Finanzierungsvorschlag für Kernfusionsprojekt ITER
Ungenutzte EU-Mittel und Gelder aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm sollen das Kernfusionsprojekt ITER retten. Die zuständigen Kommissare sind sich sicher: "Der ITER kann für die Zukunft eine sichere, umweltfreundliche und unerschöpfliche Energiequelle darstellen."
Ungenutzte EU-Mittel und Gelder aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm sollen das Kernfusionsprojekt ITER retten. Die zuständigen Kommissare sind sich sicher: „Der ITER kann für die Zukunft eine sichere, umweltfreundliche und unerschöpfliche Energiequelle darstellen.“
Die Europäische Kommission hat einen neuen Finanzierungsvorschlag für das strauchelnde Kernfusionsprojekt ITER vorgelegt. Aus dem siebten Forschungsrahmenprogramm könnten 100 Millionen Euro 2012 und 360 Million Euro 2013 verwendet werden, teilte die Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Möglich sei auch eine Umleitung ungenutzter EU-Mittel in Höhe von insgesamt fast einer Milliarde Euro. Europaparlament und Mitgliedstaaten müssen den Vorschlägen noch zustimmen.
Die EU-Kommissare Janusz Lewandowski (Haushalt) und Máire Geoghegan-Quinn (Forschung), erklärten: "Der ITER kann für die Zukunft eine sichere, umweltfreundliche und unerschöpfliche Energiequelle darstellen. Dies ist ein enormer Vorteil, vor allem, wenn man berücksichtigt, dass die EU 2008 im Energiebereich ein Handelsdefizit von fast 400 Milliarden Euro zu verzeichnen hatte." Daher müsse sich die EU trotz der aktuellen Finanzierungsschwierigkeiten zukunftsorientiert und entschlossen zeigen und ihren internationalen Verpflichtungen im Zusammenhang mit diesem Projekt nachkommen.
Das ITER-Projekt steht in der Kritik. Deutschland solle sofort aus dem Kernfusionsprojekt ITER aussteigen, fordert der Kernphysiker und Greenpeace-Experte Heinz Smital im EURACTIV.de-Interview. Die Politik versenke "sinnlos" Geld in einer Technologie, die ihre Verheißungen nicht erfüllen könne.
Kostenexplosion und Kritik
Auch die Grünen setzen sich für ein Ende der Förderung ein (EURACTIV.de vom 13. Juli 2010). "Mehrere Studien haben in diesem Jahr gezeigt, dass erneuerbare Energien bis 2050 den gesamten Energiebedarf der EU decken können. Die Atomfusion wird bis dahin nicht kommerziell betrieben werden, sie ist somit irrelevant für die europäische Energiezukunft", so Rebecca Harms, Vorsitzende der Grünen/EFA-Fraktion im EU-Parlament.
Die ursprünglich angesetzten Kosten für ITER allein aus EU-Kassen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro haben sich mehr als verdoppelt. In Frankreich wollen Wissenschaftler ab 2020 in dem Fusionsreaktor die Sonne imitieren und damit die Energieprobleme der Zukunft lösen. ITER-Projektpartner sind die EU als Hauptfinanzier sowie die USA, Russland, China, Japan, Indien und Südkorea.
Die Kommission will jetzt mit ihrem Finanzierungsvorschlag in die Verhandlungen des ITER-Ratstreffens am 27. und 28. Juli gehen.
dpa/awr
EURACTIV.de: ITER – "Kernfusionsforscher blenden die Politik" (15. Juni 2010)
Links / Dokumente / Download
EU-Kommission: Kommission schlägt Finanzierungsplan für ITER vor. Pressemitteilung (20. Juli 2010)
EU-Kommission: ITER: aktueller Stand und Zukunftsperspektiven. Mitteilung (4. Mai 2010)
Rat: Tagung des Rates Wettbewerbsfähigkeit (Binnenmarkt, Industrie und Forschung) (26. Mai 2010)
ITER: Internetseite
bundeskanzlerin.de: Videoblog zur Kernfusion – "Die Zukunft der Energie" (30. Januar 2010) 