Europäische Firmen mustern Indiens grünes Wachstum
Eine rasch wachsende Mittelklasse und die zunehmende Bedeutung grüner Industriezweige machen Indien zu einem attraktiven Standort für expandierende europäische Unternehmen. Jedoch macht das Bewusstsein für unterschiedliche Unternehmenskulturen und Gesetze vor Ort den Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern aus. Dies sagte Poul Jensen, Leiter des European Business and Technology Centre in Indien, in einem Interview mit EURACTIV.
Eine rasch wachsende Mittelklasse und die zunehmende Bedeutung grüner Industriezweige machen Indien zu einem attraktiven Standort für expandierende europäische Unternehmen. Jedoch macht das Bewusstsein für unterschiedliche Unternehmenskulturen und Gesetze vor Ort den Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern aus. Dies sagte Poul Jensen, Leiter des European Business and Technology Centre in Indien, in einem Interview mit EURACTIV.
Sogar in diesen schwierigen wirtschaftlichen Zeiten kann Indien ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum von 6,5% vorweisen – und Jensen zufolge könnten einige Wirtschaftszweige sogar noch bessere Renditen für solche Unternehmen bieten, die mutig genug sind, nach Indien zu expandieren.
"Bei einigen Wirtschaftszweigen fällt das Wachstum noch deutlich höher aus. Bei Verkehr und Energie zum Beispiel ist das Wachstum so viel höher, weil sie zum Gesamtwirtschaftswachstum beitragen", sagte er.
Jensen ist Leiter eines von der EU finanzierten und von Eurochambres geführten Zentrums (ETBC), das europäischen Unternehmen dabei hilft, auf dem indischen Markt Fuß zu fassen.
Dabei konzentriert sich das Zentrum vor allem auf die Bereiche Biotechnologie, Energie, Umwelt und Verkehr – Wirtschaftszweige also, die entscheidend dafür sind, wie das zweitbevölkerungsreichste Land mit dem Klimawandel umgeht. Jensen bezeichnet die vier Bereiche als "Sonnenaufgangs-Bereiche", die über ein unglaubliches Wachstumspotenzial verfügten.
Das EBTC liefert Marktanalysen und kulturelle Schulungen, bietet für KMU jedoch auch billige Möglichkeiten an, um sich in großen indischen Städten niederzulassen.
KMU, die nach Indien kämen, benötigten Unterstützung, so Jensen. Da könne das EBTC helfen, indem es Büroräume, Kontaktpersonen und Marktinformationen zur Verfügung stelle. Dies verringere die Kosten des Markteintritts, die für KMU ein Hindernis für eine Expansion nach Indien darstellen könnten.
Jensen hat europäischen Unternehmen auch bei der Suche nach indischen Partnerunternehmen geholfen. Allerdings betont er, dass solche Geschäftsbeziehungen nicht immer so ablaufen, wie es die Europäer erwarten.
"Es ist relativ einfach, sich vom ganzen Ausmaß überwältigen zu lassen", erklärt er. Zudem stellten Unternehmen oft fest, dass die europäische Mentalität nicht mit den unternehmerischen Gepflogenheiten in indischen Städten zusammenpasse. "Einerseits muss man vor Ort sein; persönliche Treffen sind äußerst wichtig. Doch nach Indien zu gehen, Beschäftigte einzustellen und Büroräume zu mieten – das kann risikoreich sein." Daher wolle EBTC den ersten Schritt für Firmen und Forschungsgruppen erleichtern.
Kulturelle Unterschiede könnten einem Geschäftserfolg im Weg stehen – "wir denken einfach unterschiedlich, wir haben unterschiedliche Mentalitäten" –, und das überlastete indische Rechtssystem führe dazu, dass viele Gesetze faktisch nicht durchsetzbar seien.
Nichtsdestotrotz glaubt Jensen, dass ein Partner vor Ort für europäische Firmen nützlich sein kann, um den wachsenden indischen Markt zu erschließen. Der Trick bestehe nur darin, den richtigen Partner zu finden – Menschen, welche die gleichen Ziele verfolgten.