Europas explodierende Nachfrage nach Wärmepumpen offenbart Engpässe

Die hohen Gaspreise haben die Nachfrage nach Wärmepumpen in ganz Europa in die Höhe schnellen lassen und eine Reihe von Engpässen aufgedeckt. So schränkt beispielsweise der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften die Lieferfähigkeit der Industrie ein.

Euractiv.com
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Installateur beim Einbau einer Wärmepumpe. [Shutterstock/Dziurek]

Die hohen Gaspreise haben die Nachfrage nach Wärmepumpen in ganz Europa in die Höhe schnellen lassen und eine Reihe von Engpässen aufgedeckt. So schränkt beispielsweise der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften die Lieferfähigkeit der Industrie ein.

Wärmepumpen, manchmal auch als umgekehrte Klimaanlagen bezeichnet, nutzen das Wärmepotenzial der Umgebung für das Beheizen von Innenräumen. Sie sind strombetrieben und energieeffizienter als Gasboiler.

Da Importe von russischem Gas den Ukrainekrieg finanzieren und jetzt auf dem Prüfstand stehen, beeilen sich viele Europäer, Wärmepumpen zu installieren und so Gas vollständig zu vermeiden.

Die Aufgabe ist jedoch gigantisch. Im Vergleich zu den 20 Millionen Gasboilern in Deutschland sind europaweit nur 17 Millionen Wärmepumpen installiert.

„Wir brauchen eine Strategie zur Gasminderung, und zwar eine, die wirklich Wirkung zeigt“, sagte der deutsche Vizekanzler Robert Habeck am 20. März. „Das heißt, wir sollten keine neuen Gasheizungen mehr einbauen“, fügte er hinzu.

In der Praxis bedeutet dies den Einbau von Wärmepumpen anstelle von Gasboilern. Bereits im Dezember hatte die neu gewählte deutsche Regierung beschlossen, dass ab 2025 Heizungsanlage, die nach dem 1. Januar 2025 installiert wird, mit erneuerbaren Energien betrieben werden muss.

Die Branche verstand diese Vorgabe als implizites Mandat für Wärmepumpen. Um vom russischen Gas wegzukommen, könnte das jetzt sogar ab 2024 verpflichtend sein.

Deutschland ist nicht das einzige Land, das auf diese Technologie setzt. Auch Frankreich hat seine Subventionsstrategie angepasst, um die Installation neuer Wärmepumpen zu fördern. In den USA hat die Regierung Berichten zufolge sogar erwogen, Wärmepumpen in Massenproduktion herzustellen und über den Atlantik zu verschiffen, um die Europäer von russischem Gas unabhängiger zu machen.

Auch die Europäische Kommission krempelt die Ärmel hoch. Im Rahmen ihrer REPowerEU-Initiative will die EU-Exekutive bis 2030 30 Millionen neue Wärmepumpen installieren lassen, wodurch die EU 35 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr einsparen könnte.

Viele dieser Programme wurden noch von Großbritannien inspiriert, wo man bereits vor dem Ukrainekrieg ehrgeizige Ziele verfolgte.

„Das Vereinigte Königreich hat sehr ehrgeizige Ziele: 600.000 Wärmepumpen pro Jahr bis 2028“, sagt Jan Rosenow, Direktor für europäische Programme beim Regulatory Assistance Project (RAP), einer gemeinnützigen Organisation.

Doch angesichts der boomenden Nachfrage hat die Branche Mühe, Schritt zu halten. „Im Moment ist die Nachfrage so groß, dass die Monteure Probleme haben, die Geräte zu installieren“, sagt Thomas Nowak, Generalsekretär des Europäischen Wärmepumpenverbandes (EHPA).

Mangel an qualifizierten Arbeitskräften

Nicht nur die Produktionskapazitäten hinken hinterher, sondern auch der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ist ein Problem.

Aber die Branche ist zuversichtlich, dass sie die wachsende Nachfrage bewältigen kann. Während Installateure derzeit überlastet sind, wird die „Flexibilität der Hersteller und Dritter neue Technologien und Geschäftsmodelle auf den Markt bringen. So werden wir neue Angebote machen können“, so Nowak.

Skeptiker weisen auf Hindernisse hin, die einer massenhaften Einführung von Wärmepumpen im Wege stehen. Schlecht isolierten Häusern sind beispielsweise nicht geeignet. Nowak bestreitet dies nicht und sagt, dass die Häuser zunächst auf ihre Isolierung und elektrische Tauglichkeit untersucht werden müssen. Erst dann könne ein Preisangebot abgegeben werden. Wird der Preis akzeptiert, kann die Installation beginnen.

Zur Beschleunigung des Prozesses kann laut Nowak jeder Bauunternehmer beitragen und eine solide Isolierung empfehlen. Was die Installation anbelangt, so könne die Umschulung der Arbeiter schnell erfolgen, sagt er.

„Ein normaler Heizungsinstallateur ist bereits qualifiziert, eine Wärmepumpe zu installieren. Was sie zusätzlich lernen müssen, kann in einer Woche vermittelt werden“, sagt er.

