Europas Touristen meiden Ägypten und Tunesien

Die politischen Unruhen in Nordafrika haben weitreichende Folgen für den Tourismus. Viele Europäer, besonders die Deutschen, haben geplante Ägypten- und Tunesien-Reisen storniert, die Buchungsnachfrage bricht spürbar ein. EURACTIV.de dokumentiert an Hand einer Studie von GfK Retail and Technology, welche Länder davon profitieren.

Die Ägypter und Tunesier sind ihre Diktatoren los, aber auch viele Touristen. Schöne Wüstenlandschaften werden menschenleer bleiben (Foto: Malik)
Bis zu 300 Millionen Euro will die EU Tunesien ab nächstes Jahr zur Verfügung stellen. [Foto: dpa]

Die politischen Unruhen in Nordafrika haben weitreichende Folgen für den Tourismus. Viele Europäer, besonders die Deutschen, haben geplante Ägypten- und Tunesien-Reisen storniert, die Buchungsnachfrage bricht spürbar ein. EURACTIV.de dokumentiert an Hand einer Studie von GfK Retail and Technology, welche Länder davon profitieren.

Die zeitweiligen Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes und die noch bis Ende Februar andauernden Reisestopps der Veranstalter mit dem Angebot, Reisen mit Abflügen bis Mitte April kostenlos umbuchen zu können, haben dazu geführt, dass viele deutsche Urlauber in den ersten Wochen des Jahres ihre Reisen nach Ägypten und Tunesien storniert haben.

Für Tunesien werden nach der Anfang Januar einsetzenden großen Stornowelle kaum noch Neubuchungen verzeichnet.

Für Ägypten überwiegen derzeit die Reisestornos deutlich. Die über Reisebüros generierten Umsätze für Ägypten fielen von 28 Millionen Euro in der zweiten Januarwoche auf ein Minus von 11 Millionen Euro zum Ende der fünften Kalenderwoche Anfang Februar.

Auch Sommersaison betroffen

Die Zurückhaltung der deutschen Konsumenten bei Urlaubsbuchungen nach Ägypten oder Tunesien ist dabei laut GfK-Studie nicht auf den aktuellen Zeitraum begrenzt, sondern erstreckt sich bis weit in die Sommersaison hinein.

Für Tunesien sind die Buchungen für die kommenden Reisemonate insgesamt um 85 Prozent eingebrochen. Bis zur ersten Januarwoche verzeichneten die Buchungsumsätze für das Urlaubsland noch ein Plus von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Reiseland Ägypten hat in demselben Buchungszeitraum die Hälfte seiner Reiseumsätze eingebüßt, in absoluten Umsatzzahlen sogar mehr noch als Tunesien.

Nach Spanien und der Türkei ist Ägypten das drittwichtigste Pauschalreiseziel der Deutschen. Fast ein Drittel des Jahresumsatzes für Ägyptenurlaube wird üblicherweise im Januar gebucht. Wie sich die Reisebuchungen hinsichtlich der aktuellen politischen Entspannung der Lage in Ägypten entwickeln werden, bleibt abzuwarten.

Alternative Ziele: Türkei und Spanien

Die deutschen Urlauber nutzen bisher die kostenlosen Umbuchungsangebote der Reiseveranstalter und weichen auf andere Länder aus. Vor allem die Türkei und Spanien profitieren davon in den ersten Wochen des Jahres mit Zuwächsen zwischen 35 und 45 Prozent.

Weitere alternative Ferienziele sind Italien, Zypern sowie insbesondere Bulgarien und Kroatien. Die Buchungsumsätze für diese Destinationen steigen im Zeitraum zwischen der zweiten und fünften Kalenderwoche 2011 ebenfalls überdurchschnittlich.

Insgesamt ist die touristische Nachfrage in Deutschland derzeit außerordentlich gut. Die über Reisebüros gebuchten Umsätze legen in den ersten Wochen des Jahres 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 24 Prozent zu.

Hintergrund: Zur Methode der GfK-Studie

Die Auswertungen von GfK Travel Insights, dem Tourismus-Vertriebspanel von GfK Retail and Technology, basieren auf den Buchungsdaten von rund 1.200 Reisebüros, die den stationären Vertriebsmarkt in Deutschland repräsentativ abbilden. Durchschnittlich 340.000 Buchungssätze dieser konstanten Stichprobe gehen monatlich an GfK Retail and Technology.

Hochgerechnet auf den Gesamtmarkt erlauben die Auswertungen von GfK Travel Insights verlässliche Rückschlüsse auf das Buchungs- und Reiseverhalten der deutschen Urlauber. Trends und Entwicklungen im touristischen Markt sind zeitnah nachvollziehbar. Die aktuellen Daten beziehen sich auf Auswertungen der Reisebuchungen bis zum Ende der fünften Kalenderwoche am 6. Februar 2011 und stellen Momentaufnahmen dar.

Die GfK Gruppe bietet das grundlegende Wissen, das Industrie, Handel, Dienstleistungsunternehmen und Medien benötigen, um Marktentscheidungen zu treffen. Ihr umfassendes Angebot beinhaltet Informations- und Beratungsservices in den drei Sektoren Custom Research, Retail and Technology und Media. Weltweit ist die Nummer 4 der Marktforschungsunternehmen in mehr als 100 Ländern aktiv und beschäftigt über 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Jahr 2009 betrug der Umsatz der GfK Gruppe 1,16 Milliarden Euro.

Red.

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