EZB-Präsidentin Lagarde: EU muss globale Rolle des Euro ausbauen

„Der Euro kann mehr sein als die Währung eines Kontinents und ein Symbol der Einheit“, sagte sie. „Er kann zu einem globalen Anker des Vertrauens werden.“ Europas Entscheidungsträger müssten nun dazu beitragen, „diese Vision, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen“.

EURACTIV.com
[Photo by Philipp von Ditfurth/picture alliance via Getty Images]

Die Europäische Union müsse „ihre Hausaufgaben machen“ und die einzigartige Chance ergreifen, die globale Rolle des Euro auf Kosten des US-Dollars zu stärken, mahnte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Montag.

Vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments erklärte die EZB-Chefin am Montagabend, die aktuelle geopolitische Instabilität biete den politischen Entscheidungsträgern der EU eine „einzigartige Gelegenheit, die Rolle des Euro auf der Weltbühne zu festigen“.

„Die Welt befindet sich im Umbruch“, so Lagarde weiter. „Geopolitische Verschiebungen und wachsende politische Unsicherheit führen uns vor Augen, dass keine Währung einen globalen Status auf Dauer gepachtet hat. Er muss immer wieder neu verdient werden.“

Die Aussagen kommen vor dem Hintergrund, dass US-Präsident Donald Trump mit umfassenden Strafzöllen und Angriffen auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed erhebliche Verunsicherung an den Finanzmärkten ausgelöst hat. Investoren zweifeln zunehmend an der Zukunft des US-Dollars, der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs das internationale Finanzsystem dominiert.

Der Dollar hat seit Jahresbeginn rund zwölf Prozent gegenüber dem Euro verloren, da Anleger angesichts der politischen Unsicherheit in den USA ihre Bestände an Dollar-Vermögenswerten abbauen, um Risiken zu begrenzen.

Trotz dieser Schwäche hält der Greenback weiterhin einen Anteil von rund 60 Prozent an den weltweiten Devisenreserven – deutlich vor dem Euro mit etwa 20 Prozent. Andere Währungen, darunter der chinesische Renminbi, spielen mit rund zwei Prozent nach wie vor nur eine Nebenrolle.

Zahlreiche nicht-westliche Staaten – darunter die sogenannten BRICS-Staaten mit China und Russland – versuchen seit Jahren, das globale Zahlungssystem zu „entdollarisieren“. Trumps Drohungen, auf entsprechende Schritte mit Strafzöllen von bis zu 100 Prozent zu reagieren, haben diesen Trend bislang kaum gebremst.

Ein stärker global verankerter Euro würde es Unternehmen, Haushalten und Regierungen im 20-Länder-Währungsraum ermöglichen, zu günstigeren Konditionen Kapital aufzunehmen, erklärte Lagarde. Ähnlich wie die USA seit Jahrzehnten vom weltweiten Vertrauen in den Dollar profitieren, das ihnen trotz wachsender Haushaltsdefizite dauerhaft niedrige Zinsen beschert.

Damit das gelingt, müsse Europa jedoch „seine Hausaufgaben machen und seine Grundlagen stärken“ – durch die Vollendung der Kapitalmarktunion, den Schutz der Unabhängigkeit der Zentralbanken, den Ausbau des Handels mit Drittstaaten, die Entwicklung eines „digitalen Euro“, der nicht von US-Zahlungsinfrastrukturen abhängt, sowie durch die Schaffung eines „sicheren und liquiden Pools europäischer Staatsanleihen“, so Lagarde.

„Der Euro kann mehr sein als die Währung eines Kontinents und ein Symbol der Einheit“, sagte sie. „Er kann zu einem globalen Anker des Vertrauens werden.“ Europas Entscheidungsträger müssten nun dazu beitragen, „diese Vision, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen“.

(mm, jl)