Europas Verleger warten auf Google
Deutsche und europäische Veleger und Autoren sind bei der Buch-Digitalisierung nicht mehr von einer Übereinkunft mit Google betroffen. Nun fragt sich die Branche, wie sie trotzdem auf dem digitalen Markt mitmischen kann - und erwartet von Google Vorschläge. Bislang fühlte man sich 'uncharmant' behandelt.
Deutsche und europäische Veleger und Autoren sind bei der Buch-Digitalisierung nicht mehr von einer Übereinkunft mit Google betroffen. Nun fragt sich die Branche, wie sie trotzdem auf dem digitalen Markt mitmischen kann – und erwartet von Google Vorschläge. Bislang fühlte man sich ‚uncharmant‘ behandelt.
In der Auseinandersetzung um die Digitalisierung von Büchern durch Google erwartet der Verlag Hoffmann und Campe jetzt Vorschläge des US-Unternehmens. Google müsse nach der Vorlage einer abgeschwächten Version der Vereinbarung zur Digitalisierung von Büchern für das Internet auf die deutschen Verlage zugehen und sagen, wie es nun weitergehen soll, sagte der verlegerische Geschäftsführer von Hoffmann und Campe, Günter Berg, am Montag im Deutschlandradio Kultur.
Europas Bücher außen vor
Nach monatelangen Verhandlungen (Siehe EURACTIV.de vom 25. September 2009) hatten sich Google und US-Verleger darauf geeinigt, den Geltungsbereich der Vereinbarung auf Bücher zu beschränken, die urheberrechtlich in den USA, Kanada, Großbritannien oder Australien registriert sind. Damit wären mehr als 95 Prozent der Bücher, die in Deutschland oder anderen Ländern außerhalb dieses Geltungsbereiches verlegt wurden, nicht mehr Bestandteil des "Google Book Settlements".
"Warum nicht gleich so", fragte Helga Trüpel, Vizepräsidentin des Kulturausschusses im Europaparlament. "Der neue Vergleich beschränkt sich nun auf Länder mit einer gemeinsamen Rechtstradition." Google müsse nun neue Modelle mit europäischen und deutschen Urhebern finden.
Uncharmante Behandlung
"Wenn der Suchmaschinenbetreiber vor dem ursprünglichen ‚Google Book Settlement‘ nur einmal mit den deutschen Verlagen geredet hätte, hätte es den Zirkus der letzten Monate nicht geben müssen", sagte Berg im Deutschlandradio Kultur. Die Verlage seien uncharmant behandelt worden, ein starkes Buchland wie Deutschland hätte in die Verhandlungen zu der Vereinbarung einbezogen werden müssen.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte skeptisch auf die neue Vereinbarung reagiert. Es sei nun zu befürchten, dass Europa, mit Ausnahme von Großbritannien, von der Buch-Digitalisierung abgeschnitten werde.
Europa dürfe gegenüber Amerika den weltweiten Anschluss bei der Online-Erschließung von Bibliotheksbeständen nicht verlieren, erklärte Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Deshalb erhalte die Schaffung einer Deutschen Digitalen Bibliothek als Teil der "Europeana" eine immer größere Relevanz.
dpa/awr
Links
Europäische Online-Bibliothek – Europeana
Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: Stellungnahme zum Überarbeiteten Google Book Settlement (November 2009)