Europagipfel bei EURACTIV
Die Höhepunkte für EURACTIV: vor zehn Jahren gegründet, in zehn Ländern etabliert, in zehn Sprachen aktiv. Zum Jubiläum gab’s im Europaparlament den EURACTIV Award. Gewinner aus Deutschland ist die Europäische Bewegung Deutschland (EBD), deren Generalsekretär Bernd Hüttemann die Auszeichnung in Brüssel entgegennahm. Staatsminister Werner Hoyer würdigte die Effizienz der EBD.
Die Höhepunkte für EURACTIV: vor zehn Jahren gegründet, in zehn Ländern etabliert, in zehn Sprachen aktiv. Zum Jubiläum gab’s im Europaparlament den EURACTIV Award. Gewinner aus Deutschland ist die Europäische Bewegung Deutschland (EBD), deren Generalsekretär Bernd Hüttemann die Auszeichnung in Brüssel entgegennahm. Staatsminister Werner Hoyer würdigte die Effizienz der EBD.
Am 12. und 13. November 2009 fand in Brüssel ein "Europagipfel" der besonderen Art statt. Die gesamteuropäischen Gewinner der “Fondation EURACTIV Award für nationale Debatten über Europa” erhielten ihre Auszeichnungen – und gleichzeitig feierte EURACTIV sein zehnjähriges Bestehen und seine weitere Ausdehnung im EU-Raum.
Ausgezeichnet wurden Instutionen für ihre vorbildlichen Beiträge und Anstöße zu nationalen Debatten über Europa. Eine hochkarätige Jury wählte unter 110 Nominierungen neben de EBD auch den französisch-deutschen Sender ARTE, das paneuropäische Bahnticket InterRail, den originellen Dokumentarfilm “Coffee futures” über das türkische EU-Beitrittsgesuch und andere Institutionen aus.
Barroso gratuliert
EU-Kommissionspräsident José Barroso gratulierte EURACTIV und seinen Preisträgern per Video. Seine Stellvertreterin, die EU-Kommissarin für Kommunikation, die Schwedin Margot Wallström, sowie die Vizepräsidentinnen des Europäischen Parlament – Silvana Koch-Mehrin aus Deutschland und Isabelle Durant aus Belgien – sowie der frühere beglische Ministerpräsident Guy Verhofstadt, Mitglied der Präsidentenkonferenz im Parlament, beteilgten sich an der Preisverleihung und einer Diskussion.
Unter anderem wurden der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, und der Vorsitzende der Allianz der Liberalen and Demokraten für Europa (ALDE), Guy Verhofstadt, für ihre effizienten Bemühungen zur Förderung von Demokratie und Debatte ausgezeichnet.
EBD als Modell aller europäischen Bewegungen
In der Kategorie NGO oder Organisation wurde die 60 Jahre alte Europäische Bewegung Deutschland (EBD) als Modell für die anderen nationalen Verbände der Europäischen Bewegung anerkannt.
EBD-Präsident Dieter Spöri zeigte sich erfreut, dass das Netzwerk als beste Organisation in Europa ausgezeichnet wurde, der es gelungen sei, ein Modell für politische Kommunikation zu entwickeln, das komplexe europapolitische Prozesse in einem nationalen Dialog zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Gruppierungen erläutere und damit frühzeitig Informationen über die europäische Meinungsbildung der Zivilgesellschaft zur Verfügung stelle.
Dieter Spöri: EU nicht nur für "Berufseuropäer"
Spöri erklärt zur Verleihung des „EURACTIV Award for Debating Europe Nationally“: „Die Verleihung dieses europäischen Preises ist ein herausragender Erfolg und eine große Anerkennung für das Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland. Wir sehen in dieser Auszeichnung eine klare Bestätigung, dass Europa-Kommunikation auf nationaler Ebene dann gut funktioniert, wenn sie auf einer gut organisierten Dialogplattform stattfindet, auf der sich private und politische EU-Akteure als Verbündete verstehen, die sich gegenseitig frühzeitig informieren und die auch jenseits unterschiedlicher Interessen Europa als gemeinsame Aufgabe begreifen.” Nur so könne man verhindern, dass die EU eine abgehobene Veranstaltung von „Berufseuropäern“ bleibe.
