Französischer sozialistischer Spitzenkandidat von Demo am 1. Mai vertrieben

Der Spitzenkandidat der Sozialistischen Partei und von Place publique (S&D) für die Europawahlen, Raphaël Glucksmann, wurde von Demonstranten angegriffen und aus dem Demonstrationszug, der in Saint-Étienne zum Tag der Arbeit marschierte, vertrieben.

Euractiv FR
Election campaign meeting of candidates for the European parliamentary election
Kurz nachdem der Spitzenkandidat der Sozialistischen Partei (PS) und von Place publique, Raphaël Glucksmann, in einem Demonstrationszug zum 1. Mai in Saint-Étienne angekommen war, wurde er von seinem Sicherheitsdienst herausgebracht. Demonstranten hatten ihn mit Rufen wie "Hau ab", " Glucksmann, hau ab" oder "Palästina wird leben" ausgebuht. [EPA-EFE/CAROLINE BLUMBERG]

Der Spitzenkandidat der Sozialistischen Partei (S&D) für die EU-Wahl, Raphaël Glucksmann, wurde von Demonstranten angegriffen und aus dem Demonstrationszug zum Tag der Arbeit am Mittwoch (1. Mai) vertrieben. Diese Angriffe sind laut dem Europaabgeordneten eine Folge der „Verleumdungen“, die von den führenden Politikern von La France insoumise (LFI) in die Welt gesetzt wurden.

Wenige Wochen vor den Europawahlen am 9. Juni befindet sich die französische Linke in einem heftigen Machtkampf, während in ganz Frankreich mehr als 200.000 Menschen demonstrierten.

Kurz nachdem der Spitzenkandidat der Sozialistischen Partei (PS) und von Place publique, Raphaël Glucksmann, in einem Demonstrationszug zum 1. Mai in Saint-Étienne angekommen war, wurde er von seinem Sicherheitsdienst herausgebracht. Demonstranten hatten ihn mit Rufen wie „Hau ab“, „Glucksmann, hau ab“ oder „Palästina wird leben“ ausgebuht.

Laut France Bleu Saint-Étienne Loire trugen einige der Protestierenden palästinensische Flaggen und bewarfen Glucksmann mit Farbe.

 

Er hat vor kurzem das „Gemetzel“, die „Massenverbrechen“ und die Blockade des Gazastreifens angeprangert, sich aber anders als andere führende linke Politiker geweigert, von einem „Völkermord“ zu sprechen. Letztere beschuldigten ihn deshalb der Nachgiebigkeit gegenüber Israel.

Der Europaabgeordnete prangerte im sozialen Netzwerk X schnell „gewalttätige Gruppierungen“ an. Er meinte, dass diese Angriffe „das Ergebnis von Monaten des Hasses und der Verleumdung sind, die von den Insoumis geschickt orchestriert wurden.“ Der sozialistische Kandidat erklärte, dass er „tausende“ beleidigende Nachrichten erhalte, darunter auch antisemitische.

Für den Abgeordneten ähnelt diese Aktion daher „einer Frustrationsreaktion“, da die Sozialistische Partei in Umfragen zuletzt zugelegt hatte. In der letzten Ipsos-Umfrage vom 29. April lagen die Sozialisten bei 14 Prozent, nur drei Prozentpunkte hinter der Renaissance-Partei von Emmanuel Macron.

Die Brüche der Linken

In einer auf Facebook veröffentlichten Nachricht bekannte sich die Sektion der Jungen Kommunisten der Loire (JC42) zu der Aktion. Sie betonte, dass „Raphaël Glucksmann sich anlässlich der Europawahlen in den Demonstrationszug einladen wollte“ und erklärte dann, dass „die Feinde unserer Klasse niemals an unserer Seite willkommen sein werden!“

Der Nationalsekretär der Kommunistischen Partei (PCF, Linke), Fabien Roussel, distanzierte sich von den jungen Aktivisten seiner Bewegung. Er unterstützte den sozialistischen Kandidaten, ebenso wie die Spitzenkandidatin der französischen Grünen (Grüne/EFA), Marie Toussaint, die „das Vorgehen einer Handvoll Aufgeregter aufs Schärfste verurteilt.“

Auch die wichtigsten Politiker von La France insoumise verurteilten die Gewalt in Saint-Étienne. Die Spitzenkandidatin der Partei, Manon Aubry, stellte klar, dass in einer Demokratie „jeder das Recht hat zu demonstrieren.“ Jean-Luc Mélenchon betonte, dass „alle, die dem Kampf der Arbeiter für ihre Rechte die Treue halten wollen, am 1. Mai ihren Platz haben.“

Der Vorsitzende von La France insoumise setzte aber auch sein Wortgefecht mit Raphaël Glucksmann in den sozialen Netzwerken fort. Er erklärte, dass der Rauswurf des sozialistischen Kandidaten aus dem Stéphaner Demonstrationszug ein „mediales Ablenkungsmanöver“ gegen den 1. Mai sei und diesem eine „Opferposition“ verschaffe.

Auf Seiten der Sozialistischen Partei bezeichnete die Sprecherin der Bewegung Chloé Ridel La France insoumise als die „dümmste ‚Linke‘ der Welt“. Der Kampf müsse sich gegen „Macron, Bardella und Zemmour richten, deren Projekt diejenigen zerquetscht, die nur ihre Arbeit zum Leben haben.“

Bei einer Kundgebung in Perpignan in Südfrankreich hat Jordan Bardella, der Spitzenkandidat des Rassemblement National (RN), seinerseits den Endspurt seiner Kampagne eingeläutet. Er stellte die ersten 35 Kandidaten seiner Liste für die Europawahlen vor.