Europas Spitzenpolitiker feiern Mauerfall, geloben Bewältigung neuer Herausforderungen [DE]

Führende Politiker, die sich am 9. November in Berlin versammelten, feierten die einfachen Leute, mit deren Hilfe die Berliner Mauer fiel, und sagten, dass die historischen Ereignisse von vor 20 Jahren zeigten, dass Nationen in der Lage seien, sich neuen Herausforderungen wie Terrorismus oder Klimawandel zu stellen.

Führende Politiker, die sich am 9. November in Berlin versammelten, feierten die einfachen Leute, mit deren Hilfe die Berliner Mauer fiel, und sagten, dass die historischen Ereignisse von vor 20 Jahren zeigten, dass Nationen in der Lage seien, sich neuen Herausforderungen wie Terrorismus oder Klimawandel zu stellen.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Spitzenpolitiker aus Großbritannien, Frankreich und Russland begrüßten Zehntausende, die dem strömenden Regen am Brandenburger Tor Montagabend trotzten, um den Jahrestag des Mauerfalls zu feiern, der den Weg für die deutsche Wiedervereinigung und das Ende des Kalten Kriegs bereitete.

„Zusammen haben wir den Eisernen Vorhang zu Fall gebracht und ich bin davon überzeugt, dass dies uns Kraft für das 21. Jahrhundert geben kann“, sagte Merkel, die im kommunistischen Ostdeutschland aufwuchs und selbst in der Nacht vom 9. November 1989 die Grenze überquerte.

„Unser Glück verpflichtet uns dazu, uns den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen”, fügte sie hinzu.

Das trostlose Wetter hielt die Menschen nicht davon ab, den Platz vor dem Tor zu füllen, einst trostloses Niemandsland und nun mächtiges Symbol des wiedervereinten Deutschlands.

Unzählige weitere Menschen sahen von Balkonen zu, während einige die Seitenstraßen säumten, um einen Blick auf die Spitzenpolitiker zu erhaschen, wie diese von Ost nach West durch das Tor schritten und damit noch einmal den Weg von Berlinern zurücklegten, die vor 20 Jahren die Mauer stürmten.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sagte, der Fall der Mauer sei ein Aufruf, um „gegen die Mauern zu kämpfen, die heute noch in unserer Welt existieren und die immer noch Städte, Regionen und Länder teilen.”

Sein russischer Kollege Dimitri Medwedew rief zum Bau einer „neuen, besseren Welt” und zu einem gemeinsamen Kampf gegen Wirtschaftskrise, Kriminalität, Terrorismus und Armut auf.

US-Außenministerin Hillary Clinton rief ihre Kollegen dazu auf, für eine Verbreitung von Freiheit über „jetzige Grenzen“ hinaus zusammenzuarbeiten.

Wa??sa gestürzt

Nachdem die Spitzenpolitiker gesprochen hatten, stieß der ehemalige Anführer der polnischen Bewegung Solidarität, Lech Wa??sa, den ersten einer Reihe riesiger bemalter Dominosteine an, die auf einer 1,5km lange Strecke aufgebaut worden waren, wo einst die Mauer stand.

Sekunden nachdem er den ersten Dominostein umgestoßen hatte, stieß ihn ein Fernsehkameramann von hinten an. Wa??sa fiel weich auf den Dominostein, aber der Kameramann stürzte schwer auf das nasse Pflaster.

Mit Unterstützung der Sowjetunion begann die ostdeutsche Regierung in den frühen Morgenstunden des 13. August 1961 damit, einen „antifaschistischen Schutzwall“ zu errichten, um die Massenflucht ihrer Bürger ins kapitalistische Westberlin zu beenden.

Zunächst ein provisorischer Zaun aus Stacheldraht, wurde die Mauer zu einer imposanten 156 Kilometer langen Betonmauer ausgebaut, die Westberlin umschloss und von Grenzern bewacht wurde, die Order hatten, auf jeden zu schießen, der einen Fluchtversuch wagte.

Laut einer diesjährigen Studie wurden zwischen 1961 und 1989 mindestens 136 Menschen beim Fluchtversuch an der Mauer getötet.

Tausenden jedoch gelang es den Minenfeldern, Hunden und Wachtürmen zu entgehen, indem sie erfinderische Mittel wie Tunnel, Fluggeräte und versteckte Kammern in Autos benutzten, um in den Westen zu gelangen.

Kein einziger Schuss fiel beim Fall der Mauer vor zwei Jahrzehnten. Die Nacht entwickelte sich zu einer riesigen Feier in der ganzen Stadt, bei der Ostdeutsche ungläubig durch die Straßen Westberlins streiften und sich Anwohner von beiden Seiten in den Armen lagen.

Am Montag erleuchtete ein Feuerwerk den grauen Himmel und schaffte damit erneut die festliche Atmosphäre, die 1989 die Stadt eingehüllt hatte.

„Ich war im Bauch meiner Mutter, als die Mauer fiel”, sagte die 19-jährige Nika Schole. „Es ist schwer sich vorzustellen, was die Leute an dem Tag vor 20 Jahren erlebt haben, aber ich bin hierher gekommen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es war.“

Helmut Kohl, der während des Mauerfalls Kanzler war, versprach den Ostdeutschen bei der Wiedervereinigung ein Jahr später „blühende Landschaften”.

Aber trotz der geschätzten 1,3 Billionen Euro Hilfen zum Wiederaufbau Ost ist die Arbeitslosenquote in den so genannten „neuen Bundesländern” immer noch zweimal höher als im Westen.

Nach einer von der Leipziger Volkszeitung in Auftrag gegebenen neuen Umfrage unter mehr als 1,000 Deutschen will einer von acht Deutschen, dass die Mauer wieder aufgebaut wird – wobei die Zahl in Ost und West fast gleich ist.

(EURACTIV mit Reuters)