Finnische Industrie will bis Herbst unabhängig von russischen Energieimporten werden
Sowohl die finnische Regierung als auch die Industrie sind entschlossen, sich baldmöglichst von russischer Energieimporten unabhängig zu machen. Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit den von Russland begangenen Kriegsverbrechen.
Sowohl die finnische Regierung als auch die Industrie sind entschlossen, sich baldmöglichst von russischen Energieimporten unabhängig zu machen. Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit den von Russland begangenen Kriegsverbrechen.
Finnland führt jährlich Rohöl und Erdölerzeugnisse im Wert von rund 3,5 Milliarden Euro aus Russland ein. Der Anteil des Rohöls beläuft sich auf etwa 2,7 Milliarden Euro, wovon 91 Prozent aus Russland stammen.
Das Ölraffinerie- und Marketingunternehmen Neste Corporation hat bekannt gegeben, dass es bis Anfang April 85 Prozent des aus Russland importierten Öls durch andere Lieferanten ersetzt hat.
Es werden keine neuen Verträge mit Russland abgeschlossen, und die bestehenden Verträge laufen Ende dieses Jahres aus, erklärte das Unternehmen. Der größte Einzelaktionär von Neste ist die finnische Regierung, die 35,91 Prozent der Anteile hält. Neste ist derzeit in vierzehn Ländern tätig.
Anfang April kündigten die drei baltischen Staaten an, kein Erdgas mehr aus Russland zu importieren. Finnland beabsichtigt, diesem Beispiel zu folgen. Im Jahr 2020 kamen 65 Prozent des nach Finnland importierten Erdgases aus Russland. Ein kleinerer Teil wird über die Balticconnector-Pipeline aus Estland bezogen.
Der Anteil von Erdgas am finnischen Energiemix beträgt nur 6 Prozent. Es wird hauptsächlich von der Industrie und nicht von den Haushalten genutzt. Das könnte eine Umstellung auf andere Energieträger politisch etwas einfacher gestalten. Nach Angaben des finnischen Verbands der Energiewirtschaft kann russisches Gas bis zum nächsten Herbst vollständig ersetzt werden.
Das Gleiche gilt für importierten Kernbrennstoff und russische Holzspäne, die in Heizwerken verwendet werden. Hackschnitzel können in Finnland hergestellt werden, und Kernbrennstoff gibt es auch anderswo auf der Welt, sagte Jari Kostama vom Verband der finnischen Energiewirtschaft in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung Kauppalehti.
Die Verwendung von Kohle in der Energieerzeugung ist ab 2029 gesetzlich verboten. Derzeit stammt etwa die Hälfte der Kohle aus Russland. Ein Importstopp sei laut Expert:innen jedoch kein Problem. Kohle lässt sich problemlos über größere Distanzen transportieren, ihr Einsatz ist allerdings umstritten.
Am Dienstag (5. April) versuchte Greenpeace, Arbeiter:innen im Hafen von Helsinki daran zu hindern, Kohle von einem aus Russland kommenden Schiff zu entladen.