Französische Akteure setzen auf Chancen durch Batterierecycling bei E-Autos
Die Einführung von Elektrofahrzeugen schreitet voran, wobei auch das Recycling von Batterien immer wichtiger wird. Die französische Branche sieht darin – trotz großer Herausforderungen – vor allem Chancen.
Die Einführung von Elektrofahrzeugen schreitet voran, wobei auch das Recycling von Batterien immer wichtiger wird. Die französische Branche sieht darin – trotz großer Herausforderungen – vor allem Chancen.
Nach Angaben des französischen Ministeriums für den ökologischen Wandel und die territoriale Kohäsion wurden in Frankreich im Jahr 2023 mehr als 303.000 Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge zugelassen. 2022 waren es lediglich 207.000. Dies entspricht einem Anstieg von 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Die Zahl der Elektro- und Hybrid-Altfahrzeuge ist jedoch noch nicht signifikant. Sie machen derzeit weniger als ein Prozent aller in spezialisierten Recyclingzentren verarbeiteten Fahrzeuge aus.
Diese Situation soll sich nach Meinung von Experten jedoch rasch ändern und dabei spielt vor allem die Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle.
„Wir müssen diese noch junge Kreislaufwirtschaft strukturieren, um die Umwelt zu schützen und die industrielle Souveränität Frankreichs und Europas zu gewährleisten“, erklärte Jean-Philippe Hermine, Geschäftsführer des Think Tanks Institut mobilités en transition, gegenüber Euractiv.
Längerfristig werden die Elektrifizierung und das Recycling von Fahrzeugen Teil einer Kreislaufwirtschaft sein, die eine geringere Abhängigkeit vom Öl und mehr Energieeinsparung gewährleisten soll.
„Um die Herstellung riesiger Batterien zu vermeiden, ihre Lebensdauer zu verlängern und weniger Materialien zu verbrauchen, müssen wir das Ende des Lebenszyklus von Fahrzeugen neu denken“, erklärte Hermine gegenüber Euractiv.
„Es ist möglich, unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und von Drittstaaten bei der Versorgung mit Rohstoffen zu verringern.“
„Nachdem ein Produkt das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat und bevor es zu Abfall wird, kann es wiederverwendet oder recycelt werden“, erklärte auch Patrick Poincelet, Präsident der auf Fahrzeugrecycling spezialisierten Unternehmen, die Mobilians, einer französischen Organisation, die die Interessen von Fachleuten im Automobilbereich vertritt.
Um sich den genannten Herausforderungen zu stellen, wird Mobilians am 13. Juni in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Institut für industrielle Umwelt und Risiken eine Studie veröffentlichen.
Das Ziel besteht darin, die Entwicklungen auf dem Automobilmarkt und im Recyclingsektor zu antizipieren.
Nach Ansicht von Karima Delli (Grüne/Europäische Freie Allianz), Vorsitzende des Ausschusses für Verkehr und Tourismus des EU-Parlaments, steht die industrielle Dimension des Batterierecyclings auf dem Spiel.
„Wir müssen eine Konferenz zur Transformation der Automobilindustrie einberufen, die Wertschöpfungsketten nach Europa verlagern und Recyclingkanäle schaffen. Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir nicht weit genug“, erklärte die Europaabgeordnete gegenüber Euractiv.
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Seit Juli 2023 müssen die Hersteller gemäß der europäischen Verordnung über Batterien und Batterieabfälle zudem Informationen über den CO2-Fußabdruck jeder Batterie von der Rohstoffgewinnung bis zum Recycling vorlegen.
Dieser „Batteriepass“ soll die Behandlung von Altfahrzeugen durch spezialisierte Zentren erleichtern.
Wettbewerb zwischen spezialisierten Altfahrzeugzentren und Autoherstellern?
Das französische Recht und die Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung, die Anfang 2024 in Kraft trat, verlangen von den Herstellern ebenfalls, dass sie sich stärker in die Prozesse am Ende des Lebenszyklus von Fahrzeugen einbringen.
Dies besorgt Laurent Hérail, Präsident von Mobilians Occitanie: „Uns fehlen Daten über die Batterien von Elektrofahrzeugen, die sich in den Händen der Hersteller befinden. Sie wollen ebenfalls das Rohmaterial zurückgewinnen und recyceln. Die Hersteller werden also in Konkurrenz zu den Altfahrzeugzentren treten.“
Hermine, Direktor des Institut mobilités en transition, sagte: „Die Hersteller sind […] in der Lage, die Tätigkeit dieser Zentren zu beeinflussen. Letztlich bedeutet dies, dass die Hersteller den Sektor organisieren.“
Doch die immer noch komplizierte technische Situation öffnet auch Raum für Innovationen von jungen Unternehmen.
Um die steigende Nachfrage nach Batterierecycling zu befriedigen, plant z.B. das in Lyon ansässige Start-up-Unternehmen Mecaware, bis 2028 ein entsprechendes Werk im Département Pas-de-Calais zu errichten.
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[Bearbeitet von Donagh Cagney/Zoran Radosavljevic]