Europäische Waldbrandemissionen haben Höchststand erreicht
Die Waldbrände, die in diesem Sommer aufgrund hoher Temperaturen und anhaltender Trockenheit über Europa hinwegfegten, verursachten nach Angaben des Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienstes (CAMS) die höchsten Emissionen durch Brände seit 15 Jahren.
Die Waldbrände, die in diesem Sommer aufgrund hoher Temperaturen und anhaltender Trockenheit über Europa hinwegfegten, verursachten nach Angaben des Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienstes (CAMS) die höchsten Emissionen durch Brände seit 15 Jahren.
Im Sommer 2022 kam es in weiten Teilen Westeuropas zu häufigeren und großflächigen Wildfeuern, von denen Spanien, Frankreich und Italien besonders betroffen waren.
Im Zeitraum vom 1. Juni bis zum 31. August wurden in der EU und im Vereinigten Königreich schätzungsweise 6,4 Megatonnen Kohlenstoff emittiert – der höchste Wert für diese Monate seit 2007, wie aus den Daten des CAMS Global Fire Assimilation Service hervorgeht.
Allein in Frankreich sind seit Jahresbeginn bis zum 3. September 62 000 Hektar Wald verbrannt, was nach Angaben des Europäischen Waldbrandinformationssystems dem Sechsfachen des Jahresdurchschnitts für den Zeitraum 2006 bis 2021 entspricht.
„Das Ausmaß und die Dauer der Brände im Südwesten Europas, die zu den höchsten Emissionen in Europa seit 15 Jahren führten, waren den ganzen Sommer über äußerst besorgniserregend“, sagte Mark Parrington, leitender Wissenschaftler und Experte für Waldbrände bei CAMS.
„Die meisten Brände traten dort auf, wo der Klimawandel die Entflammbarkeit der Vegetation erhöht hat, wie im Südwesten Europas, ähnlich wie wir es in anderen Jahren bereits in verschiedenen Regionen gesehen haben“, fügte er hinzu.
Die Kombination aus Hitze, Trockenheit und Wind, die Waldbrände auslöst, ist im Mittelmeerraum nichts Neues. Der Klimawandel verschärft jedoch all diese Faktoren und verursacht damit intensivere, weniger kontrollierbare Brände, die sich auch in Mittel- und Nordeuropa ausbreiten.
Auch in Slowenien, der Tschechischen Republik, Ungarn und Deutschland kam es in diesem Sommer zu Waldbränden. In Deutschland hat sich das Ausmaß der verbrannten Fläche gegenüber dem bisherigen Rekord fast verdoppelt und lag deutlich über dem Durchschnitt für den Zeitraum zwischen 2006 und 2021.
In einem kürzlich erschienenen Bericht über Klimakatastrophen wurden die Staats- und Regierungschefs der EU aufgefordert, ihre Vorgehensweise bei der Bekämpfung von Waldbränden zu ändern, um das Risiko von Großbränden, die außer Kontrolle geraten, zu verringern.
Der Bericht „Interconnected Disaster Risks Report“ forderte die politischen Entscheidungsträger:innen auf, alte Brandbekämpfungsmethoden in Betracht zu ziehen, wie beispielsweise das Abbrennenlassen kleinerer Flächen oder die Weidehaltung von Schafen oder Ziegen, um das Unterholz zu beseitigen, das Großbrände begünstigen könnte.
Außerdem wird eine bessere Kommunikation zwischen Behörden wie Forst- und Feuerwehrbehörden, die Einbeziehung des Privatsektors, der Zivilgesellschaft und der Gemeinden in die Planung des Brandmanagements und eine bessere Organisation der Kommunen gefordert, um den Abstand zwischen brandgefährdeten Gebieten und Wohnhäusern zu gewährleisten.
Die EU hat bereits mehrere Änderungen an ihren Rechtsvorschriften zur Landbewirtschaftung vorgeschlagen, darunter das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur, das ein „Schlüsselinstrument für Anpassungs- und Eindämmungsmaßnahmen darstellt, da die Natur die Auswirkungen von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Dürreperioden und Hitzewellen abschwächt“, so ein Sprecher der Kommission gegenüber EURACTIV.
Brände überall auf der Welt
Auch in anderen Teilen der Welt kam es zu verheerenden Bränden. Während im äußersten Osten Russlands weniger Brände als in den letzten Jahren zu verzeichnen waren, kam es in den zentralen und westlichen Regionen des Landes zu einer Häufung von Feuern, die mehrere Tage lang dichten Rauch verursachten und die Luftqualität beeinträchtigten.
Die Gesamtemissionen aus Bränden im zentralen Föderationskreis Russlands, der an die Ukraine und Belarus grenzt, waren laut CAMS die höchsten seit den großen Torfbränden, die das Land im Jahr 2010 heimsuchten.
In Nordamerika begannen im Mai Wälder in Alaska zu brennen, und im Juni und Anfang Juli wüteten Feuer im kanadischen Yukon und den Nordwest-Territorien.
Allerdings waren die Feuerintensität und die Gesamtemissionen in den westlichen US-Bundesstaaten im Vergleich zu 2020 und 2021 deutlich geringer und entsprachen damit eher den typischen Verhältnissen in dieser Jahreszeit.
In Südamerika hingegen kam es Anfang September zu einer Zunahme der Brände im Amazonasgebiet, die eine riesige Rauchdecke über dem Kontinent erzeugten.
In der zweiten Augusthälfte wurden in Brasilien täglich überdurchschnittlich hohe Feueremissionen gemessen. Die geschätzten Gesamtemissionen für diesen Zeitraum gehören damit zu den höchsten seit 2010.
Besonders stark sind die Feueremissionen dabei im Bundesstaat Amazonas, der nach 2021 die zweithöchsten Juli-August-Werte der letzten 20 Jahre verzeichnete.