Frankreich will doch mehr als 40 GW Offshore-Windkapazität anpeilen

Frankreichs 40-GW-Ziel für Offshore-Windkraft sei nur ein Ausgangspunkt, sagte die Ministerin für die Energiewende, Agnès Pannier-Runacher, am Dienstag (20. Juni), obwohl einige Branchenvertreter die französischen Pläne als wenig ehrgeizig ansehen.

EURACTIV France
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Im Februar letzten Jahres legte Präsident Emmanuel Macron die Energieziele Frankreichs für 2050 fest und kündigte an, ein Ziel von 40 GW für die Entwicklung der Offshore-Windenergie anzustreben. [Bjoern Wylezich / Shutterstock]

Frankreichs 40-GW-Ziel für Offshore-Windkraft sei nur ein Ausgangspunkt, sagte die Ministerin für die Energiewende, Agnès Pannier-Runacher, am Dienstag (20. Juni). Laut der Branche mangelt es den Plänen an Ehrgeiz.

Im Februar letzten Jahres legte Präsident Emmanuel Macron die Energieziele Frankreichs für 2050 fest und kündigte an, ein Ziel von 40 GW für die Entwicklung der Offshore-Windenergie anzustreben.

Dieses Ziel werde jedoch wahrscheinlich angehoben, sagte Pannier-Runacher am Dienstag (20. Juni) bei der Eröffnung der Messe für erneuerbare Meeresenergien, „Seanergy.“

„Wir werden wahrscheinlich unsere Ziele anheben müssen, um unseren wachsenden Strombedarf zu decken“, sagte sie und merkte an, dass „dieses 40-GW-Ziel ganz klar eine Untergrenze und wahrscheinlich keine Obergrenze ist.“

„Dies wird eines der Themen des Energieplanungsgesetzes sein, an dem wir derzeit arbeiten“, fügte sie hinzu und bezog sich dabei auf das Energie- und Klimaprogrammierungsgesetz, das die zukünftige Energieentwicklung des Landes bestimmen soll und im Herbst im Parlament debattiert werden soll.

Laut der Ministerin ist ein Ziel von 45 GW für die Offshore-Windenergie bis 2050 anstelle der von Macron vorgeschlagenen 40 GW zu erwarten.

Außerdem will sie eine Ankündigung von Frankreichs Premierministerin Elisabeth Borne vom 22. Mai, in der sie zu weiteren Anstrengungen aufrief, um sich dem EU-Klimaziel für 2030 anzunähern, die Emissionen gegenüber 1990 um 55 Prozent zu reduzieren, mit Leben füllen.

Mehr Offshore-Wind

Die Ankündigungen der Regierung kommen zur rechten Zeit, denn Frankreich muss seine Anstrengungen im Bereich der erneuerbaren Energien beschleunigen, nachdem es die EU-Ziele für 2020 nicht erreicht hat.

Dies gilt umso mehr, als die EU ihre Zielvorgaben inzwischen angehoben hat. Danach soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch der EU bis 2030 42,5 Prozent betragen.

Um die Ziele für die Offshore-Windenergie zu erhöhen, hat die französische Regierung die regionalen Behörden am 7. Juni aufgefordert, eine öffentliche Konsultation mit lokalen Interessenvertretern durchzuführen.

Ziel ist es, Gebiete zu ermitteln, in denen bis 2024 Windparks errichtet werden könnten, und längerfristig einen Plan für die Meeresküste zu entwickeln, der im Herbst Gegenstand einer öffentlichen Debatte sein wird.

Laut Pannier-Runacher sollen die öffentlichen Konsultationen als „Hebel“ dienen, um die Bürgerinnen und Bürger in die Entwicklung der Offshore-Windenergie einzubeziehen und deren Akzeptanz in der lokalen Bevölkerung zu fördern.

Warum so wenig Ehrgeiz?

Ende April unterzeichneten Frankreich und acht weitere europäische Länder eine Erklärung, wonach in den Gewässern der Nordsee, der Keltischen See, der Irischen See und des Atlantiks mehr als 300 GW Windkraft erzeugt werden sollen.

Während deshalb ein Papier einer regierungsnahen Behörde ein Ziel von 45 GW bis 2050 vorschlägt, drängen einige Branchenvertreter auf ein noch höheres Ziel.

„Wenn wir an der Planung arbeiten und die Verfahren innerhalb der Regierungsbehörden straffen, könnten wir sogar zwischen 50 und 60 GW erreichen“, sagte Michel Gioria vom Branchenverband France énergie éolienne in einem Kommentar für Le Monde am 14. Juni.

In der Tat hat der französische Stromnetzbetreiber RTE das Offshore-Windpotenzial des Landes auf 62 GW geschätzt. In Frankreich sind nur 8 GW an Offshore-Windkraftanlagen installiert oder in Vorbereitung.

Der erste französische Offshore-Windpark wurde im November vor der Küste von Saint-Nazaire im Atlantik errichtet und hat eine installierte Leistung von 500 MW. Drei weitere mit einer Gesamtkapazität von 1,5 GW befinden sich derzeit im Bau.

Darüber hinaus sollen bis Ende des Jahres neue Ausschreibungen für die Erweiterung bestehender und bereits im Bau befindlicher Windparks veröffentlicht werden, so Pannier-Runacher auf der Seanergy.

Bei der Onshore-Wind- und Solarenergie strebt Frankreichs Sekretariat für ökologische Planung eine jährliche Steigerung der installierten Kapazität an. Dies könnte bedeuten, dass bis 2050 auch Macrons Ziel von 40 GW für die Onshore-Windenergie, das im Februar 2022 festgelegt wurde, überschritten wird.

[Bearbeitet von Frédéric Simon/Alice Taylor]