Frankreichs Umweltminister Hulot tritt zurück

Frankreichs Umweltminister Nicolas Hulot hat heute morgen im Radio seinen Rücktritt verkündet.

EURACTIV.com / EURACTIV.fr
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Frankreichs beliebter Umweltminister Nicolas Hulot ist heute morgen zurückgetreten. [[Christophe Petit Tesson/EPA]]

Frankreichs Umweltminister Nicolas Hulot ist von seinem Amt zurückgetreten. Das erklärte Hulot heute morgen im Radiosender France Inter. EURACTIV Frankreich berichtet. 

Der Rücktritt eines der beliebtesten französischen Politiker ist ein Schlag für die Regierung von Emmanuel Macron sowie eine deutliche Kritik an ihrer Umweltpolitik.

Bereits bei seinem Amtsantritt vergangenes Jahr hatte Hulot deutlich gemacht, er wolle in Umweltfragen „keine Politik der kleinen Schritte“ verfolgen.

Doch während beispielsweise das EU-Parlament für einen Stopp aller Palmöl-Importe ab 2021 stimmte, gab Frankreich in Reaktion grünes Licht für eine Bio-Ölraffinerie der Firma Total.

„Bittere Pillen“ und Rückschläge

Hulot, der sich als Umwelt- und Klimaschützer einen Namen gemacht hat, verurteilte die Zustimmung Frankreichs zur Raffinerie scharf. Die Genehmigung war aber nur eine der vielen bitteren Pillen, die er seit seinem Regierungsantritt schlucken musste – einschließlich einer Reihe von Kompromissen zwischen privaten Interessen und dem Umweltschutz.

„Haben wir begonnen, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren? Die Antwort ist nein! Haben wir begonnen, die Zerstörung der biologischen Vielfalt zu stoppen? Die Antwort ist wiederum nein,“ zeigte er sich im Radio-Gespräch sichtlich enttäuscht.

Hulot fügte hinzu, er habe seine Entscheidung weder Präsident Macron noch Premierminister Edouard Philippe vorab mitgeteilt. Diese hätten sonst sicherlich versucht, ihn von seiner Entscheidung abzubringen.

Ein möglicher Auslöser: Noch am Vortag hatte Hulot an einem Treffen im Élysée über neue Jagdregelungen teilgenommen. Er zeigte sich im Anschluss schockiert, dass auch ein Jagd-Lobbyist anwesend war, um an dem Treffen teilzunehmen.

Die französischen Jäger versuchen, eine bereits sehr lange Liste von 64 Vogelarten, die sie aktuell schießen dürfen, zu erweitern. Im Gegensatz dazu gelten in den meisten anderen europäischen Ländern Grenzwerte bei um die 14 Arten. Die französische Liste enthält unter anderem Buchfinken und Graugänse.