Europäischer Zahlungsverkehrsraum tritt in Kraft [DE]

Der neue einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum (Single Euro Payments Area; SEPA), der heute (28. Januar 2008) in Kraft tritt, soll Preissenkungen für Verbraucher und neue Geschäftsmöglichkeiten für Banken und Betreiber von Zahlungsverkehrssystemen mit sich bringen, so eine kürzlich erschienene Studie.

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Der neue einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum (Single Euro Payments Area; SEPA), der heute (28. Januar 2008) in Kraft tritt, soll Preissenkungen für Verbraucher und neue Geschäftsmöglichkeiten für Banken und Betreiber von Zahlungsverkehrssystemen mit sich bringen, so eine kürzlich erschienene Studie.

Die Studie des Management- Beratungsunternehmens A. T. Kearney geht davon aus, dass infolge der Einführung  des SEPA der Wettbewerb zwischen Banken „hart“ sein wird, da er eine vollständige Revision der Zahlungslandschaft mit sich bringt. Gleichzeitig birgt er enorme Gewinnmöglichkeiten für Verbraucher.

Die Zahlungsmodelle in der EU unterscheiden sich noch sehr stark. In Dänemark beispielsweise sind Transaktionen mit einer Debetkarte kostenlos. Demgegenüber müssen Verbraucher in Frankreich jedoch jährlich Gebühren in Höhe von bis zu 40 Euro zahlen. Länder mit niedrigen Gebühren, wie Dänemark, die Niederlande und Belgien, erfahren wahrscheinlich Preiserhöhungen, während die Preise für Zahlungen und Kartennutzungen in anderen Ländern, wie Frankreich, fallen werden.

A. T. Kearney geht nicht von einem „Preiskrieg“ aus. Dennoch erwartete man im Allgemeinen eine „Preisminderung“ und eine Entwicklung in Richtung einer „gerechten Preisstruktur“.

Laut dem Kommissar für den Binnenmarkt, Charlie McCreevy, könnten sich die geschätzten Gewinne auf bis zu 123 Milliarden Euro für Zahlungen und weiteren 238 Milliarden Euro belaufen, wenn SEPA auch für elektronische Rechnungsstellungen genutzt würde. 

A. T. Kearney ist der Meinung, dass Banken von dem neuen System profitieren werden. Laut der Studie könnten die effizientesten Banken und Zahlungsanbieter zum ersten Mal ihre Tarif- und Kostenstruktur anpassen, um in anderen SEPA-Ländern wettbewerbsfähig sein zu können.

Organisationen für Zahlungsbearbeitungen werden als die eindeutigen Gewinner des SEPA erachtet. Sie ziehen einen Nutzen aus dem neuerworbenen Interesse der Banken am „Outsourcing“. Die Studie verweist jedoch auch auf eine Reihe von kurzfristigen Problemen.

Unterdessen geht die Diskussion über multilaterale Interbankenentgelte (MIF) weiter. Interbankenentgelte werden während einer bargeldlosen Transaktion mit einer Kreditkarte, wie MasterCard oder Visa, von der Bank des Händlers an die Bank des Kartenhalters gezahlt. Die Kommission hat diesbezüglich eine strengere Haltung angenommen und im Dezember 2007 gegen die multilateralen Interbankenentgelte von MasterCard entschieden (EURACTIV vom 20. Dezember 2007).

Die Zahlungsbranche sagt jedoch, dass die ungeklärte Frage der Interbankenentgelte das SEPA-Projekt untergraben und ihr Geschäftmodell in Frage stellen könnte. Laut A. T. Kearney könnten Aussteller von Zahlungskarten mehr als 50% ihrer Gewinne einbüßen.