EZB-Kandidat Stark sagt Inflation den Krieg an [DE]

Jürgen Stark, Kandidat für eine offene Stelle im EZB-Direktorium, hat sich vor dem Europäischen Parlament als unnachgiebiger Inflationsbekämpfer und scharfer Kritiker der Währungspolitik der Mitgliedstaaten gegeben.

Jürgen Stark, Kandidat für eine offene Stelle im EZB-Direktorium, hat sich vor dem Europäischen Parlament als unnachgiebiger Inflationsbekämpfer und scharfer Kritiker der Währungspolitik der Mitgliedstaaten gegeben.

Der derzeitige Bundesbankvizepräsident Jürgen Stark könnte seinen Landsmann Otmar Issing ersetzen und somit zum sechsten Mitglied des EZB-Direktoriums aufsteigen.  Ob Stark auch den Posten des Chefvolkswirts von Issing übernehmen wird, ist noch nicht entschieden.

In einer Erklärung vor den Mitgliedern des EP-Ausschusses für Wirtschaft und Währung im Vorfeld seiner Anhörung am 18. April 2006 sagte Stark, der Krieg gegen die Inflation hätte für ihn absolute Priorität.  Auf die Frage einiger Abgeordneter, weshalb die Inflationsrate im Euroraum innerhalb der letzten sechs Jahre die Zielvorgabe der EZB von unter 2 % überschritten habe, erwiderte Stark: „Angesichts der relativ schwachen wirtschaftlichen Entwicklung des Eurogebiets in dieser Zeit ist dies zunächst unbefriedigend”.  Stark sagte, dass dies dennoch nicht bedeuten würde, dass die EZB die Leitzinsen anheben müsse.  Er fügte hinzu, dass es hierfür auch keinen automatischen Reaktionsmechanismus gebe.

Die Parlamentarier kritisierten das Verhalten der EZB, inoffiziell vier Posten im EZB-Direktorium für Vertreter der vier größten Volkswirtschaften des Euroraumes – Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien – zu reservieren.  Einige von ihnen  fordern einen Beschluss des Parlaments, um hiergegen zu protestieren.  Dennoch hat sich der EZB-Rat zugunsten von Stark ausgesprochen.
Nach der Präsentation Starks hat der ECON-Ausschuss für eine Ernennung Starks gestimmt.  Diese Entscheidung muss nun von den Mitgliedern des Europäischen Parlaments bestätigt werden bevor Stark Issings Platz einnehmen kann.  Issing wird sich Ende Mai 2006 von seinem Posten zurückziehen.