Frankreich will Rückstand der Industrie bei 5G aufholen
Frankreich ist bei der Umsetzung der mit dem Übergang zum 5G-Netz verbundenen Chancen "etwas im Rückstand", so der französische Staatssekretär für Digitales, Cedric O. EURACTIV Frankreich berichtet.
Frankreich ist bei der Umsetzung der mit dem Übergang zum 5G-Netz verbundenen Chancen „etwas im Rückstand“, so der französische Staatssekretär für Digitales, Cedric O. EURACTIV Frankreich berichtet.
Der französische Staatssekretär betonte zudem die Bedeutung von 5G, um den Übergang zu einer vollständig digitalisierten und optimierten Industrie zu ermöglichen, die gemeinhin als Industrie 4.0 bezeichnet wird.
Auch von Industrieverbänden wird das Potenzial von 5G hervorgehoben.
„Um unsere Industrie effizienter zu machen, brauchen wir entsprechende Werkzeuge. 5G ist eines davon. Es sollte dazu beitragen, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und potenziell zur Dekarbonisierung des Sektors beitragen“, sagte Jean-Marie Danjou, Generaldirektor des Netzwerks Alliance Industrie du Futur, gegenüber EURACTIV.
Die französische Exekutive hat zwei Vorschläge ausgearbeitet, um sicherzustellen, dass Frankreich den Anschluss nicht verpasst.
So wurde vorgeschlagen, ein Experimentierfeld im Frequenzband 3,8-4,0 GHz zu eröffnen. Frankreichs Regulierungsbehörde für elektronische Kommunikation, bekannt als ARCEP, wird für die Zuweisung von maximal 100 MHz des Spektrums verantwortlich sein, damit freiwillige Betreiber auf diesen Frequenzen in der Nähe des „Kern-Bandes“ von 5G (3,4-3,8 GHz) experimentieren können.
Die ARCEP hat außerdem ein neues digitales Portal eingerichtet, das die Genehmigungsanträge für Mobilfunknetze im 2,6-GHz-Band bündelt. Dieser Frequenzbereich ist bereits für die künftige industrielle Nutzung reserviert und soll die bis dahin erforderlichen Prozeduren vereinfachen.
Diese Maßnahmen stehen im Einklang mit einem Expertenbericht, den die Regierung Anfang März erhalten hat.
Der Berichterstatter Philippe Herbert wurde im Oktober 2019 damit beauftragt, zu ermitteln, was die Einführung von 5G in der Branche bremst.
Dem Bericht zufolge ist „die allgemeine Haltung der französischen Hersteller in Bezug auf 5G im Vergleich zu einer begrenzten Anzahl von ‚Aktivisten'“ in diesem Bereich zurückgeblieben, trotz „echter Freiwilligkeit und einer starken öffentlichen Politik“. Der Bericht verweist auch auf die Zunahme industrieller 5G-Testprojekte.
„Die überwiegende Mehrheit der französischen Hersteller ist manchmal ‚informiert‘ und meistens ‚abwartend‘ in Bezug auf eine Technologie, von der sie ein besseres Verständnis und mehr Feedback erwarten“, so Herbert weiter.
Eines der Haupthindernisse für die 5G-Einführung auf Industrieebene sei jedoch der Zugang zu Frequenzen, heißt es in dem Bericht weiter. „Bei der Einholung von Stellungnahmen von Unternehmen für den Bericht wurden viele Kommentare und Fragen zu diesem Thema aufgeworfen“.
„Die Modalitäten des Zugangs zu den Frequenzen, waren Gegenstand eines gemischten Feedbacks“, räumte Danjou ein. „Die Begeisterung für industrielle Systeme scheint mit einer gewissen Leichtigkeit beim Zugriff auf die Frequenzen zusammenzuhängen“, fügte er hinzu.
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Zugang zu Frequenzen
Derzeit haben Hersteller, die ein privates oder hybrides Netz aufbauen möchten, zwei Möglichkeiten.
