EZB bringt Geldpolitik auf Klimakurs

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat entschieden, sowohl den Auswirkungen ihres eigenen Handelns auf den Klimawandel als auch den Auswirkungen des Klimawandels auf die Finanzstabilität mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

EURACTIV.com
epa10023893 Christine Lagarde, president of the European Central Bank (ECB) attends a monetary dialogue and public hearing by the European Committee on Economic and Monetary Affairs in Brussels, Belgium, 20 June 2022. Christine Lagarde will speak on the implications of the war in Ukraine for the ECB, as well as on the high and disparate inflation in the Eurozone.  EPA-EFE/OLIVIER HOSLET
Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), will die Klimarisiken genauer unter die Lupe nehmen. [[Olivier Hoslet / EPA-EFE]]

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat entschieden, sowohl den Auswirkungen ihres eigenen Handelns auf den Klimawandel als auch den Auswirkungen des Klimawandels auf die Finanzstabilität mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Die EZB befindet sich derzeit in einer wenig beneidenswerten Lage. Während die Bank versucht, die Fragmentierung der Eurozone einzudämmen, wird von ihr gleichzeitig erwartet, dass sie die Inflation eindämmt, obwohl sie auf beide Probleme nur einen sehr begrenzten Einfluss hat.

Krisen haben jedoch die unglückliche Eigenschaft, nicht zu warten, bis sie an der Reihe sind – und so erfordert auch die Bedrohung durch den Klimawandel Aufmerksamkeit, da sie sich immer stärker abzeichnet.

Mehr klimafreundliche Unternehmensanleihen

„Im Rahmen unseres Mandats unternehmen wir weitere konkrete Schritte, um den Klimawandel in unsere geldpolitischen Operationen einzubeziehen“, erklärte EZB-Präsidentin Christine Lagarde in einer am Montag (4. Juli) veröffentlichten Presseerklärung.

Konkret beschloss die EZB, Klimaaspekte in ihre Bestände an Unternehmensanleihen, in die von ihr als Sicherheiten gehaltenen Vermögenswerte und in ihre Risikobewertung einzubeziehen.

In Bezug auf den Bestand an Unternehmensanleihen kündigte die EZB an, dass sie die in ihrer Bilanz gehaltenen Anleihen von Unternehmen mit hoher Umweltverschmutzung auf Unternehmen mit einer besseren Klimabilanz „umschichten“ werde.

Die EZB und die nationalen Zentralbanken des Eurosystems planen, dies durch die Reinvestition von Unternehmensanleihen zu erreichen, die in den kommenden Monaten und Jahren, beginnend im Oktober 2022, fällig werden.

Finanzielle Risiken vermindern

Einen weiteren Hebelpunkt sieht die EZB in den Sicherheiten, die Finanzinstitute stellen müssen, wenn sie Geld von der Zentralbank erhalten.

Künftig wird der Anteil der von Unternehmen mit hohem CO2-Fußabdruck ausgegebenen Vermögenswerte, die von den Geschäftspartnern verpfändet werden können, begrenzt.

Dieser Schritt zielt darauf ab, klimabedingte Finanzrisiken zu verringern, indem beispielsweise ein plötzlicher Preisverfall von Vermögenswerten aufgrund von gestrandeten Vermögenswerten verhindert wird, der die Stabilität des Eurosystems untergraben würde.

Außerdem werden die Zentralbanken ab 2026 nur noch Sicherheiten von Unternehmen und Schuldner:innen akzeptieren, die die EU-Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) einhalten. Die EZB hofft, dass die Vorgabe Anreize für Unternehmen schaffen wird, die EU-Vorschriften einzuhalten.

Schließlich möchte die EZB ihre Kapazitäten zur Bewertung klimabezogener Themen stärken und stellt fest, dass „trotz der von den Rating-Agenturen bereits erzielten Fortschritte die derzeitigen Offenlegungsstandards noch nicht zufriedenstellend sind.“

Zivilgesellschaft fordert Maßnahmen gegen „Fossilflation“

Zwar ist die EZB die erste große Zentralbank, die solche klimarelevanten Schritte unternimmt, doch betont sie, dass „die Maßnahmen in vollem Einklang mit dem vorrangigen Ziel des Eurosystems stehen, die Preisstabilität zu gewährleisten.“

2021 hatte die EZB einen Klimaaktionsplan veröffentlicht, der mit der Ankündigung vom Montag fortgeführt wird.

Organisationen der Zivilgesellschaft haben die EZB seit langem aufgefordert, nicht nur die Auswirkungen ihrer Politik auf den Klimawandel, sondern auch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Finanzstabilität umfassender zu berücksichtigen. Sie begrüßten größtenteils die Ankündigung der EZB, forderten aber gleichzeitig, weiterzugehen.

„Die derzeitige, von fossilen Brennstoffen getriebene Inflation erfordert noch mutigere Maßnahmen“, sagte Stanislas Jourdan, Geschäftsführer der Interessengruppe Positive Money Europe, in einer Erklärung. Er argumentierte, dass die Ausweitung der Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz einen direkten Beitrag zum Preisstabilitätsmandat der EZB leisten werde.

Miatta Fahnbulleh, Geschäftsführerin der New Economics Foundation, argumentierte, dass die EZB „ein gezieltes grünes Kreditprogramm einführen sollte, das billige Mittel für die Nachrüstung von Häusern bereitstellt und Millionen von Familien hilft, ihre Energierechnungen zu senken.“

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]