Frankreichs Ziele für erneuerbare Energien sorgen für Verwirrung
Frankreich hat nach einem längeren Streit mit der EU-Kommission überraschend Ziele für die Erzeugung erneuerbarer Energien bis 2030 in seine Energie- und Klimapläne aufgenommen. Bei der Interpretation der angegebenen Zahlen herrscht unter Experten allerdings Uneinigkeit.
Frankreich hat nach einem längeren Streit mit der EU-Kommission überraschend Ziele für die Erzeugung erneuerbarer Energien bis 2030 in seine Energie- und Klimapläne aufgenommen. Bei der Interpretation der angegebenen Zahlen herrscht unter Experten allerdings Uneinigkeit.
In seinem am 10. Juli vorgelegten 300-seitigen endgültigen Nationalen Energie- und Klimaplan hat Frankreich das Ziel aufgenommen, im Jahr 2030 etwa 570 Terawattstunden an erneuerbaren Energien zu verbrauchen.
Die Europäische Kommission hatte den ursprünglichen Entwurf des Plans, der im November 2023 vorgelegt wurde, kritisiert, weil er keine Angaben zum Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch enthielt. Zuvor hatte Paris stattdessen ein Ziel für „dekarbonisierte Energie“ für 2030 angegeben, das neben erneuerbaren Energien auch die Atomkraft miteinbezieht.
Experten zeigten sich über das Dokument verwirrt. Sie sagten, es sei schwer zu beurteilen, wie das Ziel von 570 Terawattstunden zustande gekommen sei.
Das Ziel für den Gesamtverbrauch an erneuerbaren Energien wurde zwar in den endgültigen Nationalen Energie- und Klimaplan für 2024 aufgenommen. Allerdings gab es keine entsprechenden Aktualisierungen für die voraussichtliche Energie aus einzelnen erneuerbaren Quellen, wie Wind, Sonne und erneuerbare Wärme.
Diese Zahlen blieben unverändert gegenüber dem Entwurf des Plans vom Dezember 2023 und der nicht rechtsverbindlichen französischen Energie- und Klimastrategie (SFEC), die im vergangenen November veröffentlicht wurde.
Darüber hinaus wird das französische Ziel für erneuerbare Energien in absoluten Terawattstunden angegeben. Im EU-Ziel für erneuerbare Energien ist dagegen von einem prozentualen Anteil am Verbrauch die Rede.
Von Euractiv kontaktiert, lehnte es das französische Energieministerium ab, den Prozentsatz des französischen Endenergieverbrauchs durch erneuerbare Energien zu spezifizieren.
Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag (11. Juli) wollte das Ministerium die von einigen Experten verwendeten Medieneinschätzungen nicht bestätigen. Diesen zufolge würde der aktualisierte Plan bis 2030 einen Anteil der erneuerbaren Energien von 41,3 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs erreichen – fast drei Prozent weniger als es die EU eigentlich vorsieht.
Der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch wurde durch den Vergleich des Ziels von 570 Terawattstunden mit dem im Plan prognostizierten Endenergieverbrauch von 1.381 Terawattstunden bis 2030 ermittelt.
Das Ministerium erklärte, dies entspreche „nicht der Methodik, die zur Bestimmung des Anteils der erneuerbaren Energien am [Brutto-]Endenergieverbrauch verwendet wird.“ Es wollte die korrekte Zahl jedoch nicht nennen.
Frankreich hatte zuvor jedoch dieselbe Methode verwendet. In der Version des Nationalen Energie- und Klimaplans von 2019 gab Frankreich an, dass es einen Anteil von 33 Prozent erneuerbarer Energien an seinem Endenergieverbrauch erreichen wolle. Dies basierte auf einem Energieverbrauch von 120 Millionen Tonnen Öläquivalent (Mtoe), von denen 41 Millionen Tonnen aus erneuerbaren Energien stammten.
Doppelzählung?
Nach Ansicht des unabhängigen Klimaberaters Stéphane „sehe [ich] nicht, wie wir ohne Doppelzählung auf einen Verbrauch von 570 Terrawattstunden kommen können.“
Summiert man die Prognosen für Energie für das Jahr 2030 des Entwurfs des Plans aus Solarenergie, Offshore- und Onshore-Windenergie, Wasserkraft, Biogas und erneuerbarer Wärme- und Kälteerzeugung, ergibt sich eine Zahl von 546 Terawattstunden an erneuerbarer Energie.
Jules Nyssen, Präsident des französischen Verbands für erneuerbare Energien, Syndicat des énergies renouvelables, zeigte sich offen für diese Möglichkeit. „Ich bin mir nicht sicher, ob es keine Doppelzählung gibt. Zum Beispiel ist Gas aus erneuerbaren Energien ein Bestandteil von Wärme“, erklärte Nyssen gegenüber Euractiv.
Das Energieministerium räumt diese Komplexität ein. Es merkte an, dass „das Energiesystem kein völlig lineares System ist“ und erklärte gegenüber der Presse, dass „es Energiequellen gibt, die zur Erzeugung anderer Energievektoren verwendet werden.“
Als Beispiel nannte das Ministerium Biogas, „das zur Wärmeerzeugung genutzt werden kann, wobei ein Teil der Wärme aus Elektrizität stammt, die ihrerseits erneuerbar ist.“
Einflussverlust in Brüssel?
Diese Unklarheit könnte der französischen Regierung gelegen kommen. Spitzenpolitiker wie der Wirtschafts- und Energieminister Bruno Le Maire und die ehemalige Energieministerin Agnès Pannier-Runacher hatten zuvor öffentlichkeitswirksam erklärt, dass sie sich nicht an die Forderung der EU-Kommission nach einem Ziel für erneuerbare Energien halten würden.
Einige Interessenvertreter sind jedoch skeptisch, dass die Zugeständnisse der Regierung im endgültigen Nationalen Energie- und Klimaplan ausreichend sein werden. „Es ist nicht sicher, dass die Europäische Kommission zufrieden sein wird“, so Nyssen.
Das Zugeständnis Frankreichs an die Kommission könnte auch als Einflussverlust in Brüssel interpretiert werden. Es fiel in eine Zeit politischer Instabilität nach den französischen Parlamentswahlen, was die Fähigkeit des Landes, seine Interessen in Brüssel durchzusetzen, beeinträchtigen könnte.
Frankreich hat sich für künftige EU-Ziele für 2040 eingesetzt, die sowohl Atomkraft als auch erneuerbare Energiequellen umfassen. Im Rahmen dieser Bemühungen hat Frankreich eine „EU-Atomallianz“ von Staaten mit Atomkraft in ihrem Energiemix angeführt.
[Bearbeitet von Donagh Cagney/Alice Taylor]