Forscher wollen EU-Bürokratie entschlacken
EU-Forschungsförderung zu beantragen, kann kompliziert werden. 80 Prozent der Bewerbungen scheitern. Wer Mittel erhält, muss die Verwendung bis ins kleinste Detail dokumentieren. Mehr als 13.000 europäische Forscher fordern nun mehr Vertrauen und weniger Bürokratie bei der Mittelvergabe. Die Kommission verweist auf Erleichterungen.
EU-Forschungsförderung zu beantragen, kann kompliziert werden. 80 Prozent der Bewerbungen scheitern. Wer Mittel erhält, muss die Verwendung bis ins kleinste Detail dokumentieren. Mehr als 13.000 europäische Forscher fordern nun mehr Vertrauen und weniger Bürokratie bei der Mittelvergabe. Die Kommission verweist auf Erleichterungen.
Die europäische Initiative "Trust Researchers" hat Herbert Reul (CDU), dem Vorsitzenden des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie im EU-Parlament, gestern eine Erklärung zur Entbürokratisierung der EU-Forschungsförderung übergeben. Unterschrieben haben mehr als 13.000 Forscherinnen und Forscher. Aus Deutschland beteiligen sich etwa 1.400 Wissenschaftler an der Initiative.
In der Erklärung heißt es: "Die europäische Forschungsförderung sollte auf Vertrauen und verantwortungsvoller Zusammenarbeit beruhen. Wir sind mit zu viel Bürokratie und schwerfälligen finanziellen Regelungen konfrontiert".
Die EU-Kommission verweist in einer Mitteilung (4. Mai 2010) darauf, die Verfahren seien bereits vereinfacht worden (Zusammenfassung). Weitere Verbesserungsvorschläge wurden in einer öffentlichen Konsultation Ende 2009 zusammengetragen. Zugleich skizziert die Behörde mögliche Optionen für eine "ergebnisorientierte" Förderung, auch ein Konzept mit einem "hohem Vertrauensvorschuss", bei dem vorab festgelegte Pauschalbeträge je Projekt ohne weitere Kontrolle durch die Kommission verteilt werden. Nach der Auswahl würde die Finanzhilfe als Pauschalbetrag ohne weitere finanzielle oder wissenschaftliche Überprüfung durch die Kommission vergeben. "Dieses Konzept setzt großes
Vertrauen voraus und ist mit hohen Risiken verbunden.", heißt es von Seiten der Kommission.
Herbert Reul nahm die "Trust Researchers"-Erklärung entgegen und schloss sich den Forderungen an: "Die Förderphilosophie muss weg von der Erbsenzählerei hin zur Ergebnisorientierung. Forschung und Innovation erfordern auch Risikobereitschaft."
Das aktuelle EU-Forschungsrahmenprogramm (2007 bis 2013) stellt insgesamt 52 Milliarden Euro Förderungsmittel bereit. Nur 20 Prozent der Anträge werden im Schnitt bewilligt (6.000 von 30.000 im Jahr). Anträge scheitern nicht nur aufgrund inhaltlicher Fragen, sondern vielfach wegen Formfehlern. Auch im laufenden Betrieb verursacht die Förderung einen hohen Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand. Begründet wird die Bürokratie mit der Sorge vor Mittelverschwendung.
"Viel zu viel Zeit und Geld geht für die Verwaltungsbürokratie drauf", so Reul. "Das hält letztlich auch zu viele Forscherinnen und Forscher davon ab, sich um EU-Mittel zu bewerben."
Ein Ziel des aktuellen Rahmenprogramms ist die Förderung von Innovationen zugunsten kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Derzeit beginnt die Debatte um das 8.Forschungsrahmenprogramm ab 2014.
awr
Links / Dokumente
Trust Researchers: Internetseite
EU-Kommission: Vereinfachung der Durchführung von Forschungsrahmenprogrammen. Mitteilung. (4. Mai 2010).
EU-Kommission: Übersicht zum Forschungsrahmenprogramm