Experten fordern radikalen Wandel in der EU-Innovationspolitk [DE]

Fünf Sachverständigengruppen haben ein gemeinsames Strategiepapier herausgebracht und fordern darin grundlegende Veränderungen bei der europäischen Innovationspolitik, nur wenige Wochen bevor der erste EU-Kommissar für Forschung und Innovation sein Amt antreten wird.

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Fünf Sachverständigengruppen haben ein gemeinsames Strategiepapier herausgebracht und fordern darin grundlegende Veränderungen bei der europäischen Innovationspolitik, nur wenige Wochen bevor der erste EU-Kommissar für Forschung und Innovation sein Amt antreten wird.

Mitglieder der fünf beratenden Gruppen fordern die EU dazu auf, ihre langfristigen Planungen „radikal zu verbessern” als Teil einer umfassend neuen Strategie zur Organisation von Forschung und Innovation. Bei einem von Science|Business ausgerichteten Seminar im Europäischen Parlament betonten die Experten fünf Schlüsselbereiche, wo es einen Konsens über eine Überarbeitung der F&E-Infrastruktur gibt.

„Die Welt hat sich verändert. Märkte sind global geworden. Wissenschaft ist ein zunehmend wettbewerbsorientiertes Unterfangen. Innovation ist dabei, zum wichtigsten Motor für Wachstum und Beschäftigung in der wachsenden wissensbasierten Wirtschaft zu werden. Aber in der Europäischen Union müssen viele der Politiken im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation radikal verbessert werden“, sagten die Gruppen in einer gemeinsamen Erklärung.

Sie wollen eine stärkere Ausrichtung von EU-Förderprogrammen auf Forschungen zu den „großen sozialen Herausforderungen”, vor denen Europa steht, darunter Klimaschutz, alternative Energien, Gesundheitsversorgung für eine alternde Bevölkerung, Sicherheit und Kohäsionspolitik.

Neue Netzwerke, Institutionen und Politiken für eine „offene Innovation” würden ebenfalls nötig sein, ebenso wie eine erhöhte Mobilität von Forschern und die Einführung eines EU-weiten Patentsystems.

Die Sachverständigengruppen – von denen vier ursprünglich von der EU-Exekutive ernannt wurden, während eine Gruppe unabhängig ist – sagten, dass Regierungen ihre Investitionen in höherer Bildung, Forschung und Innovation verstärken müssten, gerade in Zeiten öffentlicher Sparmaßnahmen.

Gesamtansatz für Forschung nötig

Vernetztes Denken und Koordinierung von Forschungsprogrammen zwischen Brüssel und den nationalen Regierungen seien nötig, um das bürokratische Fördersystem effizienter zu machen, so die Gruppen.

Schließlich ruft die Konsenserklärung zu einem offenen Wettbewerb zwischen europäischen Programmen auf, um die Standards in der Union zu erhöhen. „Hervorragende Leistungen müssen für die EU-Programme zu Forschung, Entwicklung und Innovation die Parole sein. Nur so sind wir auf globaler Ebene wettbewerbsfähig“, sagten die Gruppen.

Nachdem der Europäische Kommissionspräsident José Manuel Barroso Innovation zu einer Priorität der nächsten EU-Exekutive erklärt hatte, haben Forschungsgemeinschaft und innovative Industrien den Druck erhöht. Barroso bereitet sich ebenfalls auf die Ernennung eines wissenschaftlichen Chefberaters vor.

Fortschritte sind bereits in mehreren der von den fünf Sachverständigengruppen angesprochenen Bereiche versprochen worden – die alle ihre Empfehlungen bereits einzeln veröffentlicht hatten, bevor sie diese Woche gemeinsam auftraten.

Nichtsdestotrotz muss sich die neue EU-Exekutive darauf einstellen, dass die Forschungsgemeinschaft jegliche Entwicklungen in Erwartung großer Veränderungen genau verfolgen wird, nachdem Innovation dank der Kommission in Brüssel in aller Munde ist.