Französische Atomaufsicht genehmigt Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Flamanville

Nach zwölfjähriger Bauverzögerung hat die französische Atomaufsichtsbehörde ASN die Inbetriebnahme des ersten französischen Druckwasserreaktors genehmigt. Damit kann der Bauherr EDF mit der Beladung des Reaktors beginnen, der bis Ende 2024 eine Leistung von 1.600 Megawatt erbringen soll.

Euractiv DE
Der EPR in Flamanville steht vor einigen Herausforderungen. Zu den Problemen gehören Risse in der Betonplatte, Anomalien im Reaktordruckbehälter und Schweißfehler. Das Projekt liegt 12 Jahre hinter dem Zeitplan zurück und ist fünfmal so teuer wie geplant - 19,1 Milliarden Euro laut einem Bericht des Rechnungshofs aus dem Jahr 2022. [commons.wikimedia.or]

Nach zwölfjähriger Bauverzögerung hat die französische Atomaufsichtsbehörde ASN die Inbetriebnahme des ersten französischen Druckwasserreaktors genehmigt. Damit kann der Bauherr EDF mit der Beladung des Reaktors beginnen, der bis Ende 2024 eine Leistung von 1.600 Megawatt erbringen soll.

Nach seiner Inbetriebnahme wird das in der nordwestlichen Küstenregion der Normandie gelegene Kraftwerk Flamanville der leistungsstärkste Kernreaktor Frankreichs sein und zwei Millionen Haushalte mit Strom versorgen können.

Roland Lescure, Delegierter des Ministeriums für Industrie und Energie, bezeichnete die Entscheidung auf  X als „einen weiteren entscheidenden Schritt im Rahmen des vom Staatspräsidenten initiierten Neustarts der Kernenergie“.

Licht am Ende des Tunnels

Das europäische Druckwasserreaktor-Programm (European Pressurised Reactor, EPR) wurde 1992 ins Leben gerufen, um die europäische Nuklearindustrie nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 wiederzubeleben. Das EPR-Konzept soll die Kernenergie sicherer und effizienter machen.

Bei allen europäischen Projekten mit diesem neuen Reaktortyp kam es jedoch zu erheblichen Verzögerungen.

In Großbritannien wurde 2012 mit dem Bau des EPRs Hinkley Point C begonnen, dessen Fertigstellung für 2017 geplant war. Die Inbetriebnahme wird nun nicht vor 2029-31 erwartet, und die Baukosten werden fast doppelt so hoch sein wie ursprünglich veranschlagt.

Der einzige in Betrieb befindliche EPR in Europa ist der finnische Olkiluoto, der sich um zwölf Jahre verzögert und dessen Baukosten sich verdreifacht haben.

Der Druckwasserreaktor in Flamanville steht vor ähnlichen Herausforderungen. Zu den Problemen gehören Risse in der Betonplatte, Anomalien im Reaktordruckbehälter und Schweißfehler. Das Projekt liegt 12 Jahre hinter dem Zeitplan zurück und ist fünfmal so teuer wie geplant – 19,1 Milliarden Euro laut einem Bericht des Rechnungshofs aus dem Jahr 2022.

Genehmigung in schwierigem Umfeld

Die Genehmigung der ASN trifft mit der momentanen Umstrukturierung der Kernenergiepolitik von Frankreichs überein.

In der Nacht vom 9. April hat die Nationalversammlung einen Gesetzesentwurf zur Reform der nuklearen Sicherheit verabschiedet, der ab dem 1. Januar 2025 eine einzige Atomaufsichtsbehörde vorsieht. Diese neue Struktur wird die „Atomaufsichtsbehörde“ ASN mit dem technischen Experten des Sektors, dem „Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire“ (IRSN), zusammenführen.

Ziel der Regierung ist es, durch eine Beschleunigung der Bewertungs-, Genehmigungs- und Kontrollverfahren zur Wiederbelebung der Nuklearindustrie beizutragen.

Neben der Laufzeitverlängerung bestehender Reaktoren plant Frankreich den Bau von sechs weiteren EPR und die Entwicklung von Nuklearprojekten der neuen Generation, den Small Modular Reactors (SMR) und den Advanced Modular Reactors (AMR).

[Bearbeitet von Donagh Cagney/Chris Powers/Kjeld Neubert]