Europäischer Blue Deal: Abgeordnete fordern Fokus auf Wasser
EU-Abgeordnete haben einen Aufruf zur Einführung eines ehrgeizigen „Europäischen Blue Deal“ veröffentlicht. Er soll dem Schutz der Wasserressourcen vor klimatischen Belastungen und der Förderung von Energiegewinnung aus dem Meer dienen.
EU-Abgeordnete haben einen Aufruf zur Einführung eines ehrgeizigen „Europäischen Blue Deal“ veröffentlicht. Er soll dem Schutz der Wasserressourcen vor klimatischen Belastungen und der Förderung von Energiegewinnung aus dem Meer dienen.
Ein Europäischer Blue Deal würde die Ziele des European Green Deal durch die nachhaltige Bewirtschaftung der Wasservorräte ergänzen.
„Wasser ist eine grundlegende Ressource, die das Leben auf der Erde, unsere Ökosysteme und unsere Wirtschaft erhält“, heißt es in dem Schreiben, das von einer parteiübergreifenden Gruppe von Europaabgeordneten unterzeichnet wurde.
Sie warnen, dass Europa zunehmend mit Wasserproblemen konfrontiert ist, die sofortige Aufmerksamkeit erfordern. „Die Auswirkungen des Klimawandels, der Urbanisierung, der Industrialisierung und der landwirtschaftlichen Praktiken üben einen immensen Druck auf unsere Wasserressourcen aus“, so die Abgeordneten.
„Die Dürren und Überschwemmungen dieses Sommers in ganz Europa haben uns erneut vor Augen geführt, dass wir in jedem Mitgliedstaat und auf EU-Ebene sofort handeln müssen“, sagte Pernille Weiss, eine dänische Abgeordnete der konservativen Europäischen Volkspartei. Sie ist Vorsitzende der MEP Water Group des Europäischen Parlaments, einer Gruppe von Abgeordneten, die darauf abzielen, Wasser als Thema bereichsübergreifend in der europäischen Politik zu etablieren.
„Nichts zu tun wird uns auf lange Sicht viel mehr kosten als in eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung zu investieren“, fügte sie in einer Erklärung hinzu und forderte eine „ganzheitliche“ Strategie, um Wasserprobleme in verschiedenen Sektoren wie Landwirtschaft, Umwelt, Industrie, Energie und Hausgebrauch anzugehen.
Blaue Wirtschaft
Eine europäische Wasserstrategie würde auch die sogenannte „blaue Wirtschaft“ umfassen, die die meeres- und küstenbasierte Industrie sowie erneuerbare Offshore-Energien wie Wind- und Gezeitenenergie mit einschließt.
Die Europäische Kommission hält Meeresenergien für unverzichtbar, um die Klimaziele der EU zu erreichen. Der Sektor sieht sich jedoch mit Herausforderungen konfrontiert, die mit dem begrenzten Meeresraum und den potenziellen Umweltauswirkungen zusammenhängen, so ein aktueller Bericht des Europäischen Rechnungshofs.
Gleichzeitig warnen die Abgeordneten, dass Europas grüner und digitaler Wandel die Wasserressourcen zusätzlich belastet. Sie verweisen auf „wasserintensive Sektoren wie Halbleiter und Wasserstoffproduktion“, die auf EU-Ebene gefördert werden, ohne ihre Auswirkungen auf die Wasserressourcen zu berücksichtigen.
„Wichtige Sektoren der Wirtschaft werden mit speziellen Mitteln gefördert, aber ein wesentlicher Aspekt ihrer Wertschöpfungsketten wird dabei vergessen: Wasser. Die Realität sieht jedoch so aus, dass der Übergang zu einer Netto-Null-Wirtschaft ohne Wasser einfach nicht möglich ist“, heißt es in dem Schreiben.
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Wasserbewusste Gesetzgebung
Die Abgeordneten fordern die Ernennung eines Vizepräsidenten der EU-Kommission, der sich mit der Sicherheit und Beständigkeit von Wasser befasst.
Das Endziel sei eine „wasserbewusste Gesetzgebung“, um eine Gesellschaft zu schaffen, in der „der Wert des Wassers anerkannt und verstanden wird“, fügen sie hinzu.
„Wasser ist unsere wertvollste Ressource. Europa muss die Bedeutung des Wassers in all seinen Politikbereichen anerkennen, und dies erfordert eine ehrgeizige Strategie, die mit dem europäischen Green Deal vergleichbar ist“, so Pietro de Lotto, Koordinator für den europäischen Blue Deal beim Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA), einem beratenden Gremium.
„Die europäische Zivilgesellschaft ist bereit, dazu beizutragen, und wir freuen uns, dass wir uns mit den Mitgliedern des Europäischen Parlaments zusammenschließen können, die unsere Ambitionen teilen. Es ist Zeit für einen EU Blue Deal!“
> Lesen Sie das vollständige Schreiben (auf Englisch) unten oder laden Sie es hier herunter:
Joint Call for an EU Blue Deal Strategy
[Bearbeitet von Frédéric Simon/Alice Taylor]