Forschung und NGOs einig: Mit europäischem Delfin-Projekt wird "wertvolle Zeit" verschwendet
Frankreich, Spanien und Portugal haben am 15. März das gemeinsame Meeresprojekt Cetambicion zum Schutz von Wal- und Delfintieren im Golf von Biskaya gestartet. Forscherinnen und Forscher sowie NGOs kritisieren jedoch, dies sei nichts als Verschwendung "wertvoller Zeit".
Frankreich, Spanien und Portugal haben am 15. März das gemeinsame Meeresprojekt Cetambicion zum Schutz von Wal- und Delfintieren im Golf von Biskaya gestartet. Forscherinnen und Forscher sowie NGOs kritisieren jedoch, dies sei nichts als Verschwendung „wertvoller Zeit“. EURACTIV Frankreich berichtet.
Das Cetambicion-Projekt zielt darauf ab, „gemeinsame wissenschaftliche Arbeit zu leisten und sich über zukünftige europäische Maßnahmen auszutauschen“, um schlussendlich „das Stranden von Meeressäugern an der Golfküste“ zu reduzieren.
Allerdings, so die Vorsitzende von Sea Shepherd Frankreich, Lamya Essemlali, „haben wir bereits die Fischerei, die für Beifänge und Verletzungen verantwortlich ist, [als Problem] identifiziert. Wir haben bereits eine recht genaue Vorstellung von den entsprechenden Meereszonen. Das Seeministerium vergeudet also wertvolle Zeit.“
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Auch aus Sicht der Forschenden des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) und von Meeresschutzverbänden ist die Zeit der Forschung vorbei: Für das Gebiet La Rochelle stellte das Pelagis-Observatorium beispielsweise fest, dass „im Golf von Biskaya die Situation der durch Fischerei verursachten Delfinstrandungen seit 2016 besonders kritisch ist“. Im Winter 2019 allein seien rund 11.500 Gemeine Delfine tot an der Küste aufgefunden worden.
Laut der Sea-Shepherd-Chefin ist die Situation überaus dringlich: „Die ICES-Forschenden haben ihre Erkenntnisse und Empfehlungen bereits mit allen europäischen Ländern geteilt. Frankreich, Spanien und Portugal müssen also nur noch den Empfehlungen folgen, die bereits ausgesprochen wurden und die überaus eindeutig sind.“
Um das Aussterben weiterer Tierarten zu verhindern und den Delfinen mehr Raum zu geben, hat der ICES empfohlen, die Fischereizonen für drei Monate im Winter und einen Monat im Sommer zu „schließen“ und die Fischerei dort während dieser Zeiträume zu untersagen.
Ungewollter „Beifang“
Ein großes Problem ist aus Sicht der Forschung der unbeabsichtigte Beifang und die Verletzung der Tiere, insbesondere durch Trawler und kleine Fischerboote.
Die französische EU-Parlamentsabgeordnete Catherine Chabaud (Renew Europe), die das Pelagis-Observatorium kürzlich besuchte, stellte dabei fest: „Die Wunden der Waltiere, die versehentlich mitgefangen wurden, sind nicht die gleichen wie die, die angefahren wurden“.
Tausende Tiere würden entweder von den Booten verletzt oder „von den Netzen regelrecht aufgeschlitzt“, so auch Essemlali.
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Delfine, Barsche und Seehechte fressen dieselben Fischarten und sind daher oft in denselben Gebieten anzutreffen. Wenn Trawler auf die Jagd nach Barschen und Seehechten gehen, verfangen sich die Delfine daher oftmals in den Netzen der Fischer. Da sie somit nicht an die Wasseroberfläche kommen können, um zu atmen, sterben sie.
Gegenmaßnahmen, darunter Kameras auf den Booten, die es erleichtern sollen, den Behörden ungewollte Beifänge oder Verletzungen zu melden, wurden bereits eingeführt.
Die Fischer nehmen es diesbezüglich jedoch nicht so genau, kritisiert Essemlali: „Sie halten sich einfach nicht an die Regelungen und geben die entsprechenden Meldungen [über tote oder verletzte Delfine] nicht ab – obwohl die Meldungen sowohl verpflichtend als auch vor allem anonym sind.“
Die Zahlen sprechen tatsächlich eine eindeutige Sprache: „Es gab 11.300 getötete Delfine im Jahr 2019 – und ganze sieben Meldungen,“ so die Aktivistin.
Sea Shepherd hat am vergangenen Dienstag (23. März) daher eine Petition bei Frankreichs höchster juristischer Instanz, dem Staatsrat, vorgelegt. Darin wird Klage erhoben: Die Untätigkeit des französischen Meeresministeriums verstoße gegen das allgemeine Grundrecht auf Zugang zu einer gesunden Umwelt.
[Bearbeitet von Benjamin Fox und Tim Steins]
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