Frankreich-Deutschland Beziehungen: Zusammen oder getrennt? [DE]

Während der französische Präsident Nicolas Sarkozy und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sich in Berlin zu einem französisch-deutschen Gipfel trafen, untersuchten Politikwissenschaftler in Frankreich den Zustand der Beziehungen zwischen den beiden Ländern. EURACTIV Frankreich berichtet.

Sarkozy-Merkel-3.jpg
Sarkozy-Merkel-3.jpg

Während der französische Präsident Nicolas Sarkozy und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sich in Berlin zu einem französisch-deutschen Gipfel trafen, untersuchten Politikwissenschaftler in Frankreich den Zustand der Beziehungen zwischen den beiden Ländern. EURACTIV Frankreich berichtet.

Während eines Seminars, dass von dem französischen Zweig der Europäischen Bewegung organisiert wurde, zeichneten Hans Stark und Alfred Grosser, Experten für französisch-deutsche Beziehungen, ein ernüchterndes Bild der aktuellen Beziehungen zwischen Paris und Berlin.

Stark, der auch Generalsekretär einer Arbeitsgruppe über deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) ist meint, dass die Kooperation zwischen den beiden Ländern seit Monaten an Dynamik verloren habe. 

Zurzeit belasten Meinungsverschiedenheiten über die Errichtung der Mittelmeerunion im Sommer 2008 die Beziehungen in relativ ernsthaftem Ausmaß. Hinzu kommen Spannungen, die durch die Energiekrise im Dezember 2008 entstanden sind.  

Dennoch ist es klar, dass die deutsch-französische Beziehung, heute viel weniger belastet ist als in der Vergangenheit, sagten beide Experten. Deutschland und Frankreich werden nun, zum Beispiel, ein ähnliches Verständnis der Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt haben. Auch als die Finanzkrise die Regierungen zu mehr Ausgaben zur Rettung der Wirtschaft zwang, „beschuldigen die Deutschen die Franzosen nicht mehr dafür, den Wachstums- und Stabilitätspakt nicht zu respektieren“, sagte Stark.

„Jedoch sind die Tage, an denen Valéry Giscard d’Estaing und Kanzler Helmut Schmidt, im Stillen Kämmerchen das Europäische Währungssystem entwarfen, ohne ihre Idee auf andere Mitgliedstaaten anzuwenden, definitiv vorbei“, betonte Stark.

Unterschiede in politischer Kultur

Der Politikwissenschaftler betonte auch die Unterschiede in der Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung der beiden Länder. „In Deutschland ist es sehr schwer Entscheidungen zu treffen“ sagte Stark und wies darauf hin, dass jede Entscheidung die Zustimmung von drei Koalitionspartnern bedarf, bevor sie in jedem Bundesland noch einmal verhandelt wird. „Im Gegensatz dazu, werden die Entscheidungen in Frankreich sehr schnell gefällt“, stellte er fest.

Laut der zwei politischen Experten, ist der ernsthafteste Streitpunkt während der Krise, der Zusammenbruch der strategischen Partnerschaft, zwischen den Energiegiganten Siemens und Areva. Siemens entschied kürzlich, die Kooperation mit Areva zu beenden und verkündete gestern, dass sie einen Vertrag mit der russischen Firma Rosatom unterzeichnen werden, um ein atomares Partnerprogramm in Russland zu etablieren. Für Grosser, beleuchtet dies große Unterschiede in den Meinungen über Atomenergie in den beiden Ländern.