Fauxpas in EU-Broschüre: Griechische Inseln fälschlich der Türkei zugeordnet

Ein Kommissionssprecher sprach von einem „bedauerlichen technischen Fehler“ und erklärte, die Publikation sei umgehend von allen Onlineplattformen zurückgezogen worden, bis eine korrigierte Fassung vorliegt.

EURACTIV.com
[Photo by Ali Balli/Anadolu Agency via Getty Images]

Eine Broschüre der EU-Kommission, in der eine Karte Griechenlands östlicher Ägäis- und Dodekanes-Inseln als zu Türkei gehörend dargestellt wurde, hat in Athen heftige Reaktionen ausgelöst.

Der Vorgang ist besonders sensibel, da Athen und Ankara seit Langem über die Seehoheitszonen in der Ägäis im Streit liegen. Beide Länder beanspruchen Teile der Gewässer, in denen erhebliche Energie­vorkommen vermutet werden.

In der jährlich erscheinenden Kommissionsbroschüre „Let’s explore Europe!“, die allgemeine Informationen über die EU bietet, war eine Europakarte abgedruckt, auf der die Ägäisinseln in türkischen Farben markiert waren.

Ein Kommissionssprecher sprach von einem „bedauerlichen technischen Fehler“ und erklärte, die Publikation sei umgehend von allen Onlineplattformen zurückgezogen worden, bis eine korrigierte Fassung vorliegt.

Auf die Frage nach der Verantwortung verwies der Sprecher darauf, dass mehrere Teams an der Erstellung derartiger Materialien beteiligt seien. Interne Abläufe würden nun überprüft.

„Unsere Dienste verfügen über robuste Systeme, um Fehler zu vermeiden. Wenn dennoch Fehler passieren, werden sie umgehend behoben und interne Prozesse überprüft, damit sie sich nicht wiederholen – wie in diesem bedauerlichen Fall“, so der Sprecher.

In Griechenland sorgt der Vorfall dennoch für Empörung. Das griechische Außenministerium legte bei der Generaldirektorin Kommunikation der Kommission, Dana Spinant, Protest ein. Diese entschuldigte sich laut griechischen Regierungskreisen und versicherte Athen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholen werde.

Am Freitag deutete der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis an, dass der strategische Dialog mit Ankara Anfang 2026 wieder aufgenommen werden könnte.

Türkische Diplomaten hatten Euractiv zuvor signalisiert, dass Ankara weiterhin bereit sei, offene Fragen mit Griechenland zu erörtern – was trotz der jüngsten Spannungen vorsichtigen Optimismus für eine Wiederaufnahme bilateraler Gespräche nährt.

(jl)