Gerade mit Blick auf den soeben ratifizierten Lissabon-Vertrag und das sogenannte „Integrationsverantwortungsgesetz“, das die Mitwirkung von Bundestag und Bundesrat am europäischen Prozess regelt, werde dieser partnerschaftliche Dialog noch stärker zu einem elementaren Bestandteil der deutschen Europa-Kommunikation werden.
Größtes Netzwerk der Zivilgesellschaft
Die EBD wurde am 13. Juni 1949 – nur drei Wochen nach Inkrafttreten des Grundgesetzes – von hochrangigen Vertretern deutscher Interessengruppen und Parteien in Wiesbaden gegründet. Heute ist die EBD das größte Netzwerk der Zivilgesellschaft und der Interessengruppen im Bereich Europapolitik mit über 170 Mitgliedsorganisationen.
„Wir brechen die EU-Politik auf die nationale Ebene herunter und bringen relevante EU-Akteure und Interessenvertreter mit nationalen Verwaltungen zusammen, um die Kluft zwischen Planet Brüssel und Planet Berlin zu überbrücken“, sagte Christoph Linden, stellvertretender EBD-Generalsekretär.
Linden stellte die Aktivitäten der EBD vor. Zu den meistgefragten gehören die Briefings und De-Briefings vor und nach den EU-Ratssitzungen der Minister. Unter Wahrung der Chatham-House-Regel (wonach Informationen verwertet, aber die Teilnehmer und Sprecher nicht namentlich genannt werden dürfen) wird damit der Informationsfluss von der EU zu nationalen Interessenvertretern beschleunigt.
Botschafter Duckwitz: "Ansporn trotz knapper Kassen"
Der Ständige Vertreter der Bundesrepublik bei der Europäischen Union in Brüssel, Botschafter Edmund Duckwitz, lud kurz entschlossen zu einem morgendlichen Empfang in der Botschaft in der Brüsseler Rue Jacques de Lalaing mit rund sechzig Gästen von EU-Akteuren. Duckwitz gratuliere der EBD zum EURACTIV Award ausdrücklich im Namen des Auswärtigen Amtes und würdigte die EBD als ältesten Partner der Bundesregierung bei der Förderung des europäischen Gedankens, hob die zahlreichen Aktivitäten wie Veranstaltungsreihen, Dialogforen, Hintergrundgespräche, Briefings, De-Briefings, EU-Stammtische und Europa-Analysen hervor.
“Und jetzt kommen die mahnenden Worte”, schmunzelte Botschafter Duckwitz: Die EBD solle trotz der allgemeinen knappen Kassen den Preis als Ansporn auffassen.
Bernd Hüttemann: Mehr internationale Vernetzung
Bernd Hüttemann, Generalsekretär der EBD, sagte in seiner Replik, er hoffe auf noch mehr internationale Vernetzung, und er freue sich, “dass auch ein bisschen die Bundesrepublik diesen Preis mit bekommen hat”.
Der Generalsekretär des European Movement, dem internationalen Dach der EBD, Diogo Pinto, stelle die deutsche Organisation als Modell für die anderen Europäischen Bewegungen dar.
200 Mitgliedsorganisationen bis Sommer 2010
Am Rande des Empfangs wurde bekannt, dass die EBD damit rechnet, bis zum Sommer 2010 die Zahl der derzeit 171 Mitgliedsorganisationen auf 200 Mitglieder ausdehnen zu können.
