Ewigkeitschemikalien im Wasser überschreitet geplanten EU-Grenzwert
Die NGO Pesticide Action Network Europe fand heraus, dass eine "ewige Chemikalie" in 94 Prozent des Oberflächenwassers und 63 Prozent der Wasserproben in Flaschen vorkommt. Dies überschreitet die in der überarbeiteten Trinkwasserrichtlinie festgelegten Grenzwerte bei weitem.
Die NGO ‚Pesticide Action Network Europe‘ fand sogenannte Ewigkeitschemikalien in 94 Prozent der natürlichen Gewässer und 63 Prozent der Wasserproben in Flaschen. Dies überschreitet die in der überarbeiteten europäischen Trinkwasserrichtlinie festgelegten Grenzwerte bei weitem.
PFAS-Chemikalien (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen), auch Ewigkeitschemikalien genannt, sind für ihre langlebigen Eigenschaften bekannt „und ihre Toxizität steht im Rampenlicht“, sagte die Leiterin für Wissenschaft und Politik von PAN Europe, Angeliki Lyssimachou.
Nachdem eine Verunreinigung von Flüssen, Seen und Grundwasser durch TFA (Trifluoressigsäure), einem äußerst langlebigen Abbauprodukt von PFAS-Pestiziden und F-Gasen, festgestellt wurde, führte PAN Europe im Mai 2024 eine weitere Analyse durch.
„Es gibt zwar verschiedene Ursachen für TFA, aber die beiden größten Quellen sind PFAS-Pestizide und F-Gase [Fluor enthaltende Gase]“, erklärte Salomé Roynel, Policy Officer bei PAN Europe.
PAN Europe fand heraus, dass Leitungswasserproben im Durchschnitt mit 740 Nanogramm pro Liter verunreinigt waren. Die Werte reichten dabei von „unter der Nachweisgrenze“ von 20 bis zu 4.100 Nanogramm pro Liter. Bei Mineral- und Quellwasser in Flaschen lag die TFA-Konzentration „zwischen ‚unter der Nachweisgrenze‘ und 3.200 Nanogramm pro Liter, mit einer durchschnittlichen Belastung von 278 Nanogramm pro Liter.“
Gesetzlicher Grenzwert
Bis heute gibt es in der EU keinen gesetzlichen Grenzwert für TFA. Aus rechtlicher Sicht bleibe es „eine ‚unsichtbare‘ Chemikalie“, sagte Sara Johansson, Senior Policy Officer für Wasserverschmutzungsprävention beim Europäischen Umweltbüro.
Ein neuer Parameter, der 2026 mit der Neufassung der Trinkwasserrichtlinie in Kraft tritt, wird die Überwachung der „gesamten PFAS“-Chemikalien übernehmen, zu denen auch TFA gehört. Die Analysen in dem Bericht zeigen jedoch, dass der maximale Grenzwert bereits bei der Hälfte der getesteten Leitungswasserproben überschritten wurde.
Zeitgleich mit der Neufassung der Richtlinie in 2020 gab die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) Leitlinien heraus, in denen „eine maximale Aufnahme von PFAS[-Chemikalien], die sich im Körper anreichern [festgelegt wird]. Diese Leitlinien kamen jedoch zu spät, um in die Trinkwasserrichtlinie aufgenommen zu werden“, erklärte Johansson.
„Mehrere Mitgliedstaaten haben ihre nationale Trinkwassergesetzgebung auf die EFSA-Leitlinien gestützt, darunter Dänemark, Schweden, Flandern in Belgien und Deutschland“, fügte sie hinzu.
Sie sagte, dies habe zu einem „uneinheitlichen Ansatz in der EU geführt, wie PFAS[-Chemikalien] im Trinkwasser reguliert werden.“
NGOs fordern dringende Maßnahmen
Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker von Friends of the Earth Österreich, betonte, es sei „wirklich höchste Zeit zu handeln.“
„Und wir können nicht auf die normalen Prozesse in der Europäischen Union warten, um diese Pestizide zu verbieten, was zehn, vielleicht 20 Jahre dauern wird. Wir brauchen daher ein sofortiges Verbot von Pestiziden auf der Grundlage des Vorsorgeprinzips“, sagte er.
Mehrere NGOs haben den Rat der EU und das Europäische Parlament aufgefordert, entschlossen zu handeln und ein umfassendes Verbot von PFAS-Chemikalien durchzusetzen. Außerdem solle ein EU-weiter Grenzwert für sicheres Trinkwasser für TFA festgelegt werden.
Die NGOs warnten auch davor, dass die negativen Umweltkosten für die Beseitigung von PFAS-Chemikalien nicht den Bürgern aufgebürdet werden sollten. Stattdessen sollten sie von den Herstellern getragen werden, um das „Verursacherprinzip“ umfassend anzuwenden.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]