Europäer sind fleißiger als ihr Ruf [DE]

Eine neue Studie des European Industrial Relations Observatory (EIRO) belegt, dass die Europäer durchschnittlich viel mehr arbeiten, als es in Tarifverträgen vorgesehen ist. In vielen Fällen wird sogar die gesetzlich erlaubte Arbeitszeit überschritten. 

Eine neue Studie des European Industrial Relations Observatory (EIRO) belegt, dass die Europäer durchschnittlich viel mehr arbeiten, als es in Tarifverträgen vorgesehen ist. In vielen Fällen wird sogar die gesetzlich erlaubte Arbeitszeit überschritten. 

EIRO, das Forschungsinstitut der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, hat im Jahr 2005 Untersuchungen in den 25 Mitgliedstaaten, den Beitrittsstaaten Rumänien und Bulgarien und Norwegen durchgeführt. Verglichen wurden die in Tarifverträgen festgelegten und gesetzlich bestimmten Arbeitszeiten mit der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit.

Working_time_2006.png

Source: EIRO  /  Graph: EURACTIV.com

Die Ergebnisse der Studie zur wöchentlichen Arbeitszeit:

  • In allen EU-Staaten arbeiten die Angestellten mehr als in zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelten Tarifverträgen vorgesehen. An der Spitze stehen Deutschland und die Niederlande, wo durchschnittlich 4, 6 Stunden mehr gearbeitet wird, als vereinbart ist.
  • In 9 Ländern der EU (4 alten und 5 neuen Mitgliedstaaten) arbeiten die meisten Angestellten sogar mehr, als gesetzlich erlaubt ist. In Slowenien beläuft sich diese Überschreitung auf 3, 3 Stunden, in Lettland sogar auf 3, 7 Stunden.
  • Angestellte in den neuen Mitgliedstaaten arbeiten durchschnittlich 41, 9 Stunden pro Woche, im Vergleich zu den alten Mitgliedstaaten mit durchschnittlich 40, 8 Stunden.
  • Die Gesetze von 14 Mitgliedstaaten erlauben im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie eine Höchstarbeitszeit  von 48 Stundenwochen. Ein positiver Einfluss auf die tatsächliche Arbeitszeit ist dadurch aber nicht bemerkbar: Die Angestellten in diesen Staaten arbeiten durchschnittlich 41, 3 Stunden pro Woche. In den Ländern, die 38 oder 40 Stunden als Obergrenze festlegen, wird durchschnittlich 41, 55 Stunden, also 15 Minuten weniger, gearbeitet.  

Auch die Überstunden in den einzelnen EU-Staaten wurden überprüft:

  • Angestellte in Finnland arbeiteten 2005 im Durchschnitt 7, 8 Stunden mehr pro Woche, als in den Arbeitsverträgen vorgesehen.
  • In Ungarn belief sich diese Zahl auf 10,1 Stunden.
  • In der ersten Hälfte des Jahres 2005 arbeiteten die Maltesen sogar 13 Stunden mehr als vorgesehen.
  • In Deutschland hatten alle Angestellten insgesamt 1, 439 Milliarden Überstunden angesammelt.
  • In Italien beliefen sich die Überstunden auf 5, 5 % der Gesamtarbeitszeit.
  • Im Jahr 2004 arbeitete jeder spanische Angestellte im Durchschnitt 5, 9 mehr pro Woche als vorgesehen.

Bezahlter Urlaub:

  • Der durchschnittliche in Tarifverträgen festgelegte bezahlte Jahresurlaub schwankt zwischen 20 Tagen in Slowenien und Zypern und 33 Tagen in Schweden.
  • In 5 der neuen Mitgliedstaaten sowie Belgien, Irland und Spanien gibt es keinen in Tarifverträgen ausgehandelten bezahlten Jahresurlaub.
  • In den alten Mitgliedstaaten und Norwegen stehen den Arbeitnehmern durchschnittlich 26, 8 bezahlte Urlaubstage zur Verfügung. Im Vergleich zu 25,6 Tagen im Jahr 2000 ist die Zahl  der Urlaubstage demnach stetig gewachsen.

Paid_leave_2006.png


Source: EIRO  /  Graph: EURACTIV.com