Frankreichs Bio-Sektor gedeiht wieder nach Jahren der Krise
Inzwischen zeichnet sich eine Trendwende ab. Laut der staatlichen Bio-Agentur Agence Bio stiegen die Umsätze mit Bio-Lebensmitteln Anfang 2025 um 4,1 Prozent.
Nach vier Krisenjahren zeigt Frankreichs Bio-Sektor erstmals wieder deutliche Erholungstendenzen – getragen von einer neu auflebenden Verbrauchernachfrage, die sich an Entwicklungen in anderen Ländern orientiert.
Derzeit entfallen zehn Prozent der landwirtschaftlichen Flächen auf Bio-Anbau; die Regierung hat angekündigt, diesen Anteil binnen fünf Jahren zu verdoppeln. Großzügige Förderprogramme hatten zuvor schnelle Umstellungen ausgelöst – teils bei Kulturen, für die kaum Nachfrage bestand, etwa bei Aromakräutern in Südfrankreich.
Seit 2021 brachte dann eine Mischung aus Inflation, explodierenden Energiepreisen und zurückhaltendem Einzelhandel die Branche in eine tiefe Krise; der Konsum brach ein.
Steigende Bio-Nachfrage
Inzwischen zeichnet sich eine Trendwende ab. Laut der staatlichen Bio-Agentur Agence Bio stiegen die Umsätze mit Bio-Lebensmitteln Anfang 2025 um 4,1 Prozent.
Besonders stark ist die Erholung in Fachhandelsketten zu beobachten. Nach Wachstumsjahren 2024 und 2025 plant der Marktführer Biocoop laut Le Monde die Eröffnung von 160 neuen Filialen in den kommenden vier Jahren.
Auch die Erzeuger spüren Rückenwind. „Ich sehe steigende Erzeugerpreise – das heißt, die Nachfrage ist da,“ sagt Corentin Cnudde, Berater in einem Netzwerk von Bio-Bauern in Nordfrankreich.
Bio-Weizen erzielt derzeit über 400 Euro pro Tonne, konventioneller liegt unter 200 Euro.
Die neue Dynamik führt bereits zu Engpässen: Bei Roggen und schwarzen Linsen gebe es Lücken im Angebot, berichtet Cnudde. Ähnlich bei Bio-Eiern: Die Nachfrage stieg um sieben Prozent, die Produktion sank jedoch um vier Prozent, zeigen aktuelle Daten von Agence Bio.
Als Gründe gelten die nachlassende Inflation, Informationskampagnen und eine intensivere öffentliche Debatte über Pestizide in der Landwirtschaft.
Europa im Aufwind
In anderen europäischen Ländern wächst der Bio-Markt sogar noch stärker.
Deutschland treibt den Aufschwung an: Die Bio-Umsätze stiegen 2024 um 5,7 Prozent, teils werde für 2025 mit noch stärkeren Zuwächsen gerechnet, so ein Sprecher des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL.
Auch Italien ( +4,5 Prozent) und Dänemark ( +3 Prozent) verzeichneten laut FiBL ein deutliches Plus.
Während einige EU-Staaten in den vergangenen Jahren Stagnation oder leichte Rückgänge hinnehmen mussten, habe kein Mitgliedstaat eine Krise erlebt, die sich mit der französischen vergleichen ließe, so der Sprecher.
Zukunft sichern
Nach der turbulenten Phase wollen Frankreichs Bio-Landwirte die Erholung stabilisieren. Um „abrupte Schwankungen zu vermeiden“, plädiert Cnudde für mehrjährige Verträge, die bislang nicht gängige Praxis sind.
„Man kann dem Auf und Ab des Marktes einfach zuschauen – oder man kann daraus lernen,“ sagt er. Langfristige Vereinbarungen seien entscheidend, damit Bio-Betriebe investieren können und sich an die wachsenden Folgen des Klimawandels anpassen.
Doch die strukturellen Probleme bleiben.
Immer weniger Landwirte in Frankreich steigen auf Bio um – und immer mehr geben auf. 2025 dürfte erstmals die Zahl der Rückkehrer zur konventionellen Landwirtschaft die Zahl der Neueinsteiger in die Bio-Produktion übersteigen.
EU-weit stellt sich die Lage deutlich positiver dar: Die Zahl der Bio-Erzeuger im Block wuchs 2023 um 1,8 Prozent – Umstellungen überstiegen hier weiterhin die Rückkehr in den konventionellen Sektor, so FiBL.
Kurskorrektur in Brüssel
Zudem plant die EU-Kommission Anpassungen der Rahmenbedingungen. Agrarkommissar Christophe Hansen kündigte im September Maßnahmen an, um den Rechtsrahmen für Handelsabkommen mit Drittstaaten zu stärken.
Von diesem langfristigen Ansatz könne sich Paris inspirieren lassen, meint Eric Gall, Vizedirektor der europäischen Bio-Organisation IFOAM.
„Frankreich sollte sich daran orientieren, um die Markterholung abzusichern,“ sagt er. Der Aufschwung sei zwar „eine gute Nachricht“, werde aber nur dann dauerhaft sein, wenn er durch gezielte Unterstützungsmaßnahmen für Markt und Bio-Wertschöpfungsketten sowie durch ein klares politisches Bekenntnis flankiert werde.
(adm, jl)