Europas Presse zur Wulff-Wahl: "Brutale Kränkung"

Autoritätsverlust, Zeichen der Schwäche, Demütigung - das Urteil der ausländischen Presse zur deutschen Präsidentschaftswahl weist eine gewisse Tendenz auf. In Großbritannien fürchtet man gar um die Stabilität des Finanzmarktes.

Blickt jemand düster? Die österreichische Zeitung „Standard“ hat die deutsche Präsidentschaftswahl genau beobachtet. Foto: dpa.
Blickt jemand düster? Die österreichische Zeitung "Standard" hat die deutsche Präsidentschaftswahl genau beobachtet. Foto: dpa.

Autoritätsverlust, Zeichen der Schwäche, Demütigung – das Urteil der ausländischen Presse zur deutschen Präsidentschaftswahl weist eine gewisse Tendenz auf. In Großbritannien fürchtet man gar um die Stabilität des Finanzmarktes.

Die Spitzen der schwarz-gelben Koalition zeigten sich nach der Wahl Christian Wulffs zum  Bundespräsidenten sichtbar erleichtert. Bundeskanzlerin Angela Merkel, CSU-Chef Horst Seehofer und der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle sprachen von einem "deutlichen Vertrauensbeweis" für den neuen Präsidenten.

Bei den EU-Nachbarn bleibt von der 9 stundenlangen Abstimmung vor allem eines hängen: Angela Merkel hat Probleme. Christian Wulff findet dagegen kaum Beachtung.

Frankreich

"Am Mittwoch hat die Kanzlerin Merkel eine harte Demütigung erlebt",
schreibt die französische Zeitung Liberation. Die Mitglieder der Bundesversammlung hätten die geheime Wahl genutzt, ihre Unzufriedenheit mit der Kanzlerin und mit der schwarz-gelben  Koalition kund zu tun.  Das Wahlverlauf sei ein "Schock für die  Koalition", eine "brutale Kränkung" und Mahnung für Merkels Regierung. 

Italien

Die Regierungskoalition steckt in "riesigen Schwierigkeiten", schreibt das italienische Wirtschaftsmagazin Ilsole24ore. "In diesen Monaten hat Schwarz-Gelb über zahlreiche wichtige Entscheidungen gestritten. Liberale und  Christdemokraten waren sich uneins bei möglichen Steuersenkungen, Hilfen für Opel, und der Reform des Gesundheitssystems." Die Führung von Kanzlerin Merkel und Außenminister Westerwelle werde in Frage gestellt. "Der Sieg  
Wulffs sollte ein Neuanfang für die schwarz-gelbe Koalition werden, nun ist er der Beginn eines sehr schweren Weges."

Österreich

Der Standard beschäftigt sich mit den "Sitzverhältnissen" bei der Wahl. Im Gegensatz zu Angela Merkel hätten die meisten Wahlleute keine bequemen Plätze im Plenum gehabt. Der erste Wahlgang sei dann ein "ein harter Schlag" für Frau Merkel gewesen. Merkel, Wulff und Westerwelle hätten "finster" geschaut.

Großbritannien

"Diese Wahl war ein Test für Merkels Macht nach den letzten schwierigen Monaten", schreibt die Businessweek. Dieses  Ergebnis könne eine Debatte über die Stabilität der schwarz-gelben  Regierung entfachen, was zu Unsicherheit auf dem Finanzmarkt führen könne. Dass drei Wahlgänge nötig waren, sei ein "Zeichen der Schwäche" der Regierung. Der Stillstand in zahlreichen Politikbereichen könne die Folge sein.

Spanien

"Angela Merkel verliert ihre Autorität", titelt die spanische Zeitung El Pais. Der Wahlverlauf zeige die verbreitete Unzufriedenheit mit Merkels Regierung, und beweise ihren Machtverlust.

Tschechien

Das Wirtschaftsmagazin Hospodá?ské noviny schreibt von einem "harten Schlag" für Angela Merkel.  Die Wahl sei "völlig schief  gegangen". Die Deutschen hätten das Vertrauen in Frau Merkel verloren.

edo