„Wir haben schon früher fünftägige Schulungen bei EHPA organisiert, bei denen wir den Arbeitern in vier Tagen Theorie und einem Tag Praxis alles Wesentliche beigebracht haben. Und schon waren sie bereit, Wärmepumpen zu installieren.“

Netzstabilität

Ein weiteres Hindernis für die massenhafte Einführung von Wärmepumpen ist die Fähigkeit des Netzes, Millionen neuer elektrischer Heizungsanlagen zu versorgen. Kritiker warnen daher vor der Gefahr von Stromausfällen, wenn nicht gleichzeitig in die Verstärkung des Netzes investiert wird.

Die Energieversorgungsunternehmen sind jedoch zuversichtlich, dass weitere Millionen hinzukommen können, ohne die Netzstabilität zu gefährden. „Auch mit 50 Millionen weiteren Wärmepumpen bleibt das Licht an“, behauptet die Branche.

„Die großflächige Einführung von elektrischen Wärmepumpen wird die Sicherheit der Stromversorgung nicht gefährden, weder jetzt noch in Zukunft“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Vorstandsvorsitzenden von 13 Energiekonzernen. Die Einschätzung wurde der Europäischen Kommission bereits im vergangenen Jahr übermittelt.

„Die Betreiber arbeiten seit Jahrzehnten zusammen, um ein konstant hohes Maß an Netzstabilität zu gewährleisten. In den letzten Jahren haben sie bereits ähnliche Herausforderungen erfolgreich bewältigt. Beispielsweise wenn es darum ging, mit den Millionen von Elektrogeräten umzugehen, die in allen Haushalten in der EU installiert wurden.“

Isolierung

Die Verbesserung der Gebäudedämmung wird als Voraussetzung für die massenhafte Einführung von Wärmepumpen und die Vermeidung von Netzüberlastungen angesehen.

In Deutschland ist sich die Regierung dessen bereits bewusst. „Wir sollten die Gebäudedämmung massiv vorantreiben, die nötigen Mittel dafür bereitstellen, aber auch die Standards so erhöhen, dass der Gasverbrauch sinkt“, so Habeck.

„Es ist unmöglich, dass sich 24 Millionen Wärmepumpen morgens zur gleichen Zeit einschalten. Im gesamten Vereinigten Königreich werden wir nie genug Stromerzeugungskapazitäten haben“, wendet Steven Heath ein, Experte für Wärmepumpen bei Knauf Insulation.

Er glaubt zwar, dass Wärmepumpen „eine Lösung“ sind, um die Abhängigkeit Europas von Gas zu verringern. Gleichzeitig weist Heath darauf hin, dass effiziente Gebäudedämmung vorausgesetzt sei. „Ansonsten sind sie keine Lösung“.

Experten wie Rosenow scheinen dem zuzustimmen. „Es ergibt sehr viel Sinn, mit den Häusern zu beginnen, die bereits für Wärmepumpen geeignet sind und in denen man gute Wirkungsgrade erzielen kann“, sagte er. Seiner Meinung nach kann eine ausreichend große Wärmepumpe jedoch jedes Haus beheizen.

Das F-Gas-Problem

Die Hindernisse können zwar alle überwunden werden, aber die Branche warnt auch vor regulatorischen Risiken.

In Wärmepumpen wird derzeit eine Gruppe von Kühlmitteln verwendet, die sogenannten fluorierten Gase. F-Gase wurden in den 1990er Jahren entwickelt, um die ozonschädigenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) und teilhalogenierten Fluorchlorkohlenwasserstoffe (H-FCKW) zu ersetzen, sind aber später wegen ihres hohen Treibhauspotenzials in die Kritik geraten.

Ähnlich wie CO2 verursachen F-Gase die globale Erwärmung und sind sehr stabil, was bedeutet, dass sie über einen langen Zeitraum in der Atmosphäre verbleiben.

Um dem Gebrauch von F-Gasen entgegenzuwirken, beschloss die EU 2015 einen schrittweisen Ausstieg aus der Verwendung von HFKW. Den Herstellern wurden jährliche Produktionsquoten auferlegt, um Anreize für die Verwendung von Alternativen zu schaffen.

Die Industrie schlägt jedoch Alarm, dass neue Maßnahmen die Produktion von Wärmepumpen gefährden könnten.

„Jede neue Maßnahme in der überarbeiteten F-Gas-Verordnung, die in absehbarer Zeit die
Verfügbarkeit oder die Auswahl von Kältemitteln einschränkt, würde zwangsläufig die Geschwindigkeit, mit der Wärmepumpenanlagen eingesetzt werden, verlangsamen“, warnt eine Industriekoalition, der auch Nowaks Europäischer Wärmepumpenverband (EHPA) angehört.

Während alternative Kältemittel für einige Anwendungen geeignet sein können, erfordert die Mehrheit der Kälte-, Klima- und Wärmepumpentechnologien eine Vielzahl von Kältemitteln, wie Vertreter der Branche erklären. Die Verfügbarkeit einer Auswahl an F-Gasen sei notwendig, „um die massenhafte Einführung von Wärmepumpen auf sichere und höchst effiziente Weise zu beschleunigen“, so die Gruppe in einem Schreiben an die Europäische Kommission.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]