Sie können sich an ARCEP wenden, um Frequenzen im 2,6-GHz-Band über einen 2019 eröffneten Schalter zu erhalten. Diese Option ist jedoch „zu kompliziert“ und mit einem „unerschwinglichen“ Preis von 70.000 € pro Jahr für eine Abdeckung von bis zu 100 m² verbunden – weit mehr als die meisten Hersteller brauchen.
Die für die Erteilung einer Lizenz benötigte Zeit – bis zu sechs Monate – sei viel zu lang, heißt es in dem Bericht, in dem auf die 12 bereits erteilten Lizenzen hingewiesen wird.
Es besteht aber auch die Möglichkeit, sich an die nationalen Telekom-Betreiber zu wenden, denen die Regierung exklusiv das 3,5-GHz-Band, das „Kern-Band“ des 5G-Netzes, zugewiesen hat.
Theoretisch müssen sie „angemessene Anforderungen nach ihren Wünschen“ erfüllen. Das bedeutet, dass die Hersteller diese Anforderungen entweder durch ein maßgeschneidertes Angebot oder ein verfügbares Angebot erfüllen müssen […] oder indem sie lokal alle oder einen Teil der Frequenzen des Bandes 3490 – 3800 MHz, das ihnen gehört, zur Verfügung stellen“.
Herbert zufolge ist dieser Zugang „schwierig umzusetzen“, vor allem weil der Begriff der „angemessenen Nachfrage“ unklar definiert ist. Auch die von den Herstellern geäußerten Schwierigkeiten, mit diesen Betreibern in Kontakt zu treten, werden als Hindernis genannt.
„Es handelt sich um Verpflichtungen in den Lizenzen, die von der ARCEP überwacht werden können“, sagte Michel Combot, Generaldirektor des französischen Telekommunikationsverbands, gegenüber EURACTIV. Er wies darauf hin, dass die Aufsichtsbehörde für Telekommunikation den Betreibern noch nie eine Verwarnung wegen eines solchen Verstoßes erteilt habe.
Wie sieht es für Deutschland aus?
Hebert verglich außerdem den Ansatz Frankreichs mit dem Deutschlands und stellte einen gewissen Enthusiasmus der deutschen Hersteller, insbesondere in der Automobilindustrie, fest.
„Der Aktivismus dieser industriellen Ökosysteme in Bezug auf die 5G-Nutzung scheint mit einer gewissen Leichtigkeit des Zugangs zu Frequenzen für private 5G-Netze zu korrelieren“, betonte auch Herbert.
„Bis 2020 halten 73 Prozent der [deutschen] Industrieunternehmen mit 100 oder mehr Beschäftigten es für wichtig, 5G an ihrem Standort verfügbar zu haben. Im Jahr 2021 sind es bereits 85 Prozent“, sagt Angelina Marko, Industrie-4.0-Expertin beim Digitalverband Bitkom, gegenüber EURACTIV.
Im Gegensatz zu Frankreich hat die deutsche Regulierungsbehörde den Herstellern ein 100-MHz-Frequenzband zwischen 3,7 und 3,8 GHz direkt zur Verfügung gestellt, und zwar über ein „Verfahren, das von den geprüften deutschen Interessengruppen als einfach und schnell angesehen wurde“. Demnach gab es bisher 170 Zuteilungen.
Combot begründete die Entscheidung Frankreichs damit, dass in Deutschland zunächst mehr Frequenzen zugeteilt werden sollten, da die ARCEP in Frankreich den niedrigeren Teil des Bandes, der „noch nicht nutzbar ist“, auslassen wollte. Die deutsche Industrie sei auch bei der Digitalisierung ihrer gesamten Branche weiter, stehe aber bei den industriellen Anwendungen von 5G vor denselben Problemen wie Frankreich, fügte er hinzu.
Um den industriellen Übergang zu 5G erfolgreich zu meistern, „bedarf es einer starken Mobilisierung der Industriesektoren und gleichzeitig der Telekommunikations- und Ausrüstungshersteller“, fasste der Generaldirektor der Alliance Industrie du Futur zusammen.
[Bearbeitet von Alice Taylor und Daniel Eck]