Finnland will Entschädigung von Deutschland für mögliche Verstaatlichung Unipers

Finnland werde eine Verstaatlichung des deutschen Energieunternehmens Uniper nicht ohne Entschädigung akzeptieren, betonte die Ministerin für Europaangelegenheiten Tytti Tuppurainen am Mittwoch (14. September).

EURACTIV.com
Heyden hard-coal-fired power plant in Germany back on the grid
Die wortkarge Ministerin äußerte sich kurz zu dem Thema, nachdem sowohl Bloomberg als auch Reuters unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen berichtet hatten, dass der deutsche Staat seinen Anteil an Uniper erhöhen könnte und sogar eine vollständige Verstaatlichung im Gespräch sei. [[EPA-EFE/SASCHA STEINBACH]]

Finnland werde eine Verstaatlichung des deutschen Energieunternehmens Uniper nicht ohne Entschädigung akzeptieren, betonte die Ministerin für Europaangelegenheiten Tytti Tuppurainen am Mittwoch (14. September).

Die wortkarge Ministerin äußerte sich kurz zu dem Thema, nachdem sowohl Bloomberg als auch Reuters unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen berichtet hatten, dass die Bundesrepublik ihren Anteil an Uniper erhöhen könnte und sogar eine vollständige Verstaatlichung im Gespräch sei. Später bestätigte Uniper die laufenden Verhandlungen.

Derzeit hält der deutsche Staat gemäß eines im Juli unterzeichneten Rettungspakets 30 Prozent an dem Energieriesen. Fortum, Finnlands größtes Energieunternehmen, das mit 56 Prozent an dem deutschen Unternehmen beteiligt ist, kommentierte die Entwicklung lediglich mit der Aussage, dass die Gespräche mit seiner Tochtergesellschaft und der deutschen Regierung fortgesetzt werden, um eine langfristige Lösung zu finden.

Das finnische Unternehmen hatte Uniper im Jahr 2017 für rund sieben Milliarden Euro gekauft. Am Mittwoch wurde der Wert von Uniper auf rund 1,6 Milliarden Euro geschätzt. Die Bank Credit Suisse, die am Donnerstag von Helsingin Sanomat zitiert wurde, schätzte, dass sich die Verluste von Uniper aufgrund des russischen Energiekriegs zuletzt auf rund 130 Millionen Euro täglich beliefen. Die Aktien des Unternehmens haben seit Anfang des Jahres 90 Prozent ihres Wertes verloren.

Das Interesse von Fortum und des finnischen Staates, der 51 Prozent des Unternehmens hält, besteht darin, zumindest die Darlehen und Garantien in Höhe von acht Milliarden Euro zurückzuerhalten, die sie Uniper zu Beginn dieses Jahres gewährt hatten. Im schlimmsten Fall stünde die Solvenz von Fortum auf dem Spiel.

Vesa Puttonen, Professor für Finanzen an der Aalto-Universität und einer der bekanntesten Analysten des Landes, sagte am Donnerstag in der Zeitung Uusi Suomi: „Uniper ist für Deutschland systematisch so wichtig, dass man nicht zulassen kann, dass das Unternehmen bankrott geht. Wenn Deutschland das Unternehmen retten will, muss es früher oder später in Staatsbesitz übergehen. Das ist nur eine Frage der Zeit.“

Seiner Meinung nach wäre das beste Ergebnis, dass Fortum die investierten Mittel zurückerhält und dann die profitablen Teile von Uniper aufkauft.