Experten: Problembank HRE durchgefallen
Der verstaatlichte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate hat den Stresstest für 91 europäische Banken wohl nicht bestanden. Laut Finanzkreisen ist die Bank in einem der drei Szenarien durchgefallen. Die HRE war zuletzt mit 7,8 Milliarden Euro allein in Griechenland engagiert.
Der verstaatlichte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate hat den Stresstest für 91 europäische Banken wohl nicht bestanden. Laut Finanzkreisen ist die Bank in einem der drei Szenarien durchgefallen. Die HRE war zuletzt mit 7,8 Milliarden Euro allein in Griechenland engagiert.
Die HRE sei wohl in einem kombinierten Stresstest-Szenario durchgefallen, das die Folgen einer Verlangsamung der Konjunktur bei einem gleichzeitigen Abschlag auf Staatsanleihen simuliert, sagte eine mit dem Belastungstest vertraute Person aus der Branche am Montag. Zuvor hatte bereits die Nachrichtenagentur Bloomberg darüber berichtet. Die Bank selbst, die Bankenaufsicht BaFin und der Bankenrettungsfonds SoFFin wollte sich zum Abschneiden der HRE nicht äußern.
Wahrscheinlichster Kandidat?
Für manche Experten galt die Münchener Problembank als wahrscheinlichster deutscher Kandidat für ein negatives Stresstest-Ergebnis. Das Institut ist mit rund 80 Milliarden Euro bei den vier mit Haushaltsproblemen kämpfenden "PIGS"-Staaten Portugal, Irland, Griechenland und Spanien engagiert, allein in Griechenland war die HRE zuletzt mit 7,8 Milliarden Euro dabei. Auf die Staatsanleihen dieses Landes wird in dem Stress-Szenario der höchste Abschlag vorgenommen.
Das Ergebnis des Stresstests hat für die Bank allerdings in der Praxis kaum Relevanz. "Es war im Markt wohlbekannt, dass die HRE neues Kapital braucht", sagte ein mit der Lage vertrauter Investmentbanker. "Deshalb wird es auch keine größeren Wellen schlagen, wenn sie durchfällt".
"Wertmanagement" für faule Papiere
Die einst von der HVB abgespaltene HRE ist gerade dabei, toxische Wertpapiere und ganze Unternehmensbereiche im Volumen von bis zu 210 Milliarden Euro in eine große "Bad Bank" auszugliedern und sich damit von diesen Risiken zu trennen. Die Abwicklungsanstalt mit dem Namen "FMS Wertmanagement" ist zwar schon gegründet, die Übertragung der faulen Papiere ist aber erst für das zweite Halbjahr geplant.
Nach der Ausgliederung will der Bankenrettungsfonds SoFFin entscheiden, wie viele Milliarden an zusätzlichem Eigenkapital vom Staat der Immobilienfinanzierer noch braucht. Bisher hat sie 103,5 Milliarden Euro an Garantien und 7,7 Milliarden Euro an Eigenkapital bekommen.
EURACTIV / rtr
Links / Dokumente
Committee of European Banking Supervisors: Website
Committee of European Banking Supervisors: CEBS statement on key features of the extended EU-wide stress test (7. Juli 2010)
EURACTIV.de: Stresstest für 91 europäische Banken (8. Juli 2010)
EURACTIV.de: EU-Gipfel beschließt Bankenabgabe (17. Juni 2010)