Frankreich entwickelt ‚Nachhaltigkeitsbarometer’ [DE]

Um die Herausforderung einer nachhaltigen Entwicklung anzugehen, hat Frankreich diese Woche eine Reihe von Indikatoren vorgestellt, mit deren Hilfe Fortschritte bei umweltfreundlichem Wachstum und Arbeitsplätzen gemessen werden können.

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Um die Herausforderung einer nachhaltigen Entwicklung anzugehen, hat Frankreich diese Woche eine Reihe von Indikatoren vorgestellt, mit deren Hilfe Fortschritte bei umweltfreundlichem Wachstum und Arbeitsplätzen gemessen werden können.

Die Indikatoren, über die am 20. Januar auf einer nationalen Konferenz  debattiert wurde, werden eine jährliche Evaluierung der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie ermöglichen, die in Kürze angenommen werden soll.

Das Barometer wird dazu genutzt werden, die französische Regierung, das Parlament, örtliche Behörden, Unternehmen, NGOs und Bürger über nachhaltige wirtschaftliche Entwicklungen und Umweltbelastungen zu informieren. Damit sollen Initiativen, die umweltgerechtes Verhalten fördern, unterstützt werden.

Die von Indikatoren flankierte nationale Nachhaltigkeitsstrategie wurde aufgrund eines breiten nationalen Konsultationsverfahrens zu Umweltfragen entwickelt (die so genannte ‚
Grenelle de l’environnement
’), das im Jahr 2007 eingeleitet wurde.

Der französische Umweltminister Jean-Louis Borloo betonte, er gehe davon aus, dass die Indikatoren von der gesamten Gesellschaft angenommen würden, da die Strategie und die Indikatoren im Rahmen eines breiten Dialogs entwickelt worden seien und es zwischen allen Beteiligten einen breiten Konsens gebe.

Indikatoren

Das Nachhaltigkeitsbarometer besteht aus vier weit gefassten wirtschaftlichen und sozialen Indikatoren, darunter die Arbeitslosenquote sowie die Einkommensverteilung.

Weitere 45 Indikatoren sind als Antwort auf neun bestimmte Herausforderungen identifiziert worden. Diese sind: Klimawandel und saubere Energien, umweltgerechte Mobilität, nachhaltiger Verbrauch und Herstellungsprozesse, Artenvielfalt, Volksgesundheit, gesellschaftliche Integration, die Wissensgesellschaft und politische Steuerung.

So plant Frankreich zum Beispiel, seinen Gesamtausstoß an Treibhausgasen sowie seine Klimabilanz – einschließlich des durch Handel ‚importierten’ CO2-Ausstoßes – zu messen. 

Der Energie- und Ressourcenverbrauch pro Kopf, die Ressourcenproduktivität, der Anteil der verschiedenen Verkehrsträger beim Güterverkehr, das Abfallaufkommen unterschiedlicher Bereiche – im Haushalt anfallende, landwirtschaftliche oder industrielle Abfälle – und die Recyclingquote sollen ebenfalls gemessen werden.

Bei Umweltschutz und der nachhaltigen Nutzung der Artenvielfalt werden Indikatoren die Entwicklung der Vogelpopulationen, Änderungen natürlicher Lebensräume und den Verlust der natürlichen Umwelt bewerten.

Zu den weiteren Indikatoren, mit denen die Nachhaltigkeit der französischen Nation gemessen werden soll, gehören die Selbstmordrate, die Integration junger Menschen in die Gesellschaft, Investitionen in F&E als Anteil des BIP, der Frauenanteil in Führungspositionen sowie internationale Entwicklungshilfe.

Frankreichs Haltung könnte zur 2020-Strategie beitragen

Die französische Arbeit zu Indikatoren für Nachhaltigkeit findet parallel zu entsprechenden Überlegungen der EU statt und könnte der Gesamtstrategie der EU zusätzliche Impulse verleihen.

Die Mitteilung  der Europäischen Kommission zu einer Messung von Fortschritt über das BIP hinaus schlägt die Entwicklung eines umfassenden Umweltindex sowie die Verbesserung bereits bestehender Indikatoren zur Lebensqualität vor, die das BIP ergänzen könnten (EURACTIV vom 31. August 2009). Zu den weiteren Initiativen gehören die Einrichtung eines europäischen Anzeigers für nachhaltige Entwicklung sowie Schwellenwerte für die ökologische Nachhaltigkeit.

Eine Pilotversion eines Index zur Messung von Verschmutzung und anderen Umweltbelastungen innerhalb der EU soll 2010 veröffentlicht werden. Der Index soll einen Beitrag zur Bewertung der Ergebnisse von Umweltschutzbemühungen in den Bereichen Klimawandel und Energieverbrauch, Natur und Artenvielfalt, Luftverschmutzung und Auswirkungen auf die Gesundheit, Wasserverbrauch und –verschmutzung sowie Abfallerzeugung und Ressourcenverbrauch leisten.

Angaben der EU-Exekutive zufolge könnten die Überlegungen zu Indikatoren schließlich zur Festlegung neuer strategischer Ziele für die Nachfolgestrategie der 2010 auslaufenden Lissabon-Strategie, der so genannten EU-2020-Strategie, führen.