Frankreichs Lebensmittelbehörde warnt vor Gesundheitsrisiken durch Tofu
Die französische Agentur für Lebensmittelsicherheit ANSES empfahl gestern, in der Großgastronomie keine Lebensmittel auf Sojabasis zu servieren. Der übermäßige Verzehr wäre mit Gesundheitsrisiken durch östrogene Hormonwirkungen verbunden.
Die französische Agentur für Lebensmittelsicherheit ANSES empfahl gestern, in der Großgastronomie keine Lebensmittel auf Sojabasis zu servieren. Der übermäßige Verzehr wäre mit Gesundheitsrisiken durch östrogene Hormonwirkungen verbunden.
Diese Empfehlung folgt auf eine Bewertung der Agentur über die Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Verzehr von Lebensmitteln, die Isoflavone enthalten.
Soja ist die Hauptquelle dieser Moleküle, die für ihre östrogene Hormonwirkung bekannt sind und bei übermäßigem Verzehr das Fortpflanzungssystem schädigen können.
Die französische Lebensmittelagentur hat außerdem die Lebensmittelproduzenten und -hersteller aufgefordert, die Produktions- und Verarbeitungstechniken für Soja zu überprüfen, um den Isoflavongehalt in Lebensmitteln zu verringern.
Während in Frankreich und in der EU die Diversifizierung von Eiweißquellen gefördert wird, um die Nachhaltigkeit der Ernährung zu verbessern, könnte diese Empfehlung die bereits unternommenen Schritte wieder zurückwerfen.
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Europäische NGOs zweifeln
Auf europäischer Ebene hat diese Empfehlung negative Reaktionen von mehreren Nichtregierungsorganisationen hervorgerufen, die sich für eine vegetarische Ernährung einsetzen. Sie stellen den Wahrheitsgehalt der Studie in Frage.
Rafael Pinto, Senior Policy Manager bei der Europäischen Vegetarier Union, bezeichnete die Entscheidung als „Missachtung des wissenschaftlichen Konsenses“ und als „Taktik, um die Verbraucher von pflanzlichen Alternativen abzubringen“ Er forderte die medizinische Gemeinschaft auf, „diese Angst zu widerlegen“.
„Wir sind überrascht von der ANSES-Empfehlung, Lebensmittel auf Sojabasis von der Verpflegung auszuschließen, obwohl ihre gesundheitlichen und ökologischen Vorteile gut dokumentiert sind“, sagte Anna-Lena Klapp, Forschungsleiterin bei ProVeg International, gegenüber Euractiv.
Unter Berufung auf eine Studie der US-Gesundheitsbehörde aus dem Jahr 2020, in der Soja als „sicheres Lebensmittel“ eingestuft wird, würde sie sich eine „groß angelegte Meta-Analysen, die die Empfehlung [der ANSES] unterstützen“ wünschen, die im Gegensatz zu den nationalen Ernährungsrichtlinien vieler Länder steht.
„Sojabasierte Lebensmittel werden seit Jahrhunderten auf der ganzen Welt sicher verzehrt“, sagte Michela Bisonni, Direktorin von Plant Based Foods Europe, gegenüber Euractiv.
Ihrer Meinung nach wurde die Entscheidung getroffen, „ohne die gesamte Beweislage zu berücksichtigen […], um zu einem ausgewogenen Nutzen-Risiko-Verhältnis zu gelangen.“
Klapp prangerte auch eine unterschiedliche Behandlung von Soja und Fleisch durch die Agentur an.
„Wir sind überrascht, dass die ANSES keine vergleichbare Empfehlung für verarbeitetes rotes Fleisch ausspricht. Im Jahr 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation verarbeitetes Fleisch als krebserregend eingestuft. Die ANSES hat keine Empfehlung ausgesprochen, es aus der Gemeinschaftsverpflegung zu entfernen.“
Keine vergleichbare Studie auf EU-Ebene
Die letzte Bewertung von Isoflavonen durch die EU-Aufsichtsbehörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) liegt zehn Jahre zurück.
Das auf Ersuchen Deutschlands durchgeführte wissenschaftliche Gutachten war „eine allgemeine Bewertung“, die sich auf Isoflavone in Nahrungsergänzungsmitteln für Frauen in den Wechseljahren konzentrierte und „in ihrem Umfang auf die Bewertung schädlicher Auswirkungen auf drei Zielorgane beschränkt war: die Schilddrüse, die Gebärmutter und die Brust“, so ein EFSA-Beamter gegenüber Euractiv.
Die Studie ergab keine schädlichen Auswirkungen von Isoflavonen in diesem Zusammenhang.
„Jede neue EFSA-Bewertung würde auf der Grundlage eines Ersuchens unserer Risikomanager, der Europäischen Kommission, des Europäischen Parlaments oder eines Mitgliedstaates eingeleitet“, fügte der EFSA-Vertreter hinzu.
*Sofia Sanchez Manzanaro hat zu diesem Bericht beigetragen
[MM/KN]