Französischer Minister nach Zusammenstößen im Champions-League-Finale in der Kritik

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin steht nach dem Ausbruch gewaltsamer Zusammenstöße vor dem Stade de France während des Champions League-Finales am Samstagabend (28. Mai) im Rampenlicht. EURACTIV Frankreich berichtet.

EURACTIV France
Liverpool FC vs Real Madrid
Nach den Vorfällen vom Samstag - und mit Blick auf die Olympischen Spiele 2024 und die Rugby-Weltmeisterschaft in 2023 - stellt sich die Frage, ob die derzeitige Regierung der Herausforderung gewachsen ist, solch große Sportveranstaltungen zu organisieren und die Sicherheit der Teilnehmer:innen zu gewährleisten. [[EPA-EFE/YOAN VALAT]]

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin steht nach dem Ausbruch gewaltsamer Zusammenstöße vor dem Stade de France während des Champions League-Finales am Samstagabend (28. Mai) im Rampenlicht. EURACTIV Frankreich berichtet.

Die Austragung des Champions-League-Finales zwischen Liverpool und Real Madrid – eines der meistgesehenen Sportereignisse in Europa – war von gewalttätigen Zusammenstößen und mangelhafter Organisation geprägt.

Tausende von Liverpool-Fans wurden aus dem Stadion verwiesen, obwohl sie Eintrittskarten besaßen, wie spanische und englische Journalist:innen vor Ort berichteten. Außerdem wurde gemeldet, dass Hunderte von ihnen bestohlen wurden und viele von der Polizei herumgeschubst wurden.

Die ausländische Presse bezeichnete die Veranstaltung als ein Fiasko.

Innenminister Darmanins Erklärung

Der französische Innenminister Gérald Darmanin und Sportministerin Amélie Oudéa-Castéra traten am Montag vor die Presse und wurden am Mittwoch vom Senat zu einer Anhörung zitiert, um die Vorfälle vom Samstag zu erklären.

„Es gibt keinen Grund, stolz zu sein“, sagte Darmanin.

Ein „massiver, industrieller und organisierter Betrug mit gefälschten Eintrittskarten“ habe dazu geführt, dass „dreißig- bis vierzigtausend englische Fans entweder ohne Tickets oder mit gefälschten Tickets am Stade de France waren“, fuhr er fort.

Dies wurde auch von der UEFA (Union of European Football Associations) bekräftigt.

Mathieu Hanonin, Bürgermeister von Saint-Denis, der Gemeinde, in der sich das Stadion befindet, sagte am Dienstag dem Sender BFM-TV, dass „einer von vier Personen auf der englischen Seite falsche Tickets hatte“, ohne Darmanins Berechnungen zu bestätigen.

„Das System ist so konzipiert, dass es nur eine von 100 falschen Eintrittskarten verarbeiten kann, sodass es zu Engpässen kam“, fügte er hinzu. Der Streik der Verkehrsmittel am Samstag hat den Andrang noch vergrößert, da die Fans in großer Zahl gleichzeitig im Stadion ankamen.

Zu Berichten über den Einsatz von Tränengas durch die Polizei gegen Fans – darunter auch Kinder – äußerte der Minister sein Bedauern über den unverhältnismäßigen Einsatz von Polizeikräften und räumte die „bedauerlichen Bilder“ ein, die bei diesem Vorfall entstanden sind.

Der Innenminister verteidigte jedoch auch das Vorgehen der Polizei und sagte, dass „die französische Strafverfolgungsdoktrin Tote und Verletzte verhindert hat.“

Opposition verübt Kritik

Dies reichte nicht aus, um die Opposition zu überzeugen, die versuchte, den Vorfall als politischen Vorfall im Vorfeld der Parlamentswahlen am 12. und 19. Juni zu nutzen.

Jordan Bardella, Vorsitzender der rechtsextremen Partei Rassemblement National von Marine Le Pen, bezeichnete Darmanin in einem Interview mit dem Fernsehsender France Inter am Dienstagmorgen als „pathologischen Lügner.“

Ihm zufolge würde Frankreichs Innenminister lieber „einen diplomatischen Zwischenfall mit Großbritannien riskieren“, als zuzugeben, dass „Banden von Jugendlichen“ aus den Banlieues für die Angriffe auf englische Fans verantwortlich sind.

Die linksradikale Partei La France Insoumise von Jean-Luc Mélenchon stimmte dem zu und sagte, die Vorfälle hätten Frankreich „gedemütigt.“

Darmanin und Polizeichef Didier Lallement seien „nicht in der Lage, die öffentliche Sicherheit und Ruhe zu gewährleisten“, sagte der Abgeordnete von France Insoumise, Adrien Quattenens, der eine besorgniserregende autoritäre Tendenz bei der „Doktrin der Aufrechterhaltung der Ordnung“ und der Anwendung öffentlicher Gewalt feststellte.

Nach den Vorfällen vom Samstag – und mit Blick auf die Olympischen Spiele 2024 und die Rugby-Weltmeisterschaft in 2023 – stellt sich die Frage, ob die derzeitige Regierung der Herausforderung gewachsen ist, solch große Sportveranstaltungen zu organisieren und die Sicherheit der Teilnehmer:innen zu gewährleisten.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]