Fariñas erhält Sacharow-Preis des EU-Parlaments
Das EU-Parlament würdigt den kubanischen Dissidenten Guillermo Fariñas mit dem Sacharow-Preis. Für seinen Widerstand hat Fariñas über 11 Jahre im Gefängnis verbracht.
Das EU-Parlament würdigt den kubanischen Dissidenten Guillermo Fariñas mit dem Sacharow-Preis. Für seinen Widerstand hat Fariñas über 11 Jahre im Gefängnis verbracht.
Der kubanische Dissident Guillermo Fariñas wird mit dem Sacharow-Preis des EU-Parlaments geehrt. Der 48-Jährige Fariñas hat im Juli 2010 einen viereinhalbmonatigen Hungerstreik beendet, nachdem die kubanische katholische Kirche die Freilassung von 52 eingesperrten Regimekritikern bekanntgegeben
hatte. Seine Gesundheit ist durch vielfache Hungerstreiks stark geschwächt. Nach Ansicht von Ärzten ist er mehrmals nur knapp dem Tod entgangen. Anlass für den Hungerstreik war der Tod des Dissidenten Orlando Zapata. Dieser war nach 83-tägigem Hungerstreik in der Haft gestorben.
Das EU-Parlament würdigt Fariñas Kampf gegen die "Unterdrückung der freien Meinungsäußerung in Kuba". Der 48 Jahre alte Doktor der Psychologie ist als unabhängiger Journalist tätig und hat bereits mit 23 Hungerstreiks für Freiheit und Menschenrechte protestiert. Der Preis wird ihm am 15. Dezember in Straßburg berliehen. Unklar ist noch, ob Fariñas den Preis persönlich entgegen nehmen kann.
Für seinen Widerstand hat Fariñas über 11 Jahre im Gefängnis verbracht. Der spanische Sozialdemokrat José Ignacio Salafranca würdigte den kubanischen Dissidenten als jemanden, der seinen Protest nicht im eigenen Interesse kundtut, sondern für viele andere Menschen einsteht, die sich in einer noch viel schwierigeren Situation befinden als er selbst.
Mit der Verleihung sendet die EU ein deutliches Signal an Kuba, die Menschenrechte zu achten. Kubanische Oppositionelle begrüßten die Würdigung.
Hintergrund
Der russische Atomphysiker Andrej Sacharow war maßgeblich an der Entwicklung der sowjetischen Wasserstoffbombe beteiligt. Doch in der Folge warnt er immer eindringlicher vor den Gefahren von Rüstungswettlauf und Atomwaffentests. In den 1970er und 1980er Jahren macht er sich einen Namen als Dissident, der unbeugsam für Demokratie und Menschenrechte in der UdSSR eintritt. 1988, ein Jahr vor seinem Tod, vergibt das Europaparlament erstmals einen Menschenrechtspreis, der seinen Namen trägt.
Sacharow wurde 1921 in Moskau als Sohn eines Physiklehrer geboren; in den 40er Jahren studierte er selbst Physik. 1948 wurde er gemeinsam mit anderen sowjetischen Wissenschaftlern mit der Entwicklung von Atom- und Wasserstoffwaffen betraut.
In den späten 50er Jahren kommen Sacharow zunehmend Bedenken, was die Konsequenzen seiner Forschung und ihrer militärisch-politischen Verwendung angeht.
Sacharow plädiert in der Folge für die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen und setzt sich im Gespräch mit den Machthabern, aber auch öffentlich, für das Ende der Atomwaffentest ein und warnt vor der hohen Zahl von Todesopfern, die überirdische Tests langfristig haben würden.
Im Juli 1968 veröffentlichte er seine Gedanken über Fortschritt, friedliche Koexistenz und geistige Freiheit. Die Freiheit des Denkens sei notwendige Voraussetzung für einen demokratischen und wissenschaftlichen Ansatz für Politik, Wirtschaft und Kultur, schrieb Sacharow.
Red.
Links
EU-Parlament: Sacharow-Preis 2010