AA-Staatsminister Werner Hoyer: Erfolgreiches Modell
Kurz nach dem Empfang des Botschafters würdigte in Berlin auch AA-Staatsminister Werner Hoyer (FDP) die Verdienste des Netzwerks für die europapolitische Kommunikation. Das AA hob anlässlich des „EURACTIV Award for Debating Europe Nationally“ das erfolgreiche Kommunikationsmodell der EBD hervor.
Hoyer erklärte: „Die Auszeichnung unterstreicht zu Recht die großen Verdienste, die das Netzwerk Europäische Bewegung für die europapolitische Kommunikation in Deutschland hat. Europa muss ein Projekt aller Bürger sein, denn es ist unsere gemeinsame Zukunft. Transparenz, Bürgernähe und ein starkes demokratisches Fundament sind deshalb von ganz entscheidender Bedeutung. Wir wollen deshalb auch in Zukunft gemeinsam mit dem Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland und den ihm angeschlossenen Organisationen und Interessengruppen für einen starken Rückhalt Europas in unserer Gesellschaft arbeiten.“
Das Auswärtige Amt arbeitet mit dem EBD im Bereich der Kommunikation eng zusammen und fördert seine Arbeit mit jährlich über 300.000 Euro.
Preise an Jerzi Buzek und Guy Verhofstadt
Die Jury verlieh den Sonderpreis für europäische Demokratie an Buzek, ehemaliger Ministerpräsident Polens, für seine Rolle im Umbruch Polens zu einem freien und demokratischen Land. Die Ehrung ist mit der Erwartung verknüpft, dass Buzek die Mitglieder des Parlaments anleitet, die EU näher an die Bürger zu bringen.
Bei Annahme des Preises betonte Buzek per Videobotschaft, dass europäische Demokratie mehr als die Europawahlen alle fünf Jahre bedeute. „Es geht darum, sich auf einer Alltagsbasis mit nationaler Politik auseinanderzusetzen und die EU-Politik noch relevanter für die Bürger Europas zu machen.” Er versprach, die Parlamentsdebatten unter seinem Mandat lebendiger zu gestalten.
In der Kategorie Politiker/Politische Organisation wurde Guy Verhofstadt, ehemaliger belgischer Ministerpräsident, anerkannt als „einer der fähigsten Politiker seiner Generation, ein Denker und Schriftsteller, eine treibende Kraft und ein Macher, der sehr auf Europa konzentriert ist und eine wahre Inspiration für die zukünftige europäische Führung des Kontinents darstellt.“
Krise als Chance für die EU
Verhofstadt betonte bei der Entgegennahme des Preises, dass die EU zwar auf lokaler Ebene mit Europäern kommunizieren müsse, die Mitgliedstaaten aber nicht vor schwierigen politischen Entscheidungen zurückschrecken und alles auf Brüssel schieben dürften, wie es oft passiere. „Dies muss sich ändern!” Er äußerte die Hoffnung, dass Europa in Zukunft „positiver“ in der nationalen politischen Kommunikation genutzt wird.
Die jetzige Wirtschaftskrise, so Verhofstadt, bedeute eine große Chance, um Europa näher an die Bürger zu bringen, da die EU und ihre Instrumente wie etwa die gemeinsame Währung „nicht das Prolem, sondern die Lösung zur jetzigen Krise” darstellten.
Auszeichnungen für Slowakei, ARTE und InterRail
Das EuroAtlantic Centre Slowakei erhielt den Preis in der Kategorie Akademische Initiativen. Das Zentrum ist eine Initiative von Studenten, die zur Außenpolitik beitragen und „kreatives Denken“ betreiben wollten, erklärte Michal Kovács, Regionaldirektor und Vizepräsident des Zentrums. Es arbeitet für den Aufbau und Förderung von Beziehungen und fördert den Dialog über den EU- und NATO-Beitritt zwischen jungen Leuten aus den Balkanländern – Mazedonien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Kroatien und Albanien – sowie der Ukraine.
