Franco-Gedenkfeier zum 50. Todestag sorgt für Zündstoff in Spanien
Im November jährt sich der Todestag des spanischen Diktators Francisco Franco zum 50. Mal. Zahlreiche Gedenkveranstaltungen sind geplant. Ein halbes Jahrhundert nach seinem Ableben sorgt Francos politisches Erbe immer noch für Diskussionsstoff.
Im November jährt sich der Todestag des spanischen Diktators Francisco Franco zum 50. Mal. Zahlreiche Gedenkveranstaltungen sind geplant. Ein halbes Jahrhundert nach seinem Ableben sorgt Francos politisches Erbe immer noch für Diskussionsstoff.
Rund 100 Veranstaltungen sollen zum 50. Todestag des spanischen Diktators Francisco Francos abgehalten werden. Die sozialdemokratische Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez (PSOE/S&D) soll das dichte Programm organisieren und leiten.
Fast vier Jahrzehnte lang hat General Franco hat Spanien nach dem Bürgerkrieg (1936–1939) diktatorisch regiert. Sein autoritäres Regime war durch Repression, Zensur und die Unterdrückung politischer Gegner gekennzeichnet. Im spanischen Bürgerkrieg, den er durch einen Militärputsch mit verursacht hatte, führte er die nationalistischen Kräfte, die „Nationalisten“ an. Sie besiegten die demokratischen „Republikaner“ der Zweiten Spanischen Republik mit Unterstützung von Nazi-Deutschland und dem faschistischem Italien. Franco war 1975 im Alter von 82 Jahren verstorben.
Modernisierung versus Politisierung
Die geplanten Feierlichkeiten haben die ohnehin polarisierte politische Landschaft Spaniens erneut gespalten: Einige sehen darin einen entscheidenden Schritt zur Modernisierung des Landes. Stimmen aus dem konservativen und rechten Spektrum hingegen sind der Überzeugung, die Regierung habe die Ereignisse zu ihren Gunsten „politisiert“.
„Es [eine Diktatur] kann wieder geschehen, und man muss nicht einer bestimmten Ideologie angehören, um mit großer Trauer und Schrecken auf die dunklen Jahre des Franco-Regimes zurückzublicken und zu befürchten, dass sich dieser Rückschritt wiederholt“, sagte Sánchez, wie der spanische öffentlich-rechtliche Rundfunk RTVE berichtete.
Francos Tod im Jahr 1975 leitete einen komplexen demokratischen Wandel in Spanien ein. Im Juni 1977 wurden die ersten freien Wahlen im Land seit 1936 abgehalten. Ein Jahr später, am 6. Dezember 1978, gab es ein Referendum zur Verabschiedung der Verfassung.
Nur drei Jahre später kam es zum Militärputsch Franco-treuer Kräfte, die die junge spanische Demokratie beenden wollten – und scheiterten. Die Bilder des Staatsstreichs vom 23. Februar 1981 sind Millionen Spaniern noch frisch im Gedächtnis. Damals hatte Oberstleutnant Antonio Tejero, bewaffnet mit einer Pistole, und eine Gruppe von Zivilgardisten das Parlamentsgebäude in Madrid gestürmt.
Francos schwieriges politisches Erbe
Die Gedenkfeier sei ein Versuch der regierenden Sozialdemokraten, von den jüngsten internen Spaltungen abzulenken. Das behaupten sowohl die konservative Haupt-Oppositionspartei Partido Popular (PP/EPP) als auch die rechtspopulistische Vox (Patriots for Europe), die drittgrößte Partei in Madrid.
Aus Protest lehnten beide Parteien die Einladung zur Teilnahme ab.
Am Mittwoch kritisierte Vox-Sprecher José Antonio Fúster die „absurde Nekrophilie“ der spanischen Regierung. Er beklagte den „revanchistischen Eifer“ von Ministerpräsident Sánchez, eine „einzige“ Sichtweise auf die Vergangenheit durchsetzen zu wollen.
In einem Aufruf zur Harmonie forderte Ángel Víctor Torres (PSOE), Minister für Kommunalpolitik und demokratisches Gedenken, die Volkspartei (PP) auf, sich am „kollektiven Erfolg“ zu beteiligen. So sollen diejenigen geehrt werden, die es möglich gemacht haben, und jungen Menschen nahe gebracht werden, was das Fehlen von Demokratie bedeutet.
Die Regierungssprecherin Pilar Alegría (PSOE) kritisierte die geplante Abwesenheit der Partido Popular bei den offiziellen Veranstaltungen. Sie verstehe nicht, warum die spanische Konservative ein solches Problem mit der Geschichte im Zusammenhang mit der Diktatur habe, sagte sie.
Als ein Versuch die Wunden der Vergangenheit zu heilen, hat Spanien 2007 ein Gesetz verabschiedet, dass die Opfer auf beiden Seiten des Bürgerkriegs (1936-1939) sowie die Opfer der Unterdrückung durch die Franco-Diktatur anerkennt.
Das Gesetz wurde 2022 durch das „Gesetz der demokratischen Erinnerung“ ersetzt, das unter anderem auf die geschichtliche Aufarbeitung abzielt. Außerdem soll das Gedenken an die Opfer des Spanischen Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur durch Initiativen wie eine Volkszählung der Opfer oder die Entfernung alter Symbole der Diktatur bewahrt werden.
Die alten Wunden wurden im Oktober 2019 wieder aufgerissen, als die sterblichen Überreste Francos exhumiert wurden. Die Exhumierung zählt zu einer der umstrittensten Entscheidungen der letzten Jahre.
[Bearbeitet Victoria Becker]