelstochter von Total hat in der Nacht vom 8. auf den 9. März ebenfalls 1,4 Millionen Barrel russisches Rohöl nach Rotterdam verschifft, wie aus Daten hervorgeht, die Global Witness von Anti-Corruption Data Collective zur Verfügung gestellt wurden.
Dies geschah trotz der Zusicherung der Unternehmensleitung, derartige Aktivitäten mit Beginn des Krieges in der Ukraine einzustellen.
TotalEnergies ist das einzige westliche Ölunternehmen, das noch in Russland tätig ist. Das Unternehmen argumentiert, dass die Sanktionen gegen das Land es unmöglich machen, seine Beteiligungen an nicht-russische Käufer zu verkaufen – auch wenn es keine Sanktionen gegen russisches Gas gibt.
Ein einseitiger Rückzug würde „einen unangemessenen Wertzuwachs für russische Interessen bedeuten“, argumentiert das Unternehmen.
TotalEnergies sagt, dass es alle seine kommerziellen Entwicklungen in Russland auf Eis gelegt hat, insbesondere im Bereich Batterien und Schmiermittel.
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[Bearbeitet von Alice Taylor]