Michal Polgar vom EuroAtlantic Centre betonte, das Ziel sei es aufzuzeigen, dass „junge Menschen ihre Geschichte hinter sich lassen und einen Neuanfang machen können“, trotz potenzieller Versuche einiger politischer Parteien, eine politische Agenda auf historischen Ressentiments aufzubauen.
Der französisch-deutsche zweisprachige Rundfunksender ARTE wurde in der Kategorie Medien für seinen Beitrag zur grenzüberschreitenden Debatte über Europas Kultur, Erbe und Zukunft ausgezeichnet..
Das paneuropäische Bahnticket InterRail wurde als Gewinner der Kategorie Dienstleistung dafür ausgezeichnet, dass es seit 1972 Millionen von jungen europäischen Bürgern ermöglicht, 30 europäische Länder umweltfreundlich und preisgünstig mit einem einzigen Zugticket zu entdecken.
In seiner Erwiderung sagte ein InterRail-Vertreter, dass in den vergangenen Jahren viele InterRail Websites in lokalen Sprachen geschaffen worden seien und dass dadurch viele junge Menschen „mit der Wiederentdeckung Europas angefangen haben",
Sonderpreis für Coffee Futures
Coffee Futures, ein türkischer Dokumentarfilm, erhielt den Sonderpreis für Originalität, da er die Schicksale einzelner Charaktere mit der Geschichte über die jahrzehntelangen Bemühungen der Türkei um den EU-Beitritt verwebt. Der 31. Juli 2009 markiert den 50. Jahrestag der ursprünglichen türkischen Einigung mit der damaligen EWG, und „Coffee Futures huldigt der emotionalen Beschaffenheit einer Gesellschaft, über deren europäische Zugehörigkeit lange auf nationaler und internationaler Ebene debattiert wurde”, sagte die Jury.
Die Regisseurin, Zeynep Devrim Gürsel, äußerte die Hoffnung, dass die Dokumentation den Dialog über die Türkei und ihren EU-Beitritt fördern werde – „im Geiste von Offenheit statt Misstrauen und Zynismus über politische Prozesse sowie Pessimismus über internationale Beziehungen – vor allem unter jungen Menschen.“
Christophe Leclercq: zwei neue EURACTIV-Redaktionen
Der Gründer von EURACTIV, Christophe Leclercq, kündigte an, dass in Kürze zwei weitere EURACTIV-Redaktionen in EU-Ländern eröffnet werden. Noch in diesem Jahr wird Madrid dabei sein, und der nächste Standort soll Rom werden. Die bisher jüngste ist die Berliner Redaktion im Haus der Bundespressekonferenz im Regierungsviertel an der Spree. EURACTIV.de ist seit 1. Juni online. Die Deutschland-Redaktion von EURACTIV hatte die EBD für den Award nominiert.
HINTERGRUND:
Die Gewinner wurden aus 37 nationalen Preisträgern von insgesamt mehr als 110 Nominierungen von europäischen Bürgern in 11 Sprachen ausgesucht. Zur VIP-Jury zur Bestimmung der endgültigen Gewinner gehörten der Generaldirektor der Kommunikationsabteilung der Europäischen Kommission und eine Reihe von führenden Persönlichkeiten aus Politik, Think-Tanks, Unternehmen und Zivilgesellschaft.
Die Awards wurden im Frühjahr 2009 ausgelobt. Sie sind Teil eines Jahres voll von zahlreichen Initiativen zur Feier des zehnjährigen Bestehens von EURACTIV.com und des fünften Jahrestags seines CrossLingual Netzwerks, das jetzt 10 Portale in lokalen Sprachen zählt.
Die Preise wurden von Ogilvy Public Relations Worldwide, The Coca-Cola Company und EURid, das die Internet-Domain .eu verwaltet, gesponsert. Die Medienpartner des Ereignisses waren Euronews und The International Herald Tribune. Der Reisepartner war Thon Hotels.
